Anfang des Jahres ist der Mindestlohn bundesweit auf 13,90 Euro gestiegen. In Hessen bekommen seitdem rund 363.000 Beschäftige mehr Gehalt – in Rheinland-Pfalz etwa 315.000. Damit hat Deutschland den höchsten Mindestlohn europaweit – kostenbereinigt. Was für Arbeitnehmer also eine große Entlastung in Zeiten steigender Preise ist, fordert Arbeitgeber weiter heraus.
Alexander Menier kennt die Frankfurter Innenstadt wie seine Westentasche. Als Fahrer für einen Lieferdienst bringt er bestelltes Essen zu seinen Kunden. In Frankfurt zu wohnen ist aber für ihn und seine Familie nicht drin.
Alexander Menier
„Weil es mir zu teuer geworden ist. Ich nehme die zwei Stunden pendeln in Kauf tagtäglich, weil ich habe eine größere Wohnung. Im Vergleich zu dem Preis wie wir sie hier kriegen würden. Man wirtschaftet wirklich von einen Tag auf den anderen bis die Lohnabrechnung da ist oder nicht.“
Menier ist ausgebildeter Koch. Weil ihm der Kundenkontakt fehlte, tauscht er vor neun Jahren Schürze gegen Fahrrad und erhält seitdem den Mindestlohn. Der ist jedes Jahr weiter gestiegen, aktuell liegt er bei 13,90 Euro pro Stunde. Für Menier essentiell, um sein Leben zu bestreiten. Ohne staatliche Unterstützung kämen er und seine Familie trotzdem nicht über die Runden. Und doch: Im Mindestlohn sieht der 31-Jährige nicht nur Vorteile.
Alexander Menier
„Weil es überall quasi mitsteigt. Wir sehen es ja auch Monat für Monat selber beim Essen, was wir abholen. Gucken selber auf die Preise und können dann sagen, mh. Bei dem Laden habe ich vor vier Jahren gerne mal gegessen und heute kann ich es mir selbst auch nicht leisten. Aber die Restaurants haben genau so ihre Personalkostenpreise.“
Restaurants wie Zum Lahmen Esel in Frankfurt. Für Gastwirt Max Metzmacher entsteht durch die Mindestlohn-Erhöhung eine Aneinanderreihung an Kosten:
Max Metzmacher, Gastronom
„Zuerst muss man ja auch sagen, dass nicht nur bei mir der Mindestlohn erhöht worden ist, sondern auch bei meinem Metzger, bei meinem Landwirt, bei meinem Getränkelieferant und bei meinem Gemüselieferant ja auch. Dementsprechend steigen auch die Material- und Einkaufspreise. Aber natürlich möchte auch derjenige, der zuvor 14 Euro verdient hat, jetzt auch mehr verdienen, weil er sagt, ich bin schon länger im Betrieb, ich kann schon alles. Warum soll ich so viel verdienen wie jemand, der gerade erst gekommen ist und noch nicht so viel kann?“
Einziger Hebel der Unternehmen sei meist nur, ihre Preise anzuheben, so Arbeitsmarktexperte Stefan Sell. Vor allem in der Gastronomie und in der Landwirtschaft könnten die Kunden dem aber ausweichen: Indem sie weniger essen gehen oder günstigeres Obst und Gemüse aus dem Ausland kaufen. Vor allem nach der Einführung des Mindestlohns vor elf Jahren hätten einige Betriebe schließen müssen. Gleichzeitig seien auch neue Stellen geschaffen worden.
Prof. Stefan Sell, Arbeitsmarktforscher Hochschule Koblenz
„Weil natürlich durch den höheren Mindestlohn haben Menschen auch ein höheres Einkommen. Und gerade die Menschen, die Mindestlohn verdienen, haben eine Konsumquote von 100 Prozent. Heißt: Jeden Euro, den die zusätzlich haben, geben die auch sofort aus. So und das hat bei anderen Unternehmen dann zu entsprechender Umsatzsteigerung geführt und dann haben die neue Leute eingestellt. Das hilft aber dem einzelnen Betrieb, der jetzt Genickbruch erlitten hat durch den Mindestlohn, nicht.“
Für Alexander Menier aber steht fest: Er wird vorerst weiter als Lieferant arbeiten und somit Mindestlohn verdienen. Langfristig will er aber mehr und kann sich vorstellen, sein eigenes Café zu eröffnen.
