Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Zu Gast im Studio: Bernd Vogler, Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Apr. 16, 2026

Maike Dickhaus spricht mit ihm über die Lage der chemischen Industrie.
Maike Dickhaus, Moderatorin:
Der Chemiebranche geht es schlecht. Und dieses Thema wollen wir jetzt noch vertiefen mit Bernd Vogler. Er ist der Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände in Rheinland Pfalz. Schön, dass Sie hier sind.
Bernd Vogler, Chemieverbände RLP:
Schönen guten Tag.
Dickhaus:
Herr Vogler, diese Krise in der Chemieindustrie, die werden wir Verbraucher doch auch hart zu spüren bekommen. Denn in vielen Alltagsprodukten stecken eben Erzeugnisse der chemischen Industrie. Müssen wir uns also darauf einstellen, dass jetzt Zahnpasta, Waschmittel und Co. bald doppelt so teuer sind?
Vogler:
Ja, in der Tat. Die steigenden Preise, die treffen Verbraucher und Industrie. Wir sind ja nicht nur die umsatzstärkste Branche, es sind auch der mit Abstand größte Energieverbraucher. 70 % der industriellen Energie geht auf Kosten der Chemie, es sind Rohstoffe für Produkte, die wir tagtäglich verwenden. Ja, trifft uns beide. Aber ich glaube, an den Tankstellen steigen die Preise mehr als unsere Produkte.
Dickhaus:
Stichwort BASF. Wir haben es im Beitrag gehört: Überall auf der Welt macht der Chemieriese Gewinne, nur bei uns in Rheinland Pfalz, in Ludwigshafen nicht. Was muss denn passieren? Was muss sich ändern, damit der Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird?
Vogler:
Ja, wir sind in einer massiven Strukturkrise, wo die globalen Verwerfungen noch dazukommen. Und die Krise kommt mit Ansage, nicht erst seit gestern. Thema Energie, Thema Regulierung Was uns wirklich stranguliert. Frau Nighswonger hat es eben angesprochen. Das ist hausgemacht. Das ist hausgemacht und da muss sich dringend was tun. Die Preise sind wirklich zu hoch für Energie und die Regulierungen strangulieren uns.
Dickhaus:
Gerade heute hat die EU-Kommission ja die Pläne der Bundesregierung für einen Industriestrompreis genehmigt. Das heißt, Deutschland kann jetzt die Stromkosten energieintensiver Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar drei Jahre lang subventionieren. Wann werden Sie diese Entlastung denn spüren? Und ist das jetzt die Rettung der chemischen Industrie?
Vogler:
Tja, vor zweieinhalb Jahren haben wir den Industriestrompreis gefordert. Damals Olaf Scholz hat gesagt: “Das ist das Klagen der Kaufleute”. Jetzt haben wir in Brüssel die Möglichkeit. Eigentlich war er für Januar schon zugesagt. Wir haben ihn immer noch nicht. Also viele Versprechungen, viel Erkenntnis im letzten Jahr. Aber bei unseren Firmen ist noch nichts angekommen oder praktisch nichts angekommen. Und solange gehen eben die Spar- und Abbaumaßnahmen weiter. So bitter das ist.
Dickhaus:
Wissen Sie denn jetzt am heutigen Tage, wie der Industriestrompreis dann aussehen wird?
Vogler:
Nein, weder wie hoch noch welche Regularien. Das ist alles hochkomplex. Und der Industrie Strompreis ist ja nur eine Komponente. Der Emissionshandel ist ein zweiter Punkt, der auch immer teurer wird. Das müssen wir in den Griff kriegen, sonst wandert Produktion ab in Bereiche außerhalb der EU.
Dickhaus:
Zur Entlastung der Bürger: Sie haben es eben angesprochen, die Spritpreise an der Tankstelle sind hoch. Deshalb hat die schwarz.rote Bundesregierung jetzt vorgeschlagen, eine Entlastungsprämie von 1.000 € einzuführen. Die können die Unternehmen steuerfrei an ihre Beschäftigten auszahlen. Da gibt es aber auch durchaus Kritik an diesem Vorschlag. Und gerade gestern hat sich Hessens Ministerpräsident zu Wort gemeldet und den Vorschlag seiner eigenen Partei bewertet. Und was er sagt, das hören wir uns jetzt mal an!
Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Viele Unternehmen stehen unter massivem Druck. Ihnen jetzt noch zusätzliche Erwartungen aufzubürden, geht an der Realität vorbei. Wer Wachstum will, muss die Wirtschaft entlasten, statt sie immer weiter in die Pflicht zu nehmen.“
Dickhaus:
Herr Vogler, was bekommen Sie denn da für Rückmeldungen von den Unternehmen aus Ihrer Branche? Werden die die Prämie zahlen?
Vogler:
Also, ich komme gerade heute Vormittag von einem Treffen mit Mitgliedsunternehmen. Und die Realität in den Unternehmen ist so: Wir werden gefragt, wann gibt es denn die 1.000 € vom Staat, dass das der Arbeitgeber bezahlt und nur ein kleiner Steuervorteil wäre, das kommt in den Belegschaften gar nicht an! Und was ich schon traurig finde: Die Arbeitgeber oder auch die Tarifpartner hat man ja gar nicht gefragt. Wir wurden nicht eingebunden, wir sollen es bezahlen. Wir haben gerade vor drei Wochen einen schwierigen Tarifabschluss gemacht. Sehr verantwortlich, wie ich glaube. Und wir haben auf Beschäftigungssicherung gesetzt und nicht auf kurzfristige Prämien, die verpuffen.
Dickhaus:
Also das ist noch nicht der ganz große Wurf. Das höre ich jetzt bei Ihnen raus. Zur Krise in der Chemiebranche war das Bernd Vogler von den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz. Danke für Ihre Einordnung.
Vogler:
Vielen Dank.