Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Jahresausblick der Wohnungswirtschaft

Jan. 23, 2026

Es ist ein Dauerthema: der Wohnungsbau steckt in einer Krise – in Hessen fehlen laut einer aktuellen Studie derzeit 86.000 Wohnungen, in Rheinland-Pfalz sogar 133.000. Das liegt vor allem daran, dass die Baukosten seit Jahren kräftig steigen. Die Situation ist besorgniserregend, sagt der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft.
Wunsch und Realität, sie klaffen beim Wohnungsbau immer weiter auseinander. Um den Bedarf zu decken, müssten in Hessen bis 2030 jährlich etwa 27.000 Wohnungen gebaut werden. Doch 2024 waren es lediglich 18.000, rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2025 rechnet der VdW südwest mit einem weiteren deutlichen Rückgang.

Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest
„Die Baupreise sind viel stärker gestiegen als die Mieten oder auch als die allgemeine Inflationsrate. Und das bedeutet, dass wenn heute gebaut wird, Mieten von bis zu 20 oder sogar 22 Euro pro Quadratmeter verlangt werden müssen, die sich natürlich die allerwenigsten Menschen leisten können. Das Produkt Bauen ist also viel zu teuer geworden.“

Und zwar hessenweit 37 Prozent teurer in den vergangenen fünf Jahren. Das liege an Lieferengpässen, gestiegenen Zinsen und Materialkosten, aber auch an hohen Auflagen. Der Verband begrüßt daher die jüngst vom Landtag novellierte Bauordnung. Die sieht gelockerte Auflagen etwa bei Auto-Stellplätzen vor, Dächer aufzustocken und auszubauen soll künftig leichter werden. Dennoch brauche es dringend ein zweites Baupaket mit niedrigeren Standards für Neubauten.

Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest
„Das können Komfortstandards sein, das können Schallschutzstandards sein. Das können aber auch Standards beim Brandschutz zum Beispiel sein, auch bei der Barrierefreiheit, auch bei der Energetik. Denn diese Standards sind mittlerweile so hoch, dass es einfach gar nicht mehr möglich ist, günstig zu bauen.“

Damit der Bau-Turbo zündet, der seit Ende Oktober bundesweit beschleunigte Bauverfahren ermöglichen soll, müssten Kommunen nun ihre Spielräume nutzen. In Hessen fehle es vor allem an Sozialwohnungen, wie Zahlen aus dem vergangenen Jahr zeigen.

Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest
„Es wurden Anträge im Volumen von 500 Millionen Euro nicht bewilligt, weil einfach nicht genügend Geld zur Verfügung stand. Sprich, wenn diese Anträge bewilligt worden wären, hätten deutlich mehr bezahlbare geförderte Sozialwohnungen gebaut werden können. Und deswegen ist unsere Forderung: Das darf in 2026 nicht noch mal passieren.“

Die Landesregierung müsse 300 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen, so die Forderung. Andernfalls drohe die Wohnungsnot zur Wirtschaftsbremse zu werden, weil Arbeitskräfte verloren gingen.