Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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In keinem anderen Bundesland wird so viel Wein angebaut, wie in Rheinland-Pfalz. Die Reben bestimmen die Landschaft, der Weingenuss gehört zur Kultur. Aber seit ein paar Jahren wird immer weniger Alkohol getrunken, viele Weingüter müssen aufgeben. Einige Winzer setzen nun auf den neuen Trend, auf den Wein ohne Schwips.
In der Garage von Sven Leiner in Ilbesheim lagert seit vergangenem Herbst etwas Neues. Um die Null Grad ist es hier. Wärmer darf es nicht werden, denn der mit allerlei natürlichen Zusätzen angereicherte Bio-Traubensaft soll nicht gären. Der Winzer experimentiert hier mit einer alkoholfreien Weinalternative. Sven Leiner nennt sie Infusion.

Sven Leiner, Winzer aus Ilbesheim
„Wir sind ja jetzt hier mit den fermentierten Sachen relativ kurz am Markt. Wenn das so weiterläuft, ist es ein knappes Drittel der Produktion, die wir jetzt sozusagen in alkoholfreien Varianten auf Traubensaftbasis anbieten.“

Auf 17 Hektar stehen die Reben des Familienweinguts. Alles Bio. Viel Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder. Schon seit einiger Zeit setzt der Südpfälzer Winzer neben dem ganz normalen Wein, auch auf alkoholfreie Alternativen.

Sven Leiner, Winzer aus Ilbesheim
„Wir haben vor etwas über zehn Jahren angefangen, mit einem Traubensaftsecco, das heißt, ähnlich wie so ein Perlwein, einen Traubensaft mit Kohlensäure auf die Flasche zu füllen, und haben dann aber relativ bald, diesem Traubensaft einen Kräutertee zugefügt.“

Ganz neu sind Mischungen mit Zitronenthymian, roter oder weißer Beete. Ein Kombucha-Pilz sorgt für eine Art Gärung, bei der kein Alkohol entsteht. Dazu nimmt der sogenannte SCOBY dem Traubensaft die Süße.

Sven Leiner, Winzer aus Ilbesheim
„Wir arbeiten sehr stark mit Gastronomiepartnern zusammen, und da ist es natürlich schon so, dass wir die Rückmeldung bekommen: Es wird weniger, oder anders Alkohol getrunken und es werden zum Teil auch Alternativen verlangt. Ich setzte das ein wie Wein. Mein Anspruch ist schon, dass es so die gleichen Sinne anspricht, darum haben wir auch die gleichen Gläser, und das Einsatzgebiet ist wie beim Wein. Es ist nicht vergleichbar, es ist keine Kopie, es ist komplett eigenständig in seiner Art und auch im Geschmack, aber in der Funktion ist es genau das Gleiche.“

Im rheinhessischen Gau-Heppenheim nutzt Andreas Roll ungefähr 10 Prozent seiner biodynamisch angebauten Trauben für Proxys. Der Winzer und sein Team setzen bereits seit 12 Jahren erfolgreich auf alkoholfreie Weinalternativen. Statt mit Kombucha wird Traubensaft mit Verjus, einem zitronenähnlichen Konzentrat aus grünen Trauben, und verschiedenen Essigsorten gemischt. Alles aus eigener Produktion.

Andreas Roll, Winzer aus Gau-Heppenheim
„Man hat ja eine Vorstellung im Kopf. Wir haben schon viele Sachen probiert, man hat so ein Gefühl dafür, wie lange soll das im Mund schmecken, welche Süße möchte ich denn haben, wie süß oder herb darf es sich im Mund anfühlen? Und so versuche ich, die verschiedenen Zutaten, die alle auf Trauben basieren, in unserem Falle, quasi so zu kombinieren, dass es ein schönes, langes Geschmacksbild im Mund ergibt.“

Ob Proxy, oder Infusion. Es geht um gesündere Genussalternativen ohne Alkohol. Und es geht darum, neue Kunden zu gewinnen. Denn die Nachfrage nach regulärem Wein sinkt, während die promillefreien Alternativen immer beliebter werden.