Weitere Kommentare zum Thema Gendern
Weitere Kommentare zum Thema Gendern
David Rischke:

„Es ist an der Zeit, im behördlichen Sprachgebrauch der Gleichstellung von Mann und Frau und dem zeitgemäßen Selbstverständnis der Frau von ihrer Stellung in der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Somit ist es nicht länger angebracht, bei der Anrede weiblicher Erwachsener im behördlichen Sprachgebrauch anders zu verfahren, als es bei männlichen Erwachsenen seit jeher üblich ist.“ Ein Abschnitt, der an Aktualität nichts eingebüßt hat. Mit einem Unterschied: Er stammt aus dem Jahr 1971, ist also schon mehr als fünfzig Jahre alt. Verfasst vom damaligen Innenminister, Hans-Dietrich Genscher. Im Jahr 1971 verfügte der Minister, die Bezeichnung „Fräulein“ für unverheiratete Frauen abzuschaffen. Eine behördliche Anordnung wohlgemerkt. Was hat das mit der aktuellen Debatte um gendergerechte Sprache zu tun? Nun, manch einer wird hinter den Plänen der rheinland-pfälzischen Landesregierung einen „Gender-Wahn“ oder, gar noch robuster, „Gender-Gaga“ vermuten, und von einem „Sprachverfall“ fabulieren. „Wo kämen wir da hin?“ Erstaunlich, wie sich die Argumente der Gegener*innen ähneln, und sich in rund fünfzig Jahren nicht verändert haben. Sprache passt sich immer den gesellschaftlichen Veränderungen an. Das ist nichts Neues, und unter Sprachwissenschaftler*innen nüchterner Konsens. Politiker*innen, wie in diesem Fall, hecheln damit nur Entwicklungen hinterher, die ohnehin schon stattgefunden haben. Wenn wir es also mit einer Gleichstellung aller Menschen ernst meinen, sollten wir verbal abrüsten und uns daran erinnern: Es gibt nichts Dauerhaftes, außer Wandel. Wussten schon die alten Griech*innen.
Markus Appelmann:

Liebe Zuschauer*Innen,
das mag noch irgendwie lesbar sein, im Fernsehen klingt es wie ein Fehler: Zuschauer (Pause) innen. Und daher gibt es das Gendersternchen in meinen Moderationen nicht. Und das hat noch andere Gründe: Ich habe immer gelernt, in einfachen Worten die schwierigen Sachverhalte, die wir in der Sendung bewegen, auszudrücken. Dem widerspricht die Gendersprache. Für mich ist klar: Antidiskriminierung ist ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Die Inklusion aller Menschen zu einer Gemeinschaft findet aber nicht in einem gegenderten Text statt. Und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine. Rund zwei Drittel der Deutschen erachten laut einer Umfrage vom letzten Sommer eine stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache nicht für zielführend. Eine Mehrheit lehnt die gesprochene Kunstpause – wie im eben erwähnten Zuschauer*Innen – ab. Für die aktuelle Gender-Debatte wünsche ich mir etwas mehr Lockerheit. Jeder soll sich so ausdrücken, wie er es in Bezug auf das Gendern für angemessen empfindet. Definitiv verboten werden sollte jedoch: der Zwang zu Gendern im beruflichen und akademischen Kontext. Eine akademische Leistung sollte nicht schlechter bewertet oder abgelehnt werden, wenn sie nicht den Anforderungen gegenderter Sprache gerecht wird. Wer gendern möchte, möge es tun. Ich tue es nicht, da gendern an der Lebens- und Sprachwirklichkeit vieler Menschen vorbeigeht.
Robert Murmann:

„Gendergerechte Sprache“ ist ein Begriff, der zunächst einmal unheimlich viel verspricht. Gerechtigkeit soll da hergestellt werden, nur indem man seine Ausdrucksweise anpasst – das kann nicht funktionieren. Und wie soll es auch? Schließlich geht es hier um eine Ungerechtigkeit, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Frauen wurden schon immer unterdrückt, marginalisiert, dominiert. Sie verdienen weniger für die gleiche Arbeit und werden auch in unserer westlichen Gesellschaft von Männern immer noch weniger ernst genommen. Ungerechtigkeiten, die weder durch einen Stern, noch durch einen Doppelpunkt oder eine gesprochene Pause endgültig zu beseitigen wären. Doch selbst wenn die Zunge zunächst über die neuen Begriffe stolpert, das Ohr beim Hören zuckt und das Auge in einem Text an ihnen hängen bleibt – für mich ist es wichtig, es trotzdem zu versuchen, denn echte Veränderung gibt und gab es nie geschenkt. Schon die gesetzliche Frauenquote in deutschen Vorständen hat gezeigt, dass der Gesetzgeber manchmal eingreifen muss. Wenn man auf die Freiwilligkeit von Menschen wartet, ihre privilegierten Positionen aufzugeben, dann kann man lange warten. Hier geht es ja auch nicht, wie einige behaupten, darum die Deutsche Sprache in ihren Grundfesten zu erschüttern. Es geht einzig und alleine darum, andere Geschlechter beim Sprechen miteinzubeziehen, so dass sie bei allen Hörer:innen ankommen und sich jeder gleichermaßen angesprochen fühlt. Und wenn der Preis für ein wenig mehr Geschlechtergerechtigkeit (und sei es auch nur in der Sprache) ist, dass man kleine Pausen in ein paar Wörter einbaut, dann bin ich gerne bereit ihn zu zahlen. Denn ich glaube, dass es besser ist einen ersten Schritt auf ein weit entferntes Ziel zu zu gehen – und sei er noch so klein – anstatt einfach stehen zu bleiben.
David Rischke:

