Gewalt, Hasssymbole – mit all dem werden Kinder und Jugendliche auf Social Media konfrontiert. Vor wenigen Wochen ist in Australien ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige in Kraft getreten ist – Frankreich und Spanien bringen ebenfalls ein Gesetz auf den Weg. Mittlerweile haben sich auch bei uns sowohl die CDU als auch die SPD für ein Verbot ausgesprochen. Ihre Pläne unterscheiden sich leicht, aber beide Parteien sind sich darin einig, dass Social-Media für Unter-14-Jährige verboten sein soll. Wir schauen auf die politische Diskussion und auf Zahlen, die alarmieren.
Jugend. Information. Medien. Kurz „JIM“. Rund 1.200 Kinder und Jugendliche wurden in der Studie im vergangenen Jahr befragt.
Und die Ergebnisse haben es in sich:
Kinder zwischen 12 und 13 Jahren verbringen pro Tag ganze 166 Minuten an ihrem Smartphone. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahren sind es schon 217 Minuten, also rund dreieinhalb Stunden. Pro Tag.
Über 30 Prozent sagen, sie hätten Angst etwas zu verpassen, wenn ihr Handy nicht angeschaltet wäre.
Schilderungen, die Matthias Nixdorf aus seinem Alltag kennt. Er ist Lehrer am Reichswald-Gymnasium in Ramstein-Miesenbach.
Matthias Nixdorf, Lehrer am Reichswald-Gymnasium
„Es ist schon so, dass einige Schüler eine ziemlich exzessive Mediennutzung haben, das grenzt schon auch an Suchtverhalten an der Stelle. Dann sind auch Schüler antriebsloser, sie bekommen Probleme mit dem Zeitmanagement auch, mit ihrer Produktivität. Da mache ich mir schon meine Gedanken. Ich habe Schüler gerade eben nochmal gefragt, in der zehnten Klasse, die haben über sechs Stunden am Tag soziale Netzwerke im Schnitt, die gesamte Klasse. Das ist zu viel.“
Auf ihrem Parteitag hatte sich die CDU dafür ausgesprochen, ein Mindestalter von 14 Jahren für Social Media einzuführen.
Ein Beschluss, für den sich auch Gordon Schnieder, der Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen CDU für die Landtagswahl, eingesetzt hat.
Gordon Schnieder (CDU), Spitzenkandidat Landtagswahl RLP
„Es geht um die mentale Gesundheit unserer Kinder. Deswegen bin ich für ein Verbot von Social-Media bis zum 14. Lebensjahr. Gleichzeitig parallel daneben Medienbildung. Damit dann die jungen Menschen, die das natürlich auch als Kommunikationsplattform nutzen entsprechend dann auch geschützt und gesichert dann auch in diese Prozesse, in diese Medien danach auch in Anführungszeichen „eintauchen“ können.“
Zusätzlich zum Mindestalter von 14 Jahren sollen nach dem Willen der CDU die Plattformbetreiber verpflichtet werden, ein System für einen Altersnachweis einzuführen. Sollte dieses umgangen werden, solle es „empfindliche Bußgelder“ für die Plattformbetreiber geben.
Und die SPD geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt, es brauche auch eine „verpflichtende Jugendversion der Plattformen“.
Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Landesvorsitzende Rheinland-Pfalz
„Wir wollen halt gerade für die 14 bis 16-Jährigen, dass dort nochmal dieses Endlos-Scrollen beispielsweise nicht mehr erlaubt ist oder dass auch automatisch der Algorithmus dir Inhalt, Informationen in deinen Feed einspielt. Weil das sind tatsächlich die Faktoren, wo sich junge Menschen von beeinflussen lassen oder dann eben nicht mehr aus dieser Schleife herauskommen.“
Ihre Pläne hat die SPD in einem „Impulspapier“ zusammengefasst. Zu den Unterzeichnern gehört auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Er hatte sich zuvor lange gegen ein pauschales Verbot ausgesprochen.
Jetzt also Einigkeit bei SPD und CDU.
Ein Verbot für unter 14-Jährige. Diese Vorstellung gefällt vielen Achtklässlern hier am Gymnasium in Ramstein-Miesenbach nicht wirklich.
Fiona Kellner, 13
„Ich könnte mir vorstellen, es zu reduzieren. Ich denke jedoch nicht ganz zu verzichten.“
Isabel Kutscher, 13
„Im Endeffekt kann man ja doch nicht, dass es benutzt wird, verhindern. Weil Leute werden irgendwie trotzdem drankommen.“
Samantha Seeger, 13
„Ich glaube, ich könnte auch nicht komplett darauf verzichten. Aber dass man es vielleicht einschränkt. Also dass so Inhalte rausgenommen werden.“
Maribel Simon, 14
„Man könnte dann im Unterricht beibringen, wie man das Handy richtig benutzt und man könnte halt eben auch den Eltern beibringen, dass sie da ein bisschen mehr drauf achten sollen.“
Verbot eher nein, Einschränkungen eher ja. So das Ergebnis unserer kleinen Schüler-Umfrage. Einig sind sich Politik und Schüler in einem dann aber doch: Medienkompetenz ist der wichtigste Faktor.
