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Die Wasserkuppe ist gerade jetzt – bei schönerem Wetter – ein Paradies für Segelflieger. Der 950 Meter hohe Berg gilt sogar als Geburtsstätte des Sports. Naheliegend, dass dort auch das Deutsche Segelflugmuseum zu finden ist. Das befasst sich derzeit mit der Zeit des Nationalsozialismus.
Deutsche Kampflugzeuge während des zweiten Weltkrieges. Die Nazis setzen auf die noch junge Luftwaffe. Der Krieg soll nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft gewonnen werden. Um Kampfpiloten zu rekrutieren, wird bei den Kindern schon früh die Faszination fürs Fliegen geweckt. Besonders begabte Kinder sollen beim Segelfliegen gefunden werden.

Ulrich Braune, Deutsches Segelflugmuseum
„Immer das Ziel: Großer Aufmarsch, viel Pomp, viel Fahnen. Das Fliegerdenkmal, das im Westen steht, wurde auch miteinbezogen. Da gab’s Fackelzüge hin. Also die Jugendlichen, in dem Fall also die männlichen Jugendlichen, die wurden hier… Ja, das Lagerleben, pfadfindermäßig, mitfliegen, mit Modellbau: Das kam natürlich sehr sehr gut an. Aber das Ziel war immer und einhundertprozentig: Das sollen alles mal Kampfpiloten werden. Der Modellflug und der Segelflug wurden dazu regelrecht missbraucht.“

Die perfide Idee, begeisterte Segelflieger zu Luftwaffe-Piloten zu machen, geht auf  Herrmann Göring zurück. Als Oberbefehlshaber der Luftwaffe macht der später zum Tode verurteilte Kriegsverbrecher die Wasserkuppe zum Ausbildungszentrum.

Ulrich Braune, Deutsches Segelflugmuseum
„Fliegen hat schon immer fasziniert. Ist auch heute noch sehr faszinierend, nicht mehr ganz so sehr wie damals. Aber das war für einen jungen Menschen, der fliegen durfte, eigentlich das Höchste. Und Göring hat das auch erkannt, das hat man im Prinzip ausgenutzt, um diese Kinder dann für die Kampffliegerei zu begeistern im Prinzip. Es war auch so, dass auch hier oben die Kinder jetzt nicht nur Modellflug und Segelflug gemacht haben, die wurden auch politisch entsprechend geschult. Also das war schon alles ganz gezielt durchgestylt, dass die Kinder halt hier verführt worden sind.“

Modellbau ist für Jungs ab 1938 Pflichtfach in der Schule. Vom Modellbau zum Segelflug und von der Fliegerei zum Kampfpiloten: Die Ausbildung zum Luftwaffe-Piloten beginnt bei den Nazis schon mit etwa 10 Jahren.

Ulrich Braune, Deutsches Segelflugmuseum
„Wir haben hier in der Ausstellung einen Stundenplan von damals. Da ist wirklich der Modellflug, der Segelflug, der Motorflug dargestellt. Und auf der Rückseite kann man dann nachlesen: Du bist jetzt Pimpf, so hieß das damals ja. Und dein Ziel soll es sein, Luftwaffen-Pilot zu werden.“

Zur Wahrheit gehört auch: Der Segelflugsport profitiert massiv von den Nationalsozialisten. Durch die Förderung des Regimes entwickelt sich der Sport stark weiter.

Ulrich Braune, Deutsches Segelflugmuseum
„Ja, muss man zugeben, dass die meisten, also sehr viele, die hier oben waren, auch die Nazis unterstützt haben. Auch die Ideologie unterstützt haben. Die haben natürlich den Vorteil gehabt, dass sie fliegen durften. Und der mich unterstützt, dem stehe ich auch nahe, irgendwie. Aber es gab auch ziemlich viel hier oben, die auch Nazis waren, ja.“

Lange findet im Segelflugsport keine Aufarbeitung der NS-Zeit statt. Das Deutsche Segelflugmuseum macht über 80 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges jetzt einen Anfang.