Schaltgespräch mit Benjamin Graumann, Jüdische Gemeinde Frankfurt
Maike Dickhaus spricht mit ihm über die hessische Bundesratsinitiative, die die Leugnung Israels unter Strafe stellen soll.
Maike Dickhaus, Moderatorin:
Guten Tag.
Benjamin Graumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.
Guten Tag.
Dickhaus:
Herr Graumann, Sie begrüßen den Gesetzentwurf, sagen aber auch, er sei „längst überfällig“. Was meinen sie damit?
Graumann:
Diese Initiative ist längst überfällig, weil Judenhass in Deutschland längst nicht mehr versteckt stattfindet. Er ist hörbar und er ist sichtbar. Und zwar insbesondere auf unseren Straßen, auf Demonstrationen. Und wenn auf solchen Demonstrationen die übelsten antisemitischen Parolen gegrölt wird, wenn dort offen zur Vernichtung des jüdischen Staates auf der Welt aufgerufen wird, wenn die Existenz Israels geleugnet wird, dann sind das Aufrufe zum Hass. Und die Meinungsfreiheit ist zu Recht ein hohes Gut, aber sie darf niemals der Freibrief sein für Judenhass. Insofern ibegrüßen wir diese Initiative. Wenn der Hass lauter und stärker wird, dann darf der Rechtsstaat nicht schwächer und leiser werden.
Dickhaus:
Auch in Hessen ist die Zahl antisemitischer Straftaten in den letzten Jahren stark angestiegen. Wie ist die Situation bei Ihnen in Frankfurt, wie hat sich Ihr Leben und das Ihrer Gemeindemitglieder verändert?
Graumann:
Das Leben unserer Gemeindemitglieder hat sich verändert und es hat sich verschlechtert. Und ich möchte das gar nicht abstrakt festmachen an den Rekordzahlen, an antisemitischen Straftaten und Vorfällen, die wir hier in Deutschland haben, sondern ganz konkret an den Menschen. Menschen, die sich Sorgen machen um ihre Zukunft hier in Deutschland, um die Zukunft ihrer Kinder. Menschen, die sich Sorgen machen, wenn sie als Jude erkennbar auf der Straße sind und Menschen, die sich Sorgen machen, wie es hier in Deutschland weitergehen soll.
Dickhaus:
Jetzt hat Hessen den Gesetzentwurf heute in den Bundesrat eingebracht. Was fordern sie darüber hinaus – von der Politik, aber auch von der Zivilgesellschaft?
Graumann:
Diese Initiative ist ein wichtiger Schritt. Aber niemand sollte so naiv sein zu glauben, dass sich Judenhass beseitigen lässt, indem man einfach ein neues Gesetz erlässt. Es bedarf einer massiven Kraftanstrengung. Dieses Gesetz darf nicht das Ende einer Debatte sein, sondern im Gegenteil, es muss der Anfang sein eines ganz konkreten Handlungspakets. Wir brauchen mehr starken Rechtsstaat, einen stärkeren Rechtsstaat. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft, Wir brauchen eine konsequente Politik. Die Worte “nie wieder” bedeuten, Verantwortung zu übernehmen.
00:02:29:10 – 00:02:55:16
Graumann:
Die Worte “nie wieder” bedeuten, heute zu handeln, bevor es morgen zu spät ist. Ich möchte mich nicht damit abfinden in Deutschland, dass jüdisches Leben nur unter Polizeischutz stattfindet. Ich möchte mich nicht damit abfinden, dass unsere Kinder und wir aufpassen müssen, ob wir in der Öffentlichkeit als Jude erkennbar sind. Ich möchte mich auch nicht damit abfinden, dass unsere Universitäten mittlerweile Hochburgen geworden sind für aggressiven Judenhass. Ich möchte, dass Judentum in Deutschland frei, sicher, sichtbar und selbstverständlich ist und das ist eine Aufgabe für uns alle und nicht nur für uns Juden. Denn es muss auch klar sein, Judenhass ist immer auch ein Frühindikator für den Zustand unserer Demokratie. Und wenn Juden in Deutschland nicht sicher sind, dann ist unsere Demokratie erheblich gefährdet.
