TU Darmstadt muss Institut für Sportwissenschaften schließen
Noch herrscht reger Betrieb im Institut für Sportwissenschaften an der Technischen Universität in Darmstadt. Über allem hier schwebt aber seit Jahresbeginn die Gewissheit: die Tage des Instituts sind gezählt. Ende 2026 gehen hier die Lichter aus.
Prof. André Seyfarth, Leiter Institut für Sportwissenschaft TU Darmstadt:
„Sport ist halt eines der Fächer, dass die meisten Studierenden hier nach Darmstadt bringt wenn sie auf Lehramt studieren. Und wenn das meistgewählte Fach wegfällt – und zwar dauerhaft wegfällt – dann ist also ein großer Standort der Lehrerausbildung in Hessen einfach tot.“
Die mehr als 550 Studierenden, die hier meist für das Sportlehramt ausgebildet werden, sollen ihr Studium noch beenden können, das Institut allerdings wird zum Ende des Jahres geschlossen. Alle offenen Stellen werden nicht neu besetzt. Die Universität muss den Gürtel enger schnallen, zehn Prozent des Gesamtbudgets müssen über die nächsten sechs Jahre eingespart werden. Die Unileitung hat die Schere nach langer Überlegung vor allem bei den Sportwissenschaften angesetzt.
Prof. Tanja Brühl, Präsidentin Technische Universität Darmstadt:
„Es ist eine sehr schwierige Entscheidung, die wir gefällt haben, sie ist aber notwendig, damit wir als Universität auch weiterhin zukunftsfähig sind. Denn wenn wir in allen Fachbereichen noch stärker kürzen müssten, würden wir die Grundlage zerstören für Forschung.“
Der Hessische Sportbund hat angesichts der drohenden Schließung bereits Alarm geschlagen. Die Befürchtung: Ohne ein Institut für Sportwissenschaft wird sich der ohnehin schon gravierende Mangel an qualifizierten Sportlehrkräften weiter verschärfen.
Katja Köhler-Nachtnebel, Vizepräsidentin Hessischer Sportbund:
„Kinder bewegen sich immer weniger und es wird immer schwieriger für Kinder. Wir wissen aber sehr genau, wie wichtig Bewegung auch für Lernen ist. Und dazu brauchen wir einfach gut ausgebildete Lehrkräfte, die an die Schulen gehen und den Kindern Bewegung so vermitteln, dass sie Freude daran haben, dass sie damit dann aber auch besser in Mathe, in Englisch und in Deutsch werden. Das ist einfach etwas, was uns dann fehlt.“
Angesprochen auf die Vorwürfe verweist die Universitätsleitung auf eine mangelnde finanzielle Ausstattung von Seiten des Landes.
Prof. Tanja Brühl, Präsidentin Technische Universität Darmstadt:
„Das heißt, der Ausgangspunkt ist der politische Wille der Landesregierung, aus meiner Perspektive, nicht in die Zukunft zu investieren, sondern einfach die wirtschaftliche Lage eins zu eins weiterzugeben an die Universitäten.“
Der Wissenschaftsminister weist die Kritik auf Anfrage zurück.
Timon Gremmels (SPD), Wissenschaftsminister Hessen
„Die aktuellen Konsolidierungsbeiträge sind eingebettet in einen Gesamtzusammenhang: Alle Ressorts müssen große Einschnitte erbringen. Das Budget der Hochschulen kehrt bereits 2027 auf das Niveau von 2025 zurück und wächst ab 2028 kontinuierlich wieder.“
Zumindest die Sportstätten des Instituts sollen erhalten bleiben. Sie könnten nach dessen Abwicklung dann von Darmstädter Schulen genutzt werden.









