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Awet Tesfaiesus – die erste schwarze Frau im Bundestag

Okt. 26, 2021

Als erste schwarze Frau überhaupt hat es eine Hessin in den Bundestag geschafft. Wir haben uns mit ihr in ihrem Wahlkreis getroffen, genauer gesagt im beschaulichen Eschwege.
Noch passiert es ihr eher selten. Awet Tesfaiesus wird von zwei Passantinnen erkannt und angesprochen. Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn die 47-Jährige schreibt gerade Geschichte – als erste Schwarze Frau im Bundestag.
Angetreten ist sie als Kandidatin für die Grünen im Wahlkreis Werra-Meißner / Hersfeld-Rotenburg, wo sie lange gelebt hat. Eingezogen ist sie schließlich auf Platz neun der hessischen Landesliste. Für sie selbst, aber auch für die schwarze Community in Deutschland: Ein historischer Moment.
Awet Tesfaiesus, Bündnis 90 / Die Grünen, Bundestagsabgeordnete
„Als Schwarze Frau freue ich mich, dass diese Tür geöffnet ist. Dass ich jetzt diejenige in dieser Rolle bin, das ist natürlich auf der einen Seite eine Ehre. Aber auf der anderen Seite natürlich eine riesengroße Verantwortung. Und viel Erwartung. Und es ist etwas, was passieren musste, aber ich wäre auch nicht traurig gewesen, wenn jemand anderes sozusagen diese Bürde auf sich genommen hätte.“
Eine Bürde, die Awet Tesfaiesus bereits seit 2016 auf sich nimmt, als erste Schwarze Stadtverordnete in Kassel. Hier lebt und arbeitet sie hauptberuflich als Anwältin für Asylrecht.
Als Kind flieht sie mit ihrer Familie vor dem Krieg in Eritrea nach Deutschland und braucht lange, um sich hier heimisch zu fühlen. Nach dem Anschlag in Hanau im Februar 2020, der neun Menschen mit Migrationshintergrund das Leben kostet, überlegt die Kommunalpolitikerin ernsthaft, Deutschland mit ihrem Ehemann und elfjährigen Sohn zu verlassen.
Awet Tesfaiesus, Bündnis 90 / Die Grünen, Bundestagsabgeordnete
„Und letztlich hab ich dann für mich entschieden: Nein, ich will nicht auswandern, ich will mich dagegenstemmen, ich will was dagegen tun. Da lag es nahe, dann zu sagen, ich kandidiere für den Bundestag und orientiere mich beruflich auch neu und gebe meine Kanzlei auf und will Vollzeit eigentlich das machen.“
So heißt es: Flucht nach vorne. Immer wieder tritt die Grünen-Politikerin öffentlich auf, erhebt ihre Stimme. Für Diversität, Chancengleichheit und Antidiskriminierung will sie sich auch künftig starkmachen.
Awet Tesfaiesus, Bündnis 90 / Die Grünen, Bundestagsabgeordnete
„Wir sehen das in der Kommunalpolitik überall: Wenn Frauen stärker beteiligt sind, funktioniert das mit der Kinderbetreuung auf einmal viel flotter und besser – und Kindergartenplätze und so weiter. Es macht einen Unterschied. Aber trotzdem weiß ich auch, man muss Mehrheiten finden. Man muss mit verschiedenen Akteur*innen sprechen. Das ist nichts, was ein Selbstläufer ist. Und es ist schon ein Kampf, der auch über mehrere Jahre gehen wird.“
Für sie hat sich eine bislang verschlossen geglaubte Tür geöffnet – als erste Schwarze Bundestagsabgeordnete will Awet Tesfaiesus das nun auch anderen ermöglichen. Eines steht dabei jetzt schon fest: An Arbeit wird es ihr im Bundestag wohl nicht fehlen.