Dickhaus:
Deutliche Worte von Benjamin Graumann, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Danke Ihnen!
Graumann:
Vielen Dank.
Maike Dickhaus, Moderatorin:
Guten Tag.
Benjamin Graumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.
Guten Tag.
Dickhaus:
Herr Graumann, Sie begrüßen den Gesetzentwurf, sagen aber auch, er sei „längst überfällig“. Was meinen sie damit?
Graumann:
Diese Initiative ist längst überfällig, weil Judenhass in Deutschland längst nicht mehr versteckt stattfindet. Er ist hörbar und er ist sichtbar. Und zwar insbesondere auf unseren Straßen, auf Demonstrationen. Und wenn auf solchen Demonstrationen die übelsten antisemitischen Parolen gegrölt wird, wenn dort offen zur Vernichtung des jüdischen Staates auf der Welt aufgerufen wird, wenn die Existenz Israels geleugnet wird, dann sind das Aufrufe zum Hass. Und die Meinungsfreiheit ist zu Recht ein hohes Gut, aber sie darf niemals der Freibrief sein für Judenhass. Insofern ibegrüßen wir diese Initiative. Wenn der Hass lauter und stärker wird, dann darf der Rechtsstaat nicht schwächer und leiser werden.
Dickhaus:
Auch in Hessen ist die Zahl antisemitischer Straftaten in den letzten Jahren stark angestiegen. Wie ist die Situation bei Ihnen in Frankfurt, wie hat sich Ihr Leben und das Ihrer Gemeindemitglieder verändert?
Graumann:
Das Leben unserer Gemeindemitglieder hat sich verändert und es hat sich verschlechtert. Und ich möchte das gar nicht abstrakt festmachen an den Rekordzahlen, an antisemitischen Straftaten und Vorfällen, die wir hier in Deutschland haben, sondern ganz konkret an den Menschen. Menschen, die sich Sorgen machen um ihre Zukunft hier in Deutschland, um die Zukunft ihrer Kinder. Menschen, die sich Sorgen machen, wenn sie als Jude erkennbar auf der Straße sind und Menschen, die sich Sorgen machen, wie es hier in Deutschland weitergehen soll.
Dickhaus:
Jetzt hat Hessen den Gesetzentwurf heute in den Bundesrat eingebracht. Was fordern sie darüber hinaus – von der Politik, aber auch von der Zivilgesellschaft?
Graumann:
Diese Initiative ist ein wichtiger Schritt. Aber niemand sollte so naiv sein zu glauben, dass sich Judenhass beseitigen lässt, indem man einfach ein neues Gesetz erlässt. Es bedarf einer massiven Kraftanstrengung. Dieses Gesetz darf nicht das Ende einer Debatte sein, sondern im Gegenteil, es muss der Anfang sein eines ganz konkreten Handlungspakets. Wir brauchen mehr starken Rechtsstaat, einen stärkeren Rechtsstaat. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft, Wir brauchen eine konsequente Politik. Die Worte “nie wieder” bedeuten, Verantwortung zu übernehmen.
00:02:29:10 – 00:02:55:16
Graumann:
Die Worte “nie wieder” bedeuten, heute zu handeln, bevor es morgen zu spät ist. Ich möchte mich nicht damit abfinden in Deutschland, dass jüdisches Leben nur unter Polizeischutz stattfindet. Ich möchte mich nicht damit abfinden, dass unsere Kinder und wir aufpassen müssen, ob wir in der Öffentlichkeit als Jude erkennbar sind. Ich möchte mich auch nicht damit abfinden, dass unsere Universitäten mittlerweile Hochburgen geworden sind für aggressiven Judenhass. Ich möchte, dass Judentum in Deutschland frei, sicher, sichtbar und selbstverständlich ist und das ist eine Aufgabe für uns alle und nicht nur für uns Juden. Denn es muss auch klar sein, Judenhass ist immer auch ein Frühindikator für den Zustand unserer Demokratie. Und wenn Juden in Deutschland nicht sicher sind, dann ist unsere Demokratie erheblich gefährdet.
Dickhaus:
Deutliche Worte von Benjamin Graumann, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Danke Ihnen!
Graumann:
Vielen Dank.









