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Autozuliefer Erich Jaeger stellt Insolvenzantrag

Apr. 15, 2026

Ihren 100. Geburtstag im nächsten Jahr wollten die Mitarbeiter des Automobilzulieferers Erich Jaeger aus Friedberg bestimmt auch groß feiern. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Denn wieder zeigt sich, wie tief die wichtigste deutsche Industriebranche – die Autoindustrie – in der Krise steckt. Es reiht sich Insolvenz an Insolvenz. Jetzt trifft es auch das hessische Traditionsunternehmen. Weltweit sind rund 1.000 Mitarbeiter von der Pleite betroffen, allein 200 hier bei uns in Deutschland.
Der Hauptsitz von Erich Jaeger in Friedberg.
Vor genau 99 Jahren in Bad Homburg gegründet, stellt die Firma mittlerweile Steckverbindungssysteme her – für Autos, Lastwagen und Traktoren.
Zu den Kunden zählen Hersteller wie BMW und Mercedes, sowie der Rüstungskonzern Rheinmetall.
Jetzt also die Insolvenz. Der Grund laut Muttergesellschaft Ad Capital: Die Umsätze sind stark eingebrochen – wegen geopolitischer Krisen und einer schwierigen Marktlage.
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bestellt.

„Unser Fokus liegt zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit. Parallel schaffen wir Transparenz über die wirtschaftliche Situation und prüfen Sanierungsoptionen.“

Jetzt heißt es: Investorensuche.
Die Insolvenz von Erich Jaeger – sie reiht sich ein in eine lange Kette von Firmenpleiten.
Im vergangenen Jahr gingen in der deutschen Automobilindustrie rund 50.000 Arbeitsplätze verloren. Die Gründe sind vielfältig. Das Hin und Her beim Thema Verbrenner-Aus, billige Konkurrenz aus China, zu hohe Produktionskosten in Deutschland.
Auch bei uns in Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es nahezu täglich neue Hiobsbotschaften.
Ganz aktuell auch wieder in Rüsselsheim. Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat jetzt angekündigt, dort im Entwicklungszentrum erneut hunderte Stellen streichen zu wollen.
Dazu kommen Stellenstreichungen beim Entwicklungsdienstleister Segula, genauso wie bei den Zulieferern Stabilus und ZF in Koblenz und bei BorgWarner in Darmstadt und Langen.
Die Kunden seien verunsichert, sagt Automobilexperte Jürgen Pieper. Deshalb hielten sie sich in Sachen Autokauf zurück. Und das könnte auch erst mal so bleiben.

Jürgen Pieper, Automobilexperte
„Es kommt Unsicherheit gesamtwirtschaftlicher Art dazu und es kommt die Unsicherheit, welche Autos man in Zukunft brauchen wird. Brauche ich jetzt schon ein E-Auto, will ich doch noch einen Verbrenner kaufen? Die Signale, die von der Politik gegeben werden, sind jetzt auch nicht gerade hundertprozentig klar. Und wir haben die Verunsicherung durch diese vielen Probleme in der Welt und das drückt einfach ganz stark auf das Kaufinteresse.“

Bei Erich Jaeger heißt es laut vorläufigem Insolvenzverwalter: Der Geschäftsbetrieb läuft an allen Standorten weiter.
Doch ein Jahr vor dem runden Geburtstag müssen auch die Angestellten hier in Friedberg um ihre Jobs bangen.