Im Talk: Thorsten Schäfer-Gümbel über die Arbeit der GIZ
Der ehemalige hessische Landespolitiker und heutiger Vorstandssprecher der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit im Gespräch mit Maike Dickhaus.
Maike Dickhaus:
Und jetzt ist er bei mir im Studio, der Chef der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Thorsten Schäfer-Gümbel. Schönen guten Abend. Ja, Herr Schäfer-Gümbel, Sie waren jahrzehntelang Politiker, saßen für die SPD im Hessischen Landtag. Seit 2022 sind Sie jetzt an der Spitze der GIZ. Inwiefern sind denn diese Positionen vergleichbar? Also konnten Sie zum Beispiel Ihr Wissen aus der Politik jetzt nutzen?
Thorsten Schäfer-Gümbel, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit:
Na ja, eine gewisse Krisenerfahrung hilft ganz sicherlich auch in der GIZ und bei der Arbeit in der GIZ. Sonst sind natürlich viele Sachen auch nicht vergleichbar. Aber ich sage mal, Führungsfragen, Krisenfestigkeit, persönliche Resilienz, wie man so schön sagt – es ist schon hilfreich.
Dickhaus:
Wenn man sich jetzt die Situation in Deutschland anguckt, da sagen viele: “Hier läuft es noch nicht rund”. Warum nimmt Deutschland also so viel Geld in die Hand, um dann auch noch dem Ausland zu helfen? Also inwiefern profitieren wir davon?
Schäfer-Gümbel:
Also die Frage ist völlig berechtigt. Aber wenn man sich mal anschaut, worin ist eigentlich das Friedensmodell und auch das Wohlstandsmodell Deutschland verankert? Da muss man sehr klar sagen, das Friedensmodell ist verankert in der europäischen Integration und der internationalen Vernetzung. Und unser Wohlstandsmodell, aufbauend auf einer starken, exportorientierten Wirtschaft, ist ein funktionaler internationaler Kontext und ohne beides würde weder das Friedensmodell noch das Wohlstandsmodell funktionieren.
Schäfer-Gümbel:
Das merken wir ja gerade auch seit der Pandemie noch mal sehr explizit, wo wir gemerkt haben, was es bedeutet, wenn Lieferketten zusammenbrechen, nicht mehr funktionieren. Und deswegen ist Deutschland angewiesen auf funktionale und funktionierende internationale Beziehungen. Das ist, glaube ich, die wesentliche Begründung, warum wir ein Interesse haben müssen. Dann kommen so Fragen dazu, wie der Klimaschutz – und wir haben ja das Vietnam-Beispiel gerade genannt – der Klimaschutz und die Energiewende nicht an der deutsch holländischen Grenze enden. Und da nun mal die duale Ausbildung der Exportschlager Nummer eins der internationalen Beziehungen ist, ist es nicht weit hergeholt, dass wir auch an diesen Stellen aktiv sind.
Dickhaus:
Auch in Sachen Wiederaufbauhilfe in der Ukraine sind Sie engagiert. Wie schwierig ist das da denn? Der Krieg läuft ja immer noch.
Schäfer-Gümbel:
Ja, es ist natürlich eine sehr herausfordernde Aufgabe. Die GIZ ist mit einem sehr großen Engagement in der Ukraine, im Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur, im wirtschaftlichen Aufbau, aber auch der Vorbereitung der Ukraine zur EU-Mitgliedschaft. Alles sind starke Themen, große Themen und das ist gleichzeitig auch eine für das Unternehmen und die Mitarbeitenden mental sehr herausfordernde Situation. Wir sind genauso konfrontiert mit den Kriegsereignissen im Unternehmen wie viele Menschen sozusagen in ihrem Alltag, weil wir einfach mit Teams vor Ort sind. Und das ist eine Herausforderung. Und gleichzeitig wissen wir deswegen aber auch besonders gut, was die Anforderungen sind. Und deswegen sind wir mit einem großen Engagement dort.
Dickhaus:
Sie wirtschaften ja überwiegend aus Mitteln des Bundeshaushalts. Jetzt haben Sie gerade 220 Millionen € in Ihren Neubau investiert. Wir haben es eben auch im Beitrag gesehen. Immer wieder gibt es aber auch Kritik, dass da viele Mittel in der Verwaltung der GIZ versickern würden und nicht bei den Betroffenen ankommen. Wie sehen Sie das? Könnte es da zum Beispiel durch mehr Wettbewerb Einsparungen geben?
Schäfer-Gümbel:
Also erstens muss man wissen, dass die GIZ die Hälfte ihrer Aufträge im Wettbewerb gewinnt und davon übrigens einen ziemlich substanziellen Teil nicht in Deutschland, sondern in europäischen Partnerländern in der Europäischen Union. Insofern: Die Frage ist berechtigt. Die Antwort geben wir konkret dadurch, dass wir im Wettbewerb erfolgreich sind. Unsere Investitionen, die wir jetzt gerade tätigen, sind übrigens Investitionen, die wir aus Rücklagen finanzieren und insofern können wir das auch gut begründen. Wir müssen uns für jedes einzelne Projekt rechtfertigen. Wir unterliegen sowohl dem Preisrecht als auch den Überprüfungen durch unsere Auftraggeber. Da ist ein hohes Maß an Transparenz. Und ich finde im Übrigen auch zurecht, weil wir arbeiten in erheblichem Umfang mit öffentlichen Mitteln. Wir müssen uns dafür rechtfertigen. Und deswegen fürchte ich keine einzige dieser Fragen. Wir können sie gut beantworten.
Dickhaus:
Auch im nächsten Jahr liegen also große Herausforderungen noch vor Ihnen als Chef der GIZ. Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio, Thorsten Schäfer-Gümbel.
Schäfer-Gümbel:
Danke.
Maike Dickhaus:
Und jetzt ist er bei mir im Studio, der Chef der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Thorsten Schäfer-Gümbel. Schönen guten Abend. Ja, Herr Schäfer-Gümbel, Sie waren jahrzehntelang Politiker, saßen für die SPD im Hessischen Landtag. Seit 2022 sind Sie jetzt an der Spitze der GIZ. Inwiefern sind denn diese Positionen vergleichbar? Also konnten Sie zum Beispiel Ihr Wissen aus der Politik jetzt nutzen?
Thorsten Schäfer-Gümbel, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit:
Na ja, eine gewisse Krisenerfahrung hilft ganz sicherlich auch in der GIZ und bei der Arbeit in der GIZ. Sonst sind natürlich viele Sachen auch nicht vergleichbar. Aber ich sage mal, Führungsfragen, Krisenfestigkeit, persönliche Resilienz, wie man so schön sagt – es ist schon hilfreich.
Dickhaus:
Wenn man sich jetzt die Situation in Deutschland anguckt, da sagen viele: “Hier läuft es noch nicht rund”. Warum nimmt Deutschland also so viel Geld in die Hand, um dann auch noch dem Ausland zu helfen? Also inwiefern profitieren wir davon?
Schäfer-Gümbel:
Also die Frage ist völlig berechtigt. Aber wenn man sich mal anschaut, worin ist eigentlich das Friedensmodell und auch das Wohlstandsmodell Deutschland verankert? Da muss man sehr klar sagen, das Friedensmodell ist verankert in der europäischen Integration und der internationalen Vernetzung. Und unser Wohlstandsmodell, aufbauend auf einer starken, exportorientierten Wirtschaft, ist ein funktionaler internationaler Kontext und ohne beides würde weder das Friedensmodell noch das Wohlstandsmodell funktionieren.
Schäfer-Gümbel:
Das merken wir ja gerade auch seit der Pandemie noch mal sehr explizit, wo wir gemerkt haben, was es bedeutet, wenn Lieferketten zusammenbrechen, nicht mehr funktionieren. Und deswegen ist Deutschland angewiesen auf funktionale und funktionierende internationale Beziehungen. Das ist, glaube ich, die wesentliche Begründung, warum wir ein Interesse haben müssen. Dann kommen so Fragen dazu, wie der Klimaschutz – und wir haben ja das Vietnam-Beispiel gerade genannt – der Klimaschutz und die Energiewende nicht an der deutsch holländischen Grenze enden. Und da nun mal die duale Ausbildung der Exportschlager Nummer eins der internationalen Beziehungen ist, ist es nicht weit hergeholt, dass wir auch an diesen Stellen aktiv sind.
Dickhaus:
Auch in Sachen Wiederaufbauhilfe in der Ukraine sind Sie engagiert. Wie schwierig ist das da denn? Der Krieg läuft ja immer noch.
Schäfer-Gümbel:
Ja, es ist natürlich eine sehr herausfordernde Aufgabe. Die GIZ ist mit einem sehr großen Engagement in der Ukraine, im Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur, im wirtschaftlichen Aufbau, aber auch der Vorbereitung der Ukraine zur EU-Mitgliedschaft. Alles sind starke Themen, große Themen und das ist gleichzeitig auch eine für das Unternehmen und die Mitarbeitenden mental sehr herausfordernde Situation. Wir sind genauso konfrontiert mit den Kriegsereignissen im Unternehmen wie viele Menschen sozusagen in ihrem Alltag, weil wir einfach mit Teams vor Ort sind. Und das ist eine Herausforderung. Und gleichzeitig wissen wir deswegen aber auch besonders gut, was die Anforderungen sind. Und deswegen sind wir mit einem großen Engagement dort.
Dickhaus:
Sie wirtschaften ja überwiegend aus Mitteln des Bundeshaushalts. Jetzt haben Sie gerade 220 Millionen € in Ihren Neubau investiert. Wir haben es eben auch im Beitrag gesehen. Immer wieder gibt es aber auch Kritik, dass da viele Mittel in der Verwaltung der GIZ versickern würden und nicht bei den Betroffenen ankommen. Wie sehen Sie das? Könnte es da zum Beispiel durch mehr Wettbewerb Einsparungen geben?
Schäfer-Gümbel:
Also erstens muss man wissen, dass die GIZ die Hälfte ihrer Aufträge im Wettbewerb gewinnt und davon übrigens einen ziemlich substanziellen Teil nicht in Deutschland, sondern in europäischen Partnerländern in der Europäischen Union. Insofern: Die Frage ist berechtigt. Die Antwort geben wir konkret dadurch, dass wir im Wettbewerb erfolgreich sind. Unsere Investitionen, die wir jetzt gerade tätigen, sind übrigens Investitionen, die wir aus Rücklagen finanzieren und insofern können wir das auch gut begründen. Wir müssen uns für jedes einzelne Projekt rechtfertigen. Wir unterliegen sowohl dem Preisrecht als auch den Überprüfungen durch unsere Auftraggeber. Da ist ein hohes Maß an Transparenz. Und ