Sommerinterview mit Michael Büge (AfD)
Eva Dieterle, Moderatorin:
Hallo!
Michael Büge (AfD), Fraktionsvorsitzender Landtag RLP:
Hallo und herzlichen Dank für die Einladung.
Dieterle:
Herr Büge, wir wollen mehr über Sie erfahren und dafür haben Sie uns wie andere Politiker auch Bilder aus Ihrer Kindheit und Jugend mitgebracht.
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Aus seiner Kindheit hat Michael Büge nur noch wenige Bilder. Die meisten sind bei einem Umzug der Eltern verloren gegangen. Umso wertvoller sind dem 60-Jährigen Fotos wie dieses.
Der zweijährige Michael vor einem Adventskranz. Die Weihnachtszeit liebt er damals ganz besonders. Nicht wegen der Geschenke, sondern weil man viel mehr Süßigkeiten essen darf als sonst. Noch heute eine Leidenschaft.
Michael Büge (AfD), Fraktionsvorsitzender Landtag RLP
„Wenn es ein Laster gibt, ist es tatsächlich, dass ich unwahrscheinlich gerne alles esse, was süß ist. Ich bin in einer Bäckerei groß geworden, ich habe früher den Teig, wenn ich die Gelegenheit hatte, schon aus den großen Töpfen rausgeleckt. Ich esse gerne Kuchen, ich esse gerne Schokolade. Mittlerweile muss ich aufpassen, dass man es nicht sieht, aber ich esse es einfach gerne.“
Praktisch, dass Michael Büge schon immer gerne Sport treibt. Als Sohn eines Bäckermeisters wächst er mit seiner kleinen Schwester in Berlin auf und verbringt jede freie Minute draußen. Am liebsten auf dem Bolzplatz.
Rheinland-pfälzische Luft schnuppert er erstmals 1995, als er hier in Speyer ein Semester an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften verbringt.
Michael Büge ist verheiratet und hat zwei Kinder. Familie ist ihm schon immer wichtig. Eine besondere Erinnerung: seine Konfirmation Ende der 1970er Jahre.
Michael Büge (AfD), Fraktionsvorsitzender Landtag RLP
„Dieses Bild habe ich deswegen rausgezogen, weil das tatsächlich mal ein Tag war, wo auch – wir hatten ja damals gesagt ‚aus Westdeutschland‘ – Teile der Familie vor Ort waren und es ein riesengroßes Familienfest war. Und aus der Erinnerung heraus war es auch das erste Mal, dass ich selbst so im Mittelpunkt stand und das habe ich schon als positiv empfunden, wenn ich ehrlich bin.“
Im Mittelpunkt steht Michael Büge, der heute in Mainz wohnt, jetzt wieder. Als neuer Fraktionschef der AfD im rheinland-pfälzischen Landtag.
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Dieterle:
Über Ihre neue Rolle im Mittelpunkt sprechen wir gleich. Ich möchte noch mal kurz bei dem Semester in Speyer anknüpfen. Wie war das für Sie aus, als Sie aus dieser großen Stadt Berlin dann doch ins ländlich geprägte Rheinland-Pfalz gekommen sind? Was war anders? Haben Sie Momente, an die Sie sich erinnern, wo Sie dachten: “Okay, das läuft hier anders”?
Büge:
Also Rheinland-Pfalz und auch die Zeit an der Hochschule war grundsätzlich, was die Region betrifft, die ja unwahrscheinlich viel Kultur bietet, natürlich entschleunigt, sagt man ja, glaube ich dazu. Das Semester selbst und das Miteinander mit den anderen Studenten und Studentinnen war teilweise auch ein bisschen anstrengend, weil ich glaube, wir haben kein Spargelfest und kein Weinfest in der Zeit ausgelassen, was stattgefunden hatte. Was aber dazu beigetragen hat, dass man relativ schnell viel gesehen hat.
Dieterle:
Das kann Rheinland-Pfalz besonders gut. Es ist eben schon angeklungen: Sie sind der neue Mann an der Spitze der AfD-Fraktion und das kam überraschend. Schauen wir mal auf die Geschehnisse.
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Jubel und Konfettiregen bei der Wahlparty der AfD. 19,5 Prozent – nie zuvor hat die Partei in einem westdeutschen Bundesland besser abgeschnitten.
Das wird auch im neuen Landtag deutlich. Hier ist die AfD jetzt mit 24 Abgeordneten vertreten.
Wie im Bund und in anderen Bundesländern, will auch hier in Rheinland-Pfalz weiterhin keine andere Partei mit der AfD zusammenarbeiten. Die Begründung: Sie sei rechtsextrem und demokratiefeindlich. Auch der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz beobachtet die Partei.
Angeführt wird die neue AfD-Fraktion jetzt von ihm: Michael Büge war früher CDU-Mitglied und Sozialstaatssekretär in Berlin. Aus diesem Amt wurde er entlassen, weil er nicht bereit war, aus der umstrittenen Burschenschaft Gothia auszutreten.
Rund neun Jahre lang war Michael Büge Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen AfD-Fraktion, jetzt wurde er überraschend Fraktionschef. Er folgt auf Jan Bollinger. Der am Wahlabend noch groß gefeierte Spitzenkandidat, ist nur drei Tage später seinen Job als Fraktionsvorsitzender los. Und darüber sichtlich geschockt.
Jan Bollinger (AfD), ehemaliger Fraktionsvorsitzender Landtag RLP, am 25.03.2026
„Wir haben einen tollen Wahlkampf geliefert, haben das beste Ergebnis einer Landtagswahl jemals geholt für die AfD in ganz West-Deutschland und ich denke, es ist erklärungsbedürftig gegenüber unseren Mitgliedern und Wählern warum dann nach diesem Ergebnis der Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat nicht wiedergewählt wird.“
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Dieterle:
Ja, Herr Büge, erklärungsbedürftig. Erklären Sie es uns. Erklären Sie es den Zuschauern und den Wählern.
Büge:
Ich glaube, dass die Entscheidung, die da getroffen wurde, vor allem vor dem Hintergrund von noch mehr Professionalisierung zu sehen ist. Und insoweit war das keine Entscheidung, die am 25. in der Fraktion mit sehr hoher Mehrheit getroffen wurde, gegen Jan Bollinger, sondern es war eine Entscheidung für die Fraktion mit dem Ziel, uns weiter zu professionalisieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Fraktion ja von sechs auf 24 sich faktisch vervierfacht hat.
Dieterle:
Das heißt, Sie sind mit einem nicht so professionellen Kandidaten in den Wahlkampf gegangen.
Büge:
Politik wie auch in anderen Bereichen und gerade wenn es darum geht, auch Funktionen an der Spitze auszuüben, bedeutet letztlich die Besten auch nach vorne zu schieben. Ob ich das tatsächlich bin, muss ich natürlich noch beweisen, gar keine Frage. Aber man hat mir bestimmte, neudeutsch sagt man, glaube ich, “Skills” dazu, da zugeordnet, von denen man glaubt, dass sie hilfreich sein können, diesen Weg noch mal einen Schritt weiter gehen zu können. Ich gelte als jemand, der sehr organisiert ist, der sehr strukturiert ist in seiner Arbeit und der vor allem ein Teamplayer ist. Und ich glaube, das war ein ganz entscheidender Punkt, dass ich jemand bin, der andere mitnimmt und mit ihnen gemeinsam nach vorne geht.
Dieterle:
Im Umkehrschluss muss man dann natürlich sagen, dass das offensichtlich die eigene Fraktion Jan Bollinger ja aberkannt hat, weil sie sich mit großer Mehrheit, wie Sie sagen, für Sie entschieden hat. Es ist kein gewöhnlicher Vorgang gewesen, denn es hat für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Also das war natürlich schon eine Nummer nach so einem Wahlerfolg, dass drei Tage später dann so zu tun.
Büge:
Ich kann nur immer wiederholen, was ich auch Ihren Kollegen und Kolleginnen in den letzten Wochen gesagt hatte: Auch für mich kam das ziemlich überraschend. Ich wurde am Montag danach gefragt und ich erwähne das immer wieder gerne, zunächst habe ich das privat klären müssen, denn wenn man so eine Aufgabe übernimmt, dann muss man sie zu 100 % auch erfüllen können. Und deswegen hatte ich zunächst mal zwei Stunden mit meiner Partnerin gesprochen, die musste dem zustimmen. Dann hatte ich mir Bedenkzeit geben lassen und dann hatte ich mich aus den Gründen, die ich eben auch schon benannt habe, entschieden anzutreten.
Dieterle:
Schauen wir in die Zukunft. Der Landesparteitag steht an. Man darf davon ausgehen, dass Jan Bollinger auch das Amt als Landesvorsitzender danach nicht mehr haben wird, denn es hat sich Sebastian Münzenmaier, der AfD-Bundestagsabgeordneter aus Rheinland-Pfalz, in Position gebracht. Das war jetzt keine Überraschung, denn er war vorher schon Stellvertreter. Aber insgesamt wirkt das Ganze doch viel mehr nach einer kompletten Neuausrichtung der AfD in Rheinland-Pfalz und zwar in die radikalere Richtung. Ist das so?
Büge:
Ich kann keine radikalere Richtung erkennen. Ich finde es immer ganz nett, wenn das so unterstellt wird. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass wir mit einer Neuaufstellung, egal wer am Ende dann auch gewählt wird, weil das bleibt ja auch noch abzuwarten, wie sich das dann am Parteitag darstellen wird, wird das eine sehr klare und noch mal etwas professionellere auch Partei sein.
Dieterle:
Für die radikalere Richtung kann ich Ihnen ein paar Belege geben. Schauen wir uns an, mit wem wir es da zu tun haben. Sebastian Münzenmaier, wenn er es denn wird, Bundestagsabgeordneter, gilt in der AfD als einer der einflussreichen Netzwerker. Er ist vorbestraft wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung. Er wird dem völkischen Flügel zugeordnet. Es gibt immer wieder Nähe zu rechtsextremen Kreisen. Er hat der islamfeindlichen Partei Die Freiheit angehört, ist in einer Burschenschaft, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, usw. usw. Also er steht schon für einen deutlich radikaleren Kurs. Und das bedeutet dann zwangsläufig auch, dass die rheinland-pfälzische AfD radikaler wird.
Büge:
Er steht für einen klaren Kurs. Wir als AfD, das sollte man vielleicht hier nicht ausblenden, sind die einzige Partei, die aktuell nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern deutschlandweit letztlich Volkspartei ist und die in etwa die gleiche Zustimmungswerte mit leichten Unterschieden natürlich zwischen West und Ost hat und damit repräsentiert er das, was ich “gesellschaftliche Mitte” nenne.
Dieterle:
Schauen wir auf einen anderen Strippenzieher in der AfD und das ist und bleibt der thüringische Landeschef Björn Höcke, der in der Partei größere Ambitionen hat und der aktuell in sehr vielen Podcasts sehr viel sagt, was sehr viele Menschen irritiert. Und eines dieser Zitate hören wir uns jetzt an.
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Björn Höcke (AfD), Landesvorsitzender Thüringen
„Was die deutsche Politik macht, das ist ein gewollter Selbstmord. Oder man kann auch sagen, das ist ein großer Mordkomplott gegen das deutsche Volk.“
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Dieterle:
Herr Büge, einer der Köpfe in der AfD, bedient hier offen rechtsextreme Verschwörungstheorien. Was sagen Sie dazu?
Büge:
Also ich werde mich nicht in die Diskussionen selbst einmischen oder einlassen, wo es um Aussagen geht, die letztlich aus meiner Sicht Politologen zu beurteilen haben und diskutieren können.
Dieterle:
Aber Sie sind ja nicht nur Fraktionsvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz, sondern auch ganz normales AfD-Mitglied. Wie finden Sie das, wenn Sie so was hören, wenn das jemand aus Ihrer Partei so offen sagt?
Büge:
Für mich ist die spannende Frage an der Stelle, in welchem Kontext er das gesagt hat. Ist das jetzt ein isolierter Satz, der genau das meint, was da steht? Oder ist das eine Aussage, die im Zusammenhang mit Vor- und Nachrede steht?
Dieterle:
Es war ein viereinhalbstündiger Podcast, es ist aber ein wortwörtliches Zitat.
Büge:
Ich wollte gerade anmerken, ich habe die viereinhalb Stunden nicht gesehen. Ich habe mir mal einige wenige Minuten angeschaut. Ich habe schlichtweg nicht die Zeit, egal von wem und egal welcher Couleur, mir eine oder vier Stunden Podcast anzuhören.
Dieterle:
Das Zitat ist dazu gefallen und ich glaube, das spricht für sich. Aber gut. – Sie geben sich hier als Bügelicher. Richtig glaubwürdig wäre das ja aber eigentlich nur, wenn Sie alle Rechtsaußen-Personen aus der AfD ausschließen würden. Denn so wie die AfD aktuell auftritt, bekommt sie keine Koalitionspartner. Das heißt, Sie wollen nicht regieren.
Büge:
Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir sind gekommen, um auch zu regieren und dementsprechend, wie ich ja schon ausgeführt habe, wir haben ja begonnen, sowohl in der Fraktion als demnächst wahrscheinlich auch in der Partei, uns noch professioneller aufzustellen. Und der nächste Schritt wird in der Tat sein, dass hier und da aus dieser Situation mit Sicherheit auch vor dem Hintergrund der gesamtpolitischen Entwicklung in Deutschland, aber auch in Rheinland-Pfalz sich genau diese Frage stellen wird. Und ich gehe davon aus, dass am Ende pragmatische Politik dafür entscheidend sein wird, ob man gemeinsam mit uns Politik gestalten will oder nicht.
Dieterle:
Bislang will man das in Rheinland-Pfalz nicht, in Hessen nicht, im Bund nicht. Die Brandmauer steht.
Büge:
Die Brandmauer ist im Grunde ein Konstrukt, was insbesondere übrigens der CDU auf die Füße fällt. Sie hat jetzt die Wahl, genau zwei Entscheidungen für sich zu treffen. Die eine Entscheidung ist, die Brandmauer weiter hochzuhalten und weiter die institutionelle Mitte dieser Gesellschaft, die sie selbst definiert haben, zu bedienen oder wieder zurückzukommen und die Probleme und Nöte der gesellschaftlichen Mitte zu erfassen. Da stehen wir aktuell und deswegen, denke ich, haben sie keine andere Wahl, als die Brandmauer auf Perspektive einzureißen.
Dieterle:
Dann schauen wir mal auf die gesellschaftliche Mitte Das eine ist der politische Kontrahent, das andere sind Bereiche, aus denen es auch sehr viel Kritik gibt. Die AfD sieht sich selbst als Partei für Mittelstand und Wirtschaft. Doch die Frage ist: Was ist da eigentlich dran?
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Der Unternehmertag der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, kurz LVU, vergangene Woche in Mainz.
Die LVU spricht für rund 150.000 Unternehmen mit mehr als einer Million Beschäftigten.
Der Unternehmertag ist deshalb ein wichtiger Termin im Kalender der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Wichtig und hochkarätig besetzt. Der Ministerpräsident, Minister, Staatssekretäre, Fraktionsvorsitzende der im Landtag vertretenen Parteien sind gekommen.
Doch Vertreter der AfD finden sich hier keine. Sie wurden nicht eingeladen.
Das sei eine ganz bewusste Entscheidung, sagt Johannes Heger, der Präsident der LVU.
Johannes Heger, Präsident LVU Rheinland-Pfalz
„So wie sich die AfD äußert teilen wir nichts miteinander. Unser Bild vom Euro, von der europäischen Zone, von internationalem Handel, unsere Zuwendung zu den westlichen Ländern und nicht so sehr nach Russland. Und insbesondere das Menschenbild, was die AfD hat, passt überhaupt nicht zu dem, wie wir die ganzen Dinge sehen. Und wir haben nicht die Zuversicht, dass wir die AfD bekehren könnten, ihre Meinung zu ändern. Und wir haben aber auch kein Interesse daran, dass die AfD unsere Veranstaltungen, unsere Plattform dazu benutzt, ihre Botschaften loszuwerden.“
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Dieterle:
Herr Büge, das waren deutliche Worte. Sie kritisieren immer, dass die anderen Parteien Sie ausschließen. Das waren jetzt führende Wirtschaftsvertreter aus Rheinland-Pfalz. Die wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Was sagen Sie dazu?
Büge:
Das ist aus meiner Sicht auf jeden Fall ein Fehler, weil ein wesentliches Element im demokratischen Miteinander ist, erst mal grundsätzlich miteinander zu reden. Das ist schon mal Punkt eins. Punkt zwei, den ich mal anmerken möchte, gerade bezogen auf Rheinland-Pfalz: Wir sind, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, und da sind die klein- und mittelständischen Unternehmer ja ein wesentlicher Teil von, auf Platz 16 aktuell der wirtschaftlichen Entwicklung im Verhältnis zu allen anderen Bundesländern. Das heißt, wenn ich mir als Unternehmer anschaue, wer aktuell nicht in der Lage ist, die Bedarfe und Wünsche der Wirtschaft und hier auch der mittelständischen Unternehmen zu erfüllen, dann waren es die alten Landesregierungen. Und wenn man ins Koalitionspapier reinschaut, finden sich auch nicht wirklich konkrete Ansätze, um das zu ändern. Und mal sehr hart formuliert bezogen auch auf die ja doch auch sehr deutlichen harten Worte: Schlechter als Platz 16 ginge es mit uns auch nicht.
Dieterle:
Aber da stellt sich natürlich die Frage: Also Sie sagen, Sie würden gerne Politik für die Wirtschaft machen. Der Wirtschaft im Land geht es schlecht. Wir haben es aber gerade gehört. Die Wirtschaft sagt: “Nein danke, bloß nicht”.
Büge:
Ich glaube, dass das einfach auch zu kurz geschaut ist und dass offensichtlich insbesondere hier auch wieder nur Punkte aufgezählt wurden, die man hier und da immer mal in den Medien auch lesen kann, mit denen man konfrontiert wird. Wirtschaftspolitik beginnt ja nicht in der Wirtschaft, sondern die beginnt ja schon Schritte vorher. Und wenn ich mir beispielsweise jetzt nämlich mal das aktuelle Papier der Koalition anschaue, welche Ansätze es gibt, um schon mal vorher beispielsweise bei Bildung und Ausbildung die richtigen Schritte vorzubereiten, damit die jungen Menschen dann auch wieder dort ankommen, nämlich in der Wirtschaft mit entsprechenden Qualifikationen, dann fehlt da im Grunde alles. Wir müssen endlich wegkommen, das ist ja zum Beispiel ein Ansatz der AfD, wegkommen, nur zu fördern. Wir müssen auch wieder fordern und aus diesem Mittel von Fördern und Fordern und dem daraus resultierenden Abgleichen von Neigungen und Fähigkeiten der jungen Menschen hier in diesem Land, wird es auch wieder genug junge Menschen gehen, die dann auch für die kleinen und mittelständischen Unternehmen …
Dieterle:
Okay, SIe gehen jetzt auf den Bereich Bildung, schauen wir aber auch auf Gründe, die die Unternehmer nennen. Und hier ist einer.
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In ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr schreibt die AfD:
„Der Euro ist für ein Wirtschaftsgebiet mit 20 sehr unterschiedlichen Volkswirtschaften eine Fehlkonstruktion und kann in dieser Form weder ökonomisch noch sozial funktionieren.“
Die AfD kommt zu dem Fazit:
„Deutschland muss aus dem Euro-System austreten.“
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Dieterle:
Die Unternehmer halten den Euro für unverzichtbar, die AfD will ihn abschaffen. Warum?
Büge:
Ich finde auch das sehr kurzsichtig seitens der Unternehmer hier. Nicht nur der mittelständischen Unternehmen, sondern auch der Großunternehmen und Konzerne. Denn viele der wirtschaftlichen Probleme, die wir im Land haben, neben bestimmten Kosten, die den Unternehmen aufgedrückt werden aus den Bereichen Klima usw., resultieren ja daraus, dass der Euro, was erst mal grundsätzlich ein sehr positiver Gedanke war, eingeführt wurde, aber die wesentlichen Elemente wie Schuldenbremse etc. eben nicht eingehalten werden. Und das belastet dann die Nationalstaaten. Nicht nur Deutschland, auch andere Staaten. Hätten wir diese Situation nicht, dann glaube ich kaum, dass auch nur irgendjemand, auch in der AfD, einen Ausstieg aus dem Euro fordern würde.
Dieterle:
Aber 60 % der rheinland-pfälzischen Exporte gehen in den EU-Binnenmarkt und die Unternehmer sind sehr froh, dass für diesen Handel diese gemeinsame Währung da ist, weil das Planungssicherheit schafft. Das ist ein gut funktionierendes System für die Unternehmer. Warum wollen Sie es ändern?
Büge:
Das sprengt, glaube ich, jetzt den Rahmen, über all diese Einzelpunkte noch mal zu sprechen. Sie haben ja bewusst den einen Satz zum Euro rausgezogen, und ich glaube, da habe ich eine klare Aussage getroffen. Selbstverständlich muss man sich bei diesen Fragen, das gilt aber für alle Bereiche der Politik, ich habe es ja im Grunde selbst auch wenige Minuten vorher in anderem Zusammenhang formuliert, immer auch anschauen, was noch nebenbei an Mechanismen gegeben sind. Da wird man natürlich sowohl in Rheinland-Pfalz als auch für Deutschland genau hinschauen müssen. Aber nur bezogen erst mal auf den Euro ist nicht der Euro das Problem, sondern das Nichteinhalten der Regelungen seit Einführung des Euro. Und damit beschäftigen wir uns. Und wenn das nicht gelöst wird, dann haben wir da klare Vorstellungen und die können ja am Ende nur heißen, dass es eine Alternative geben muss.
Dieterle:
Wir haben Ihre Argumente dazu gehört. Ich glaube, die Sicht der Unternehmer ist auch deutlich geworden. Mehr als deutlich. Wir machen an dieser Stelle jetzt Schluss mit dem reinen politischen Diskurs, denn wir haben zum Ende unserer Sendung immer noch eine schnellere Runde, auch eine persönlichere. Da ist Ihre Entscheidungsfreudigkeit gefragt, mit einem “Entweder oder”. Sind Sie bereit?
Büge:
Ich bin bereit.
Dieterle:
Lieber diszipliniert oder kreativ?
Büge:
Es kommt auf die Situation an. Eher kreativ.
Dieterle:
Elektroauto oder ÖPNV? Was würden Sie wählen?
Büge:
Elektroauto.
Dieterle:
Was ist der stärkste politische Motor: Hoffnung oder Angst?
Büge:
Hoffnung.
Dieterle:
Ihre Partei erweckt gelegentlich einen anderen Eindruck.
Büge:
Für mich ist es Hoffnung. Sie fragen ja mich.
Dieterle:
Bauchgefühl oder Expertenrat?
Büge:
Expertenrat.
Dieterle:
Weil Ihr Bauchgefühl nicht so zuverlässig ist?
Büge:
Doch, das ist sehr gut. Aber ich hätte immer ganz gerne auch noch mal eine Bestätigung meines Bauchgefühls.
Dieterle:
Stichwort WM: Titeltraum oder erst mal Vorrunde überleben?
Büge:
Ich bin Fußballfan. Immer der Titeltraum.
Dieterle:
SMS oder Sprachnachrichten?
Büge:
SMS.
Dieterle:
Spree oder Rhein? Da schließt sich ein Kreis zu Berlin vorne.
Büge:
Der Po.
Dieterle:
Okay. Nie wieder Politik oder nie wieder Schokolade? Der ist gemein, gebe ich zu.
Büge:
Nie wieder Politik.
Dieterle:
Schokolade ist unverzichtbar. Hängematte im Grünen oder Abenteuertrip?
Büge:
Abenteuertrip.
Dieterle:
Okay, da legen Sie sich ganz klar fest. Da wollen Sie ein bisschen Adrenalin. Daran schließt sich die nächste und auch die wahrscheinlich letzte Frage an, nämlich nach dem Sommerurlaub. Haben Sie schon was geplant? Was haben Sie vor in diesem Sommer?
Büge:
Der Sommerurlaub findet nicht im Sommer, sondern im Herbst statt. Und ich bin ein großer Afrikafan. Wir werden zwei Wochen in Tansania. Tiere beobachten.
Dieterle:
Okay, das ist dann in der Tat ein Abenteuertrip. Diesen hier heute haben Sie auf jeden Fall hinter sich gebracht. Das ist das Ende unseres Sommerinterviews. Herr Büge, vielen Dank, dass Sie sich heute meinen Fragen gestellt haben.
Büge:
Sehr gerne. Ich freue mich auf das nächste Mal.









