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Wie umgehen mit Suizid? Vater gründet Selbsthilfegruppe für Angehörige von Suizidenten

Jan. 26, 2026

In Deutschland sterben etwa 10.000 Menschen im Jahr, weil sie sich selbst das Leben nehmen. Und an dieser Stelle darf direkt der Hinweis nicht fehlen, dass Menschen mit Suizidgedanken bei der Telefonseelsorge jederzeit Hilfe bekommen – unter der Nummer 0800 – 111 0 111. Wir blenden das hier auch ein. – Rainer Klimm aus der Nähe von Gießen hat seinen Sohn durch dessen Selbsttötung verloren. Seit einigen Jahren leitet er eine Selbsthilfegruppe für Angehörige.
Fast vier Jahre ist er her. Der Tag, den Rainer Klimm niemals vergessen wird. Als er seinen 29-jährigen Sohn tot in der Garage fand. Simon hatte sich das Leben genommen.

Rainer Klimm
„In diesem Moment, muss ich ehrlich sagen, bricht ja alles zusammen. Es bricht ja alles weg. Und du weißt nicht, in diesem Moment, wie geht es jetzt weiter. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich musste schreien.

Rainer Klimm ruft die Polizei an, seine Frau, den Arbeitgeber seines Sohnes. Alles lief wie automatisch, beschreibt er.
Halt gibt dem Ehepaar damals ihre Hündin Lia. Denn die muss versorgt werden und gibt ihnen eine Aufgabe. Ein halbes Jahr später suchen sich Rainer Klimm und seine Frau Unterstützung und finden die Selbsthilfegruppe Agus.

Rainer Klimm
„Wir reden darüber, was wir erlebt haben, was uns schockiert hat, was uns den Boden geworfen hat, was uns den Füßen den Boden weggezogen hat. Was uns belastet, wie wir damit umgehen, wie wir versuchen, damit umzugehen.“

Bei Rainer Klimm haben sich auch schon Menschen gemeldet, die selbst suizidgefährdet sind. Dann verweist er unter anderem an die Telefonseelsorge (Hilfe bei Suizidgefahr: 0800/111 0 111). Seine Selbsthilfegruppe kümmert sich um Menschen, die Angehörige durch Selbsttötung verloren haben. Einmal im Monat treffen sich die Betroffenen. Immer dabei: Hündin Lia, die mit ihrer wilden Art für positive Gedanken sorgt.
Abhaken kann Rainer Klimm den Suizid seines Sohnes trotzdem nicht.

Rainer Klimm
„Es holt einen immer wieder ein. Und es sind immer wieder Momente, ja, wo man sich die Frage stellt.“ – „Welche Frage?“ – „War es so richtig? Haben wir alles getan? War es gerecht? War es irgendwie von unserer Seite her falsch? Haben wir irgendwie falsch erzogen, haben wir… Es wird eine Schuld gesucht. Aber man findet keine.“

Besonders schlimm ist für Rainer Klimm die Verachtung, die ihn manche Menschen spüren lassen. Nach dem Suizid hätten viele einen Bogen um das Ehepaar gemacht. Das mache die Situation für die Hinterbliebenen noch schwerer.

Rainer Klimm
„Suizid ist ja ein Tabuthema immer noch leider. Und viele verschweigen es und ich möchte einfach nur, dass das mehr in die Öffentlichkeit getragen wird, um das auch denen, die hinterblieben sind, geholfen werden kann. Und die Öffentlichkeit kann sehr viel helfen.“

Rainer Klimm wünscht sich mehr Unterstützung. Dass stärker darauf geachtet wird, Suizide zu verhindern. In einer Woche jährt  sich Simons Todestag  wieder. Ein Tag, der für Rainer Klimm nie zur Normalität werden wird.
HILFETELEFON der Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111