Wie gefährdet ist Hessen mit seiner kritischen Infrastuktur wie dem Flughafen oder dem Internetknoten in Frankfurt? Wie schützt man vor Sabotage und Cyberangriffen?
Eva Dieterle, Moderatorin:
Unsere Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Deshalb wollen wir das Ganze jetzt vertiefen. Und bei mir begrüße ich den Kommandeur des Landeskommandos Hessen, Holger Radmann. Guten Abend.
Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen:
Guten Abend, Vielen Dank für die Einladung.
Dieterle:
Herr Radmann, wir fragen uns: Wie gefährdet ist Hessen denn? Wir haben es gerade gesehen. Viel kritische Infrastruktur, der größte Flughafen Deutschlands, einer der wichtigsten und größten Internetknotenpunkte der Welt. Wie gefährdet ist Hessen?
Radmann:
Nun, Sie haben im Beitrag schon eingespielt, dass die Zunahme zu verzeichnen ist, sowohl bei Drohnen als auch bei Sabotage und tatsächlich Cyberangriffen. Und Hessen natürlich als wirtschaftlich starkes Bundesland, insbesondere mit dem Beitrag des Flughafens und des Internetknotenpunkts ist natürlich auch im Interesse von Sabotage, Cyberangriffen und tatsächlich dann auch Drohnenüberflügen, wie wir gesehen haben.
Dieterle:
Hybride Kriegsführung – ein immer größer werdendes Thema. Welche Angriffe finden denn aktuell schon statt? Was können Sie uns darüber sagen?
Radmann:
Nun, wir lesen regelmäßig Dokumente, auch über die Behörden hinweg, und wir erkennen schon, dass in allen Bereichen eine Zunahme im Vergleich zu den letzten Jahren zu verzeichnen ist. Insbesondere Cyberangriffe nehmen sehr stark zu, auf private Computer, aber auch auf Unternehmen. Und Sie haben ja gesehen, bei den Überflügen der Drohnen nimmt das insbesondere zu im öffentlichen Raum und hier bei Flughäfen.
Dieterle:
Sie haben eine App entwickelt zum Schutz vor Cyberangriffen. Das Ganze nennt ResilienzCheck.org. Wir blenden das auch nochmal ein. Was trägt das denn konkret zum Schutz von sensiblen Daten zum Beispiel in Wirtschaftsunternehmen bei?
Radmann:
Nun, wir haben zwei Säulen. Das eine ist die militärische Verteidigung und das andere die zivile Verteidigung, wenn man auf die Gesamtverteidigung schaut. Und für uns war es ein Interesse, mit der Firma GAL Digital GmbH, auch Unterstützung des Wirtschaftsministeriums hier vor Ort, eine App zu entwickeln, die niederschwellig die Möglichkeit gibt, Unternehmen dazu zu bewegen, einen eigenen Resilienzcheck durchzuführen und dort sich auch Fragen insbesondere auch zu Cybersicherheit gegeben. Da geht es um Virenprogramme, da geht es aber auch darum: “Ist der Server meines Steuerberaters gesichert?”, weil es darum geht, wenn tatsächlich Cyberangriffe erfolgreich sind, gehen viele Daten verloren und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, dann insbesondere bei Unternehmen in Hessen, wird stark eingeschränkt.
Dieterle:
Und es ist eben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Für den Ernstfall gewappnet zu sein, das ist natürlich auch geboten beim Thema Drohnenabwehr. Polizei und Bundeswehr arbeiten da immer intensiver zusammen. Wie weit ist man denn da?
Radmann:
Wir haben natürlich eine Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit. Aber gerade bei den Drohnen ist natürlich wichtig, dass wir Verfahren zusammen etablieren und auch üben. Die Zuständigkeiten sind aber klar geregelt Am Frankfurter Flughafen zum Beispiel die Bundespolizei, die Fähigkeiten besitzt, im Land die Bundespolizei Hessen, die Fähigkeiten besitzt und wir mit Streitkräften, die darüber hinaus auch Fähigkeiten besitzen zum Schutz unserer eigenen Infrastruktur.
Dieterle:
Jetzt hat die schwarz-rote Bundesregierung eine intensivere Zusammenarbeit angestrebt, eine bessere Drohnenabwehr, neue Strukturen wurden in Aussicht gestellt. Ist das im Hintergrund schon im Kommen?
Radmann:
Das sehen wir schon. Ich habe gestern auch noch mit dem Innenminister Poseck klar zum Thema Drohnen gesprochen. Wichtig ist dabei, dass wir neben der technischen Realisierung von Detektion und Bekämpfung aber auch Verfahren etablieren, die uns die Möglichkeit geben, innerhalb unserer rechtlichen Rahmen schnell und umfassend zu kommunizieren, um damit natürlich schnell eingreifen zu können.
Dieterle:
Große Herausforderungen für die Zukunft und damit auch für die Bundeswehr. Herr Radmann, vielen Dank, dass Sie zu diesen Themen heute bei uns waren.
Radmann:
Vielen Dank für die Einladung.
