Der Krieg in Nahost treibt seit Wochen die Spritpreise in die Höhe. Um einen unkontrollierten Preisanstieg zu verhindern, hat der Bundestag heute beschlossen, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen. Gesenkt werden können sie jederzeit. Doch dass das wirklich zu einer spürbaren Entlastung führt, das bezweifeln Experten. Taxifahrer und Speditionen etwa, die täglich auf Benzin und Diesel angewiesen sind, müssen gerade tief in den Geldbeutel greifen. Aber auch Landwirte spüren die Folgen des Kriegs, allerdings an ganz anderer Stelle.
Das hier ist Stickstoffdünger, der meistgebrauchte Dünger hierzulande. Und der wird zu einem großen Teil aus der Golfregion bezogen. Ein Drittel des weltweit benutzten Düngers wird durch die Straße von Hormus transportiert, durch die Blockade ist der Düngerpreis zuletzt um bis zu 50 Prozent explodiert. Das trifft auch die Landwirte hier im südhessischen Waldems. Wer sich vor der anstehenden Ernte noch mit Dünger eindecken muss, zahlt je nach Hofgröße bis zu 20.000 Euro drauf. Das hat Folgen.
Bernd Großmann, Landwirt in Waldems-Esch
„Dass wir Dünger-Einsatz einschränken müssen, dadurch weniger ernten, weniger Qualität produzieren in den Endprodukten. Und dadurch halt enorme Einkommensverluste für unsere Familienbetriebe in Hessen. Dann wird es für viele Betriebe auch eng.“
Für die Verbraucher könnten bald die Lebensmittel teurer werden. Und dann kommen noch die gestiegenen Dieselpreise hinzu. 100 Kilometer weiter im mittelhessischen Stadtallendorf: Eine dort ansässige Spedition betankt ihre LKW aus einem eigenen Diesel-Tank, bis zu 60.000 Liter verbraucht die Flotte pro Woche. Das Familienunternehmen transportiert vor allem Lebensmittel und Medikamente, die Preisexplosion hat Gert Kautetzky hart getroffen.
Gert Kautetzky, Geschäftsführer Spedition Kautetzky
„Das wird auf jeden Fall, sage ich mal, an die Existenz eines Unternehmens gehen. Egal in welcher Größe, ob das der kleine Unternehmer ist oder der große. Diese extremen Schwankungen betreffen uns alle.“
Die Bundesregierung reagiert bislang nur mit neuen Regeln für Tankstellen, die Preise sollen künftig nur noch einmal am Tag steigen dürfen. Das geht dem Bundesverband für Güterverkehr nicht weit genug. Schließlich haben die Nachbarn Österreich und Italien ihre Spritsteuern vorübergehend gesenkt.
Dirk Engelhardt, Vorstand Bundesverband Güterverkehr
„Man könnte die Kraftstoffsteuer auf das EU-Mindestmaß absenken. Derzeit sind wir bei 47 Cent, es wäre sofort möglich, auf 33 Cent runterzugehen. Das wäre eine direkte Entlastung der Transportunternehmer, der Verbraucher, also für die ganze Bevölkerung.“
Damit würden dem Staat aber Einnahmen in Milliardenhöhe verloren gehen, argumentiert die Bundesregierung. Wenig Hoffnung also für Spediteure und Landwirte, dass die Spritpreise in den kommenden Wochen sinken.