„Es ist an der Zeit, im behördlichen Sprachgebrauch der Gleichstellung von Mann und Frau und dem zeitgemäßen Selbstverständnis der Frau von ihrer Stellung in der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Somit ist es nicht länger angebracht, bei der Anrede weiblicher Erwachsener im behördlichen Sprachgebrauch anders zu verfahren, als es bei männlichen Erwachsenen seit jeher üblich ist.“ Ein Abschnitt, der an Aktualität nichts eingebüßt hat. Mit einem Unterschied: Er stammt aus dem Jahr 1971, ist also schon mehr als fünfzig Jahre alt. Verfasst vom damaligen Innenminister, Hans-Dietrich Genscher. Im Jahr 1971 verfügte der Minister, die Bezeichnung „Fräulein“ für unverheiratete Frauen abzuschaffen. Eine behördliche Anordnung wohlgemerkt. Was hat das mit der aktuellen Debatte um gendergerechte Sprache zu tun? Nun, manch einer wird hinter den Plänen der rheinland-pfälzischen Landesregierung einen „Gender-Wahn“ oder, gar noch robuster, „Gender-Gaga“ vermuten, und von einem „Sprachverfall“ fabulieren. „Wo kämen wir da hin?“ Erstaunlich, wie sich die Argumente der Gegener*innen ähneln, und sich in rund fünfzig Jahren nicht verändert haben. Sprache passt sich immer den gesellschaftlichen Veränderungen an. Das ist nichts Neues, und unter Sprachwissenschaftler*innen nüchterner Konsens. Politiker*innen, wie in diesem Fall, hecheln damit nur Entwicklungen hinterher, die ohnehin schon stattgefunden haben. Wenn wir es also mit einer Gleichstellung aller Menschen ernst meinen, sollten wir verbal abrüsten und uns daran erinnern: Es gibt nichts Dauerhaftes, außer Wandel. Wussten schon die alten Griech*innen.
Markus Appelmann:

Liebe Zuschauer*Innen,
das mag noch irgendwie lesbar sein, im Fernsehen klingt es wie ein Fehler: Zuschauer (Pause) innen. Und daher gibt es das Gendersternchen in meinen Moderationen nicht. Und das hat noch andere Gründe: Ich habe immer gelernt, in einfachen Worten die schwierigen Sachverhalte, die wir in der Sendung bewegen, auszudrücken. Dem widerspricht die Gendersprache. Für mich ist klar: Antidiskriminierung ist ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Die Inklusion aller Menschen zu einer Gemeinschaft findet aber nicht in einem gegenderten Text statt. Und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine. Rund zwei Drittel der Deutschen erachten laut einer Umfrage vom letzten Sommer eine stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache nicht für zielführend. Eine Mehrheit lehnt die gesprochene Kunstpause – wie im eben erwähnten Zuschauer*Innen – ab. Für die aktuelle Gender-Debatte wünsche ich mir etwas mehr Lockerheit. Jeder soll sich so ausdrücken, wie er es in Bezug auf das Gendern für angemessen empfindet. Definitiv verboten werden sollte jedoch: der Zwang zu Gendern im beruflichen und akademischen Kontext. Eine akademische Leistung sollte nicht schlechter bewertet oder abgelehnt werden, wenn sie nicht den Anforderungen gegenderter Sprache gerecht wird. Wer gendern möchte, möge es tun. Ich tue es nicht, da gendern an der Lebens- und Sprachwirklichkeit vieler Menschen vorbeigeht.
Robert Murmann:

„Gendergerechte Sprache“ ist ein Begriff, der zunächst einmal unheimlich viel verspricht. Gerechtigkeit soll da hergestellt werden, nur indem man seine Ausdrucksweise anpasst – das kann nicht funktionieren. Und wie soll es auch? Schließlich geht es hier um eine Ungerechtigkeit, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Frauen wurden schon immer unterdrückt, marginalisiert, dominiert. Sie verdienen weniger für die gleiche Arbeit und werden auch in unserer westlichen Gesellschaft von Männern immer noch weniger ernst genommen. Ungerechtigkeiten, die weder durch einen Stern, noch durch einen Doppelpunkt oder eine gesprochene Pause endgültig zu beseitigen wären. Doch selbst wenn die Zunge zunächst über die neuen Begriffe stolpert, das Ohr beim Hören zuckt und das Auge in einem Text an ihnen hängen bleibt – für mich ist es wichtig, es trotzdem zu versuchen, denn echte Veränderung gibt und gab es nie geschenkt. Schon die gesetzliche Frauenquote in deutschen Vorständen hat gezeigt, dass der Gesetzgeber manchmal eingreifen muss. Wenn man auf die Freiwilligkeit von Menschen wartet, ihre privilegierten Positionen aufzugeben, dann kann man lange warten. Hier geht es ja auch nicht, wie einige behaupten, darum die Deutsche Sprache in ihren Grundfesten zu erschüttern. Es geht einzig und alleine darum, andere Geschlechter beim Sprechen miteinzubeziehen, so dass sie bei allen Hörer:innen ankommen und sich jeder gleichermaßen angesprochen fühlt. Und wenn der Preis für ein wenig mehr Geschlechtergerechtigkeit (und sei es auch nur in der Sprache) ist, dass man kleine Pausen in ein paar Wörter einbaut, dann bin ich gerne bereit ihn zu zahlen. Denn ich glaube, dass es besser ist einen ersten Schritt auf ein weit entferntes Ziel zu zu gehen – und sei er noch so klein – anstatt einfach stehen zu bleiben.









