Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Obstbauern beklagen Preisdruck

Aug. 10, 2026

Trockenheit, Hitze, Wetter-Extreme – eigentlich denkt man, das seien gerade die größten Sorgen der Obstbauern. Doch die eigentliche Bedrohung kommt von einer ganz anderen Seite: dem enormen Preisdruck. Für viele Betriebe in Rheinland-Pfalz geht es inzwischen um ihre Existenz.
Zwischen den Bäumen in Mülheim-Kärlich läuft die Zwetschgenernte auf Hochtouren. Auf mehr als 45 Hektar baut Obstbauer Thomas Kreuter Steinobst an. Der Großteil der Ernte landet später in Supermarktregalen. Doch statt Gewinn macht der Familienbetrieb derzeit Verluste.

Thomas Kreuter, Obstbauer
„Der Druck der aus EU-Drittstaaten kommt, die produzieren natürlich für Preise, wo wir absolut nicht produzieren können für. Momentan pflücken wir im Prinzip die Pflaumen für die Pflückerkosten und die Vermarktungsgebühr und danach bleibt nicht mehr viel übrig.“

Mit diesem Problem ist Thomas Kreuter nicht allein. Viele Obstbaubetriebe in Deutschland kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Günstige Importe aus dem Ausland setzen die heimischen Erzeuger massiv unter Preisdruck. Die Folgen sind spürbar: Im Schnitt gibt hierzulande alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb auf. Entsprechend groß sind Frust und Verzweiflung auf der heutigen Pressekonferenz. Die Obstbauern warnen: Ohne politische Unterstützung gerät der heimische Obstbau immer weiter unter Druck.

Tim Kirch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau
„Eine Ausnahmeregelung beim Mindestlohn. Wir fordern klar rechtliche Reglungen bei Saisonarbeitskräften und wir fordern, weil wir immer mehr Problem damit haben Saisonarbeitskraft zu bekommen eine einfach praxisnahe Regelung für Saisonarbeitskraft aus Drittstaaten.“

Doch gefordert sind aus Sicht der Obstbauern nicht nur Politik, sondern auch der Lebensmitteleinzelhandel und die Verbraucher. Nur wenn heimisches Obst zu fairen Preisen vermarktet und bewusst gekauft wird, habe der deutsche Obstbau eine Zukunft.
Denn sollte sich an der aktuellen Lage nichts ändern, befürchten viele Betriebe, dass es in wenigen Jahren kaum noch deutschen Obstanbau geben wird. Gleichzeitig wird die Suche nach Nachfolgern immer schwieriger. Thomas Kreuter hat im Vergleich zu vielen Kollegen noch Glück: Sein Sohn übernimmt den Familienbetrieb. Trotzdem übergibt er den Hof angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage mit einem schlechten Gewissen.

Thomas Kreuter, Obstbauer
„Wenn sich die Situation sich hier nicht ändert, das heißt für uns kurz oder lang aufhören. Wir gehen jetzt schon hin und werden den Betrieb von der Fläche hin drastisch verkleinern, das wir sagen bisschen weniger. Wir suchen uns andere Kanäle zum Vermarkten. Weg von den alten, dass Bäumen bisschen mehr junge, was sich einfacher und schneller pflücken lässt und daher die Kosten zu senken.“

Mit jedem Obstbaubetrieb, der aufgeben muss, geht mehr verloren als nur regional erzeugtes Obst. Auch eine über Generationen gewachsene Kulturlandschaft würde sich verändern.