Es ist die Schlüsseltechnologie – da legen sich viele Experten fest: Künstliche Intelligenz. Immer öfter werden wir im Alltag auf KI treffen. Zum Beispiel in der Verwaltung, wo inzwischen die ersten Kommunen auf Video-Avatare setzen. Während etwa der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit einem künstlichen Video-Nachrichtenformat experimentiert, beantwortet in Büttelborn bereits ein künstlicher Zwilling des Bürgermeisters die Fragen der Bürger – und das auch gleich noch in 28 Sprachen.
Wie hoch ist in Büttelborn die Hundesteuer? Wo gibt es noch freie Kita-Plätze? Und wann hat eigentlich der Wertstoffhof geöffnet? Bürger fragen – der Bürgermeister antwortet: Gerne auch auf Polnisch oder Türkisch…
Marcus Merkels künstlicher Zwilling ist eine echte Premiere: Er ist der erste Bürgermeister-Avatar Deutschlands. Ein großer Mehrwert, wie er findet: Nicht nur für ratsuchende Bürger, sondern auch für den Büttelborner Verwaltungsapparat, der dank KI künftig deutlich entlastet werden könne. Und um seinen Job müsse sich auch niemand Sorgen machen.
Marcus Merkel (SPD), Bürgermeister Büttelborn
„Zum Beispiel unsere Dame am Empfang war ein bisschen skeptisch, dass jetzt ein KI-Avatar alle gängigen Fragen beantwortet. Aber der Vorteil ist natürlich: Sie hat ne 40-Stunden-Woche, aber der KI-Avatar ist 24/7, 365 Tage im Jahr erreichbar.“
Den Avatar entwickelt hat IT-Fachmann Stefan Klink. Das Besondere: Die Gefahr, dass der KI-Zwilling von Bürgermeister Marcus Merkel Unsinn erzählt, besteht nicht. Denn sämtliche Informationen stammen aus einer eigens für diesen Zweck angelegten Datenbank.
Stefan Klink, TÜV-zertifiziereter AI Consultant
„Die KI greift nicht auf das allgemeine Wissen des Internets oder der KI oder das trainierte Wissen der KI zu, oder noch werden die Antworten genutzt, um die KI wieder zu trainieren. Sondern wir haben einen festen Datenstamm, der hinterlegt ist. Und dort wird die Antwort geguckt.“
Auch der Landkreis Darmstadt-Dieburg schickt seit vergangenem Jahr einen Avatar ins Rennen – und zwar das Ebenbild von Jan Prößdorf. Hier beim Trainieren der KI mit einem willkürlichen Text. Prößdorf ist eigentlich Kreisarchivar, stellt sein Gesicht aber freundlicherweise für das KI-Nachrichtenformat des Landkreises zur Verfügung. Sehr zur Verwunderung von Freunden und Bekannten…
Jan Prößdorf, Kreisarchivar Darmstadt-Dieburg
„Die sind dann schon mal ein bisschen überrascht. Und dann wird dann so gefragt: Du, ich dachte Du bist im Archiv, und jetzt bist Du da im Internet und liest da irgendwas vor. Bist du Nachrichtensprecher geworden? Und ich sage: Nee, das bin ich gar nicht. Ich bin es ja, aber ich bin es auch nicht.“
Beim Format „LaDaDi KOMPAKT“ fasst ein speziell entwickeltes ChatGPT-Skript ein mal pro Woche Newsletter-Inhalte auf 90 Sekunden zusammen. Den Rest erledigt die KI – Redakteurin Lisa Lange muss also nicht jede Videobotschaft einzeln aufnehmen.
Stefan Weber, Landkreis Darmstadt-Dieburg
„Wir glauben, dass in der KI ein wahnsinniges Potential liegt – gerade für die Verwaltung, die ohnehin so unter Druck ist. Finanziell, aber auch personell. Wenn man das verantwortungsbewusst angeht, kann man einen riesigen Mehrwert schaffen für die Menschen.“
Anders als in Büttelborn hat man sich im Landkreis Darmstadt Dieburg bewusst dagegen entschieden, einen Avatar des Landrats in die Bütt zu schicken: Damit wolle man vermeiden, dass die Menschen den Klon vielleicht irgendwann nicht mehr vom Original unterscheiden könnten. Doch auch hier ist man überzeugt: Der Künstlichen Intelligenz gehört die Zukunft: Und die kommt oft schneller als man denkt.
