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Das Ende einer Ära: Ministerpräsident Volker Bouffier wird verabschiedet

Mai 30, 2022

Der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands – Volker Bouffier – tritt ab. In Wiesbaden wird er heute Abend mit einem großen Festakt geehrt. Wir schauen jetzt noch mal zurück – auf die Ära Bouffier.
Treffsicher war er oft. Als junger Mann spielt Volker Bouffier Basketball in seiner Geburtsstadt Gießen, schafft es bis in die Bundesliga und die Junioren-Nationalmannschaft. Doch ein schwerer Autounfall stoppt seine Sportlerkarriere. Bouffier wird Rechtsanwalt in geht in die Politik.
Als Roland Koch 1999 hessischer Ministerpräsident wird, macht er seinen engen Vertrauten zum Innenminister. Sein harter Kurs in der Sicherheitspolitik bringt ihm den Namen „Schwarzer Sheriff“ ein.
Nach Kochs Rücktritt 2010 steigt der ewige Kronprinz zur Nummer Eins auf.
In seiner ersten Rede als Ministerpräsident gibt sich versöhnlich:
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 31.08.2010
„Ich biete Ihnen, insbesondere meine Damen und Herren von der Opposition, deshalb heute ganz bewusst ein faires Miteinander und eine konstruktive Zusammenarbeit an.“
2013 zieht der mittlerweile 61-Jährige zum ersten Mal selbst als hessischer Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Mit 38,3 Prozent holt Bouffier für seine CDU ein besseres Ergebnis als zuletzt sein Vorgänger Roland Koch.
Doch der Koalitionspartner FDP schwächelt, Schwarz-Gelb hat keine Mehrheit mehr. Viele Beobachter rechnen mit einem Bündnis aus CDU und SPD. Doch es kommt anders: In Hessen entsteht die erste schwarz-grüne Koalition in einem deutschen Flächenland.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 23.12.2013
„Wir haben uns bewusst so entschieden, wie wir uns entschieden haben, weil wir Vertrauen ineinander gefunden haben.“
Vertrauen ineinander – und das in Hessen, wo sich die politischen Lager – besonders CDU und Grüne – schon immer unversöhnlich gegenüber stehen. Doch Bouffier gibt sich pragmatisch. Sein Credo: Der andere könnte Recht haben. In diesen Jahren wandelt sich das Image von Volker Bouffier vom politischen Hardliner zum Landesvater. Doch angenehme Termine wie beim Besuch der englischen Königin sind die Ausnahme. In den folgenden Jahren folgt eine Krise auf die andere:
Im Jahr 2015 muss die Koalition die Flüchtlingskrise meistern. Immer mehr Menschen kommen nach Hessen, Unterkünfte müssen schnell gefunden und finanziert werden – ein Kraftakt, bei dem Bouffier auch den Schulterschluss mit der Opposition sucht.
Bei der Landtagswahl im Oktober 2018 fährt die CDU massive Verluste ein. Es ist das schlechteste Ergebnis in Hessen seit mehr als 50 Jahren.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 29.10.2018
„27 Prozent – das ist für die hessische CDU alles andere als erfreulich. Wir haben drastische Verluste. Das tut weh.“
Es  sind die Grünen, die mit einem Rekordergebnis dafür sorgen, dass Schwarz-Grün erneut eine Mehrheit im hessischen Landtag hat. Wenn auch nur eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme. Doch die steht.
Boris Rhein (CDU), Landtagspräsident Hessen, am 18.01.2019
„Auf den Vorschlag Volker Bouffier entfielen 69 Ja-Stimmen.“
Es wird eine harte Legislaturperiode: Im Juni 2019 wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet. Ein Einschnitt in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsiden Hessen, am 19.06.2019
„Wir haben den ersten offenkundig rechtextremistisch begründeten Mord an einem Politiker nach meiner Erkenntnis seit der Weimarer Republik – das ist eine Zäsur. Das ist etwas, das uns alle wach- und aufrütteln muss.“
Wenige Monate später schaut die Welt wieder auf Hessen: In Hanau erschießt ein Mann neun Menschen mit Migrationshintergrund. Das Bundeskriminalamt stuft die Tat als rechtsextremen Terroranschlag ein.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 20.02.2020
„Wir sind erschüttert, wir stehen fassungslos vor dem, was dort passiert ist.“
Doch die größte Herausforderung im politischen Leben von Volker Bouffier folgt erst noch: Die Corona-Pandemie zwingt die Regierung zum Dauer-Krisenmanagement: Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Schulschließungen sollen verhindern, dass die Gesundheitsversorgung zusammenbricht.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 29.12.2020
„Corona ist deshalb so unglaublich herausfordernd, weil alle Lebensbereiche betroffen sind – öffentlich wie privat. Ich hab die Finanzkrise mitgemacht auch andere, SARS-Krisen und ähnliches, einmal ging es um die Sorgen der Menschen um ihre Ersparnisse. Aber heute geht es querbeet: Kitas, Schulen, Krankenhäuser.“
Gegen Ende seiner Karriere verlässt den Vollblutpolitiker der Instinkt und er setzt Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union durch. Laschets Niederlage ist auch die von Volker Bouffier. Er gerät unter Druck, seine Nachfolge zu regeln. Ende Februar 2022 ist es soweit.
Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 25.02.2022
„Ich habe heute die Spitzengremien der hessischen CDU von meiner Entscheidung unterrichtet und mitgeteilt, dass ich in der regulären Sitzung des hessischen Landtags am 31. Mai diesen Jahres zurücktreten werde.“
Damit endet nach zwölf Jahren als Ministerpräsident und vierzig Jahren im Landtag eine beispiellose hessische Politik-Karriere.