Am Wochenende haben die USA und Israel den Iran angegriffen, um das dortige Terror-Regime zu stürzen und den Bau von Atomwaffen zu stoppen. Und das führt auch bei uns in Rheinland-Pfalz und Hessen zu einer angespannten Lage. Während Exil-Iraner in Frankfurt den Schlag gegen das Mullah-Regime feiern, erhöhen die Sicherheitsbehörden bei uns den Schutz sensibler Einrichtungen. Die Sorge vor möglichen Gegenreaktionen wächst.
Freudentänze, Fahnen und Feiern: In Frankfurt versammeln sich am Samstag laut Polizei rund 2.000 Menschen zu einer Demonstration, unter ihnen viele Exil-Iraner. Es ist die größte von einem Dutzend Versammlungen in Hessen am vergangenen Wochenende. Die Teilnehmer bejubeln die Angriffe der USA und Israels auf iranische Militärziele. Für sie ist der Schlag gegen das Mullah-Regime in Teheran und der Tod des Staatsoberhaupts Ali Chamenei ein Zeichen der Hoffnung.
Ali Parsa
„Einer der größten Diktatoren der Welt ist gestorben. Und wir sind einfach sehr froh.“
Sarah Nikfar
„Wir freuen uns und hoffen sehr auf ein freies Iran und auch alle anderen Länder.“
Behnoush Ardalan
„Ich bekomme immer Tränen in den Augen, weil endlich mal mein Land, mein Volk, meine Menschen, die ich über alles liebe, frei werden können und wieder in Frieden leben können.“
Firouz Parnianfar
„Nach 47 Jahren ist unser Traum wahr geworden. Und es fehlt nur noch ein Stück bis zur endgültigen Freiheit.“
Anousha Mosadegh
„Wir haben die schlimmsten Tage hinter uns. Und jetzt geht es nur aufwärts.“
In die Euphorie mischt sich bei vielen aber auch die Sorge um Familienmitglieder in der Heimat. So wie bei Sahel Sotoodehnia aus Frankfurt. Ihre Eltern leben im Iran. Weil die Regierung das Internet gekappt hat, sucht sie regelmäßig in sozialen Netzwerken nach Menschen, die sich gerade im Iran aufhalten, und schreibt sie an.
Sahel Sotoodehnia
„Könnt ihr bitte unsere Eltern oder unsere Familien anrufen, damit wir irgendwie ein Lebenszeichen von denen bekommen, um zu sehen, dass es denen einfach gut geht? Und das hab ich jetzt zuletzt gestern Morgen. Das heißt, ich weiß jetzt aktuell gar nicht, wie es denen geht.“
Sorgen um die Sicherheitslage gibt es auch in Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Behörden wappnen sich gegen mögliche Vergeltungsaktionen. Besonders im Fokus sind jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen. In Rheinland-Pfalz liegt mit der Air Base in Ramstein einer der wichtigsten US-Militärstandorte außerhalb der Vereinigten Staaten. Man stehe mit dem US-Militär in engem Kontakt, heißt es von der rheinland-pfälzischen Landesregierung, eine konkrete Gefahr bestehe aber nicht.
Der hessische Innenminister Roman Poseck sieht ebenfalls keine Hinweise auf einen Angriff in seinem Bundesland, aber eine hohe abstrakte Gefahr:
Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen
„Es ist nicht auszuschließen, dass der Konflikt im Nahen Osten auch Auswirkungen auf uns hat. Besonders gefährdet sind dabei natürlich jüdische, israelische und amerikanische Objekte. Dort sind wir vor allem Dingen mit hohen Sicherheitsmaßnahmen vor Ort. Und wir haben diese Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Stunden, dort wo es erforderlich ist, auch punktuell noch einmal verstärkt.“
Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg flüchtete vor über 40 Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Sie hofft auf einen Regimewechsel und sagt: Davon würden auch die Menschen in Europa profitieren.
Nargess Eskandari-Grünberg (Bündnis 90 / Die Grünen), Bürgermeisterin Frankfurt
„Wenn wir ein demokratisch gewähltes Regime haben, eine Regierung haben, die mit den Nachbarn, mit Israel, mit arabischen Ländern, mit Europäern, mit Amerika wirklich einen Frieden schließen kann, dann haben wir eine Hoffnung für eine Welt mit weniger Kriegen und Krisen, von denen wir auch in Europa betroffen sind.“
Viele Exil-Iraner hoffen nach den Ereignissen vom Wochenende auf politische Veränderung. Doch in Hessen und Rheinland-Pfalz steht zunächst die Sicherheit im Mittelpunkt.
