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Wenn ein Baby auf die Welt kommt, werden nicht nur Größe und Gewicht, sondern auch Vitalwerte wie Herzschlag und Atmung gecheckt. Dauerhaft überwacht werden diese allerdings nur, wenn es einen Anlass gibt. Doch auch bei Kindern, die auf den ersten Blick gesund wirken, gibt es immer mal wieder Komplikationen nach der Geburt. Forscher aus Fulda und Friedberg haben für diese Herausforderung nun eine intelligente Lösung.
Die kleine Leona hat gerade das Licht der Welt erblickt. Noch hängt sie an der Nabelschnur. Die klemmt die Ärztin zuerst mit einer Nabelklemme ab, bevor sie sie durchschneidet. Wenn es nach Forschern der Hochschule Fulda und der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg geht, soll eine Nabelklemme künftig nicht nur den Blutfluss stoppen, sondern gleichzeitig auch die Gesundheit des Neugeborenen kontrollieren.

Jannos Siaplaouras, Kinderkardiologe Hochschule Fulda
„Ziel unseres Projektes ist, dass wir Vitalparameter, also Atmung und Puls, anders als bisher über Elektrik oder wie hier mittels Licht, hier über mechanische Daten, also über Beschleunigungsmessung übermitteln wollen. Das wäre eine dritte Möglichkeit, Atmung und Puls zur Überwachung zu verwenden. Und ein Beispiel, wie so etwas aussehen kann, sehen Sie hier: Die Bauchdecke hebt und senkt sich an unserem Dummy so wie die Atemfrequenz ist. Und was Sie jetzt hier nicht sehen, wäre der Puls, der dann eine kleine Kurve, ein kleines Zittern, bei dieser Box erzeugen würde, die wir aber erfassen würden.“

Hört das Baby auf zu Atmen oder bleibt das Herz stehen, senden die Sensoren einen Alarm ans System. Ein Algorithmus kann die Bewegungen durch Atmung und Puls von anderen Bewegungen des Babys unterscheiden. Auch plötzliche Krämpfe können die Sensoren erkennen. Noch befindet sich die Technik in einem zu großen Kästchen. Ziel ist es, sie zu verkleinern, sodass sie in eine normal große Nabelklemme passt. In der Nabelklemme verbaut sind die Sensoren fest am Baby dran, können also nicht abfallen und dadurch einen Fehlalarm auslösen. Auch störende Kabel sind Geschichte.

Michael Guckert, Wirtschaftsinformatiker THM Friedberg
„Bisher werden wegen des Aufwandes eigentlich nur Risikokinder überwacht. Durch diese Klemme, die sehr einfach angebracht werden kann und da wir sowieso an jedem Kind diese Klemme anbringen und wir die Informationen auf einem zentralen Dashboard sammeln, kann das Personal in einer Neugeborenen-Station entlastet werden, weil man jetzt einfach viele Kinder überwachen kann und wir können damit sogar Kinder überwachen, die man vorher gar nicht überwacht hätte, weil man sie nicht als Risikokinder klassifiziert hätte.“

Neben der intelligenten Nabelklemme kann sich das Entwicklerteam dieselbe Technik auch in anderer Form vorstellen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Art Pflaster, das man bei älteren Babys auf den Bauch klebt, um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Damit aus dem Ansatz ein echtes Produkt wird, unterstützt das hessische Digitalministerium das Projekt  mit knapp 950.000 Euro. Denn im Gesundheitsbereich haben digitale Lösungen noch viel Potential. Ideen wie die intelligente Nabelklemme könnten künftig nicht nur das Gesundheitspersonal entlasten, sondern auch dafür sorgen, dass die Gesundheit von Babys wie Leona besser überwacht wird.