Was bewirkt der neue Industriestrompreis?
In der Eisengießerei DIHAG Gienanth im pfälzischen Eisenberg laufen die Öfen. Damit das Eisen schmilzt, muss es auf etwa 1500 Grad erhitzt werden. Dafür ist viel Energie nötig, der Stromverbrauch des Unternehmens liegt bei 160 Gigawattstunden pro Jahr, was dem von rund 50.000 Haushalten entspricht. Die Kosten dafür machen mehr als ein Drittel der Produktionskosten aus. Ein klarer Wettbewerbsnachteil.
Faruk Akar, Werksleiter Eisengießerei DIHAG Gienanth Eisenberg
„International sehr schwierig. Wenn man mal überlegt, dass China mit 30 Prozent oder Türkei, die ja quasi vor der Haustür Europas steht, sehr kurze Wege zu uns hat, auch nur 30 Prozent der Industriestromkosten hat, was wir hier in Deutschland haben. Auch gegenüber anderen EU-Ländern stehen wir in Deutschland schon extrem unter Druck.“
Aktuelle Zahlen belegen: Im Jahr 2024 war der Strompreis für deutsche Unternehmen mit rund 17 Cent pro Kilowattstunde deutlich höher als bei den europäischen Nachbarn und mehr als doppelt so hoch wie in den USA und China. Das liegt vor allem an höheren staatlichen Abgaben und Netzkosten. Entlastung soll ein neuer Industriestrompreis bringen, mit 5 Cent pro Kilowattstunde – der allerdings nur für die Hälfte des Verbrauchs gilt. Befristet auf drei Jahre, außerdem muss die Hälfte der Fördersumme in umweltfreundliche Technologien reinvestiert werden. Eine komplette Umstellung von Kohle- auf solche Elektroöfen würde die Eisengießerei allerdings hohe Millionensummen kosten.
Faruk Akar, Werksleiter Eisengießerei DIHAG Gienanth Eisenberg
„Da brauchen wir einfach wegweisende Impulse von der Regierung, von der Politik, die uns da unterstützt. Ansonsten werden wir das nicht umsetzen können.“
Der neue Industriestrompreis helfe da kaum, von dem vorsichtigen Berechnungen zufolge nur ein Cent Ersparnis beim Unternehmen hängen bleiben würde. Weil die Erstattung erst rückwirkend erfolgt, müsse man ein bis zwei Jahre in Vorleistung gehen. Und es fehle an Planungssicherheit über die drei Jahre hinaus. Das sieht man auch beim Darmstädter Chemieunternehmen Röhm so, das unter anderem am Standort Worms Kunststoffe wie Plexiglas herstellt. Jährlicher Stromverbrauch: 200 Gigawattstunden. Angesichts steigender Gesamtkosten sei der aktuell diskutierte Strompreis ein „stumpfes Schwert“.
Hans-Peter Hauck, COO/Geschäftsführung Röhm GmbH Darmstadt
„Wir haben einerseits einen Entlastungstatbestand über den Industriestrompreis von unter einer Million Euro, und haben am Standort Deutschland gleichzeitig eine Zusatzbelastung von 15 Millionen Euro, die sich aus dem CO2-Zertifikatshandel ergeben wird. Das heißt, netto 14 Millionen Belastung.“
Erschwerend komme hinzu, dass der neue Industriestrompreis wohl nicht mit anderen Subventionen kombinierbar sei. Solange die Details noch verhandelt werden, hofft man in Darmstadt wie in Eisenberg, dass die Forderungen nach wettbewerbsfähigen Stromkosten, Planungssicherheit, Entbürokratisierung und Abschaffung ökologischer Gegenleistungen in Berlin Gehör finden.









