Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Streik im hessischen Einzelhandel

Aug. 14, 2026

Die Mitarbeiter im hessischen Einzel- und Versandhandel haben die Nase voll. Seit gut vier Monaten wird über einen neuen Tarifvertrag für die rund 240.000 Beschäftigten verhandelt – bislang ohne Ergebnis. Die Arbeitgeberseite verweist auf das verbesserte Angebot. Mehr gehe unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht. Die Gewerkschaft sieht das anders und hat heute zur Demo nach Frankfurt geladen.
„Ohne uns – kein Geschäft“. Mit diesem Schlachtruf zieht der Demo-Zug heute Vormittag durch die Frankfurter Innenstadt. Erwartet wurden rund 500 Teilnehmer, gekommen sind Polizeiangaben zufolge knapp die Hälfte. Doch die verstehen es, ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen.

Justin Pfeiffer, Ikea-Mitarbeiter
„Auto … unbezahlbar. Tanken wird immer weniger. Man hat immer weniger Geld für Essen, für Trinken.“
Cornelia Volprecht, Verkäuferin bei H&M
„Von der Hand in den Mund leben, ist es mehr oder weniger. Dann willste dir auch mal leisten, ins Kino gehen zu dürfen oder – mal in den Urlaub fahren – genau, also, das ist wirklich total schwierig mit dem Geld, was man gerade verdient.“
Elinur Ünsay, Dekorateurin bei H&M
„Wir kämpfen nicht nur für uns, für alle, die gering verdienen, die wenig verdienen, die es sehr schwer haben. Für alleinerziehende Mütter, für Auszubildende.“

Für die fordert ver.di 150 Euro mehr Lohn, für die übrigen Angestellten im Einzel- und Versandhandel 250 Euro mehr. Das entspräche in den unteren Entgeltgruppen einer Lohnsteigerung von sieben bis acht Prozent. Vom aktuellen Angebot der Arbeitgeber, ausgelegt auf zwei Jahre, ist das weit entfernt.

Marcel Schäuble, Verhandlungsführer ver.di Hessen
„Die Arbeitgeber haben eine Steigerung von insgesamt 4,4 Prozent mit neun Nullmonaten bislang angeboten, hier in Hessen. Das bedeutet, dass die Kolleginnen und Kollegen quasi bei neun Nullmonaten fast leer ausgehen.“

Mit 2,4 Prozent mehr im ersten Jahr werde nicht einmal die aktuelle Inflation von 2,8 Prozent ausgeglichen, so der Vorwurf. Das reiche nicht aus, zumal im Einzel- und Versandhandel viele nur in Teilzeit arbeiten würden. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch den Handelsverband Hessen, sieht dagegen die Grenze des wirtschaftlich Leistbaren erreicht.

Nils Julian Gerber, Tarifgeschäftsführer Handelsverband Hessen
„Auch die Unternehmen kämpfen mit enorm gestiegenen Kosten und können zusätzliche Belastungen nicht unbegrenzt auffangen. Entscheidend ist deshalb, dass wir gemeinsam nach einem tragfähigen Kompromiss suchen.“

Der soll, so hoffen beide Seiten, bei der nächsten Verhandlungsrunde in zehn Tagen gefunden werden. Die Ansichten darüber, wie ein tragfähiges Angebot aussehen könnte, scheinen aktuell jedoch stark auseinander zu gehen.