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Streit um Rechenzentrum in Maintal

Juni 5, 2026

Streamen, Online-Shoppen, Künstliche Intelligenz – für all das brauchen wir immer mehr Rechenleistung – und das bedeutet auch: jede Menge Rechenzentren. Viele davon stehen im Rhein-Main-Gebiet. Doch wenn es um den Bau neuer Rechenzentren geht, positionieren sich Kommunen und auch die Menschen vor Ort immer häufiger dagegen – wie ein Fall aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis zeigt.
Ordnerweise Infos haben Mark Behrend und Thomas Schadt zusammengetragen, die mögliche Luftbelastung berechnet und Informationsabende veranstaltet. Hier im Gewerbegebiet Maintal-Dörnigheim sollte dieses Jahr ein gewaltiges Rechenzentrum entstehen, eigenes Gaskraftwerk inklusive. Denn für die geplante Leistung von 120 Megawatt fehlt vor Ort schlichtweg der Strom. Der Haken: Das Gelände liegt nur wenige hundert Meter vom nächsten Wohngebiet entfernt. Die beiden Anwohner haben einen CO₂-Ausstoß von jährlich über 600.000 Tonnen berechnet. Deshalb sagen der frühere Kreuzerkapitän und der Flugverkehrsleiter: Rechenzentrum, ja, aber eigenes Kraftwerk – nein.

Mark Behrend, Aktivist aus Maintal
„Weil dieses Gaskraftwerk zusätzliche Emissionen und auch thermische Auswirkungen neben dem CO₂ erreicht, die unglaublich sind. Dieses Gaskraftwerk würde für zwei Prozent des hessischen CO₂-Ausstoßes stehen.“
Thomas Schadt, Aktivist aus Maintal
„Eben nicht von vorneweg in dieser großen Auslegung, wie es zunächst geplant war. Wo eben klar war, soviel Energie gibt es hier nicht.“

Mit ihren Berechnungen haben sie Einspruch beim Regierungspräsidium Darmstadt eingelegt, das den Kraftwerksbau genehmigen muss. Nun scheint das Projekt erstmal auf Eis zu liegen. Der amerikanische Betreiber Edgeconnex äußert sich auf Nachfrage nicht. Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher bestätigt, der US-Konzern prüfe derzeit Alternativen. Maintal scheint ein neuer Hotspot für Rechenzentren zu werden: Bürgerinfo jüngst im Stadtteil Bischofsheim, wo der Onlineversand Amazon ein Rechenzentrum auf einem ehemaligen DHL-Gelände plant. Im südhessischen Groß-Gerau verhindert die Stadtverordnetenversammlung dieses Jahr den Bau eines solchen Zentrums. Schon jetzt gibt es in Hessen rund 100 Rechenzentren, viermal so viele wie in Rheinland-Pfalz. Doch immer öfter stoßen Kommunen bei neuen Zentren an ihre Grenzen. Hier will Hessens Digitalisierungsministerin Kristina Sinemus ansetzen.

Kristina Sinemus (CDU), Digitalisierungsministerin Hessen
„Wir haben ein Rechenzentrumsbüro, das Ansprechpartner und Dialogunterstützer ist. Langsam verstehen die Kommunen, die sie hier bei uns auch Unterstützung bei Experten, bei Gutachten aber auch bei Fachfragen bekommen. Ich glaube, hier ist noch Luft nach oben.“

Mehr Informationen, das würden sich Thomas Schadt und Mark Behrend auch von den Betreibern wünschen.

Thomas Schadt, Aktivist aus Maintal
„Transparenz, exakte Einordnung. Im Zweifelsfall Alternativen, einen validen Plan B. Ich denke, dann sollte es klappen. Und auch neue, gute Ideen aufnahmen. Smarte Lösung.“

Zuletzt wurde bekannt, dass in Maintal noch ein drittes Rechenzentrum geplant ist. Wenn wohl kleiner und ohne eigenes Kraftwerk. Den beiden Maintalern scheinen die Fälle für eigene Recherchen nicht auszugehen.