Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Hessens Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir zum Notfallplan Gas

März 30, 2022

Eva Dieterle spricht mit Tarek Al-Wazir Über die unmittelbaren Auswirkungen der drohenden Gasknappheit.
Eva Dieterle, Moderatorin: Guten Abend.
Tarek Al-Wazir, B’90 / Grüne, Wirtschaftsminister Hessen: Ich grüße Sie.
Dieterle: Herr Al-Wazir, Sie waren heute bei der Konferenz der Energieminister dabei. Was wurde da heute besprochen?
Al-Wazir: Ja, wir haben natürlich zuallererst mal über die akute Versorgungssituation beraten, was Gas angeht. Aber natürlich auch Kohle und Öl, also die drei Bereiche, die zu wesentlichen Teilen bisher aus Russland importiert wurden. Wir wollen, dass wir uns aus dieser Exportabhängigkeit befreien. Da sind sich alle einig. Wir wollen außerdem natürlich, dass wir auch ans Energiesparen und die Energieeffizienz denken, das gehört ja zusammen, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Und wir haben insgesamt sechs Stunden getagt und haben alle Aspekte der Energiewelt, wenn ich das mal so sagen darf, besprochen. Weil, es ist so: Die Energiewende ist so drängend wie nie. Die Versorgungssicherheit ist momentan gefährdet. Das muss man so sagen. Und deswegen liegt viel Arbeit noch vor uns.
Dieterle: Wir haben jetzt die Frühwarnstufe, aber bald könnten die Gaslieferungen gestoppt werden. Was droht uns dann? Auf welches Szenario müssen sich die Bürger einstellen?
Al-Wazir: Ja, es gibt ja drei Warnstufen. Und die frühe Warnstufe ist die erste, und die muss ausgerufen werden – das hat Robert Habeck heute Morgen getan -, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass es zu echten Versorgungsengpässen kommt. Momentan gibt es die noch nicht. Aber Russland hat ja gesagt, dass ab Freitag nur noch Zahlungen in Rubel akzeptiert werden sollen. Das haben sie jetzt ein bisschen abgeschwächt, aber man kann eben nicht ausschließen, dass es dann auch zu weniger Gaslieferungen kommt. Wir sind am Ende des Winters, die Speicher sind zwar noch einigermaßen gefüllt, aber weit entfernt von voll. Und dementsprechend muss man natürlich alles dafür tun, jetzt die Situation sehr genau zu beobachten. Das genau ist die Frühwarnstufe.
Es gibt einen Krisenstab, die Länder arbeiten auch mit, man arbeitet mit den Versorgern zusammen. Man guckt sich sozusagen täglich die Füllstände an, versucht alles, um sehr schnell auch andere Lieferungen zu ermöglichen. Aber man tut das alles, um nicht die nächste Stufe ausrufen zu müssen. Das wäre dann sozusagen der Alarmfall, damit es eben nicht zur dritten und schwierigsten Stufe kommt, nämlich dass man wirklich bestimmte Versorger dann auch beauftragen muss, bestimmte Verbraucher, Großverbraucher abzuschalten. Also, das ist ein Stufenplan und das ist jetzt die erste Stufe genau dieses Plans.
Dieterle: Kann auch der Verbraucher was tun, damit es nicht so schnell zu Versorgungs-Engpässen kommt? Was raten Sie in dieser angespannten Situation jedem einzelnen?
Al-Wazir: Ja, wer Putin schaden will, der spart Energie. Spart dann nicht nur Geld, sondern er sorgt auch dafür, dass wir uns aus dieser Abhängigkeit, in die uns vergangene Bundesregierungen geführt haben, auch befreien können. Wir haben 55% unserer Erdgaslieferungen aus Russland, das ist nicht so leicht zu substituieren wie Kohle oder Öl. Und das Allerwichtigste ist: Wir müssen Energie sparen, wir müssen mit Energie effizienter umgehen. Je besser wir dabei sind, umso unabhängiger werden wir auch. Und natürlich gehört am Ende auch die Energiewende dazu. Weil Strom kann man erzeugen, muss man erzeugen und dann ist immer die spannende Frage: Wie macht man das? Das Gleiche gilt für die anderen Bereiche, und Sonne und Wind kann uns halt keiner den Hahn abdrehen.
Dieterle: Herr Al-Wazir, vielen Dank für das Interview.
Al-Wazir: Gerne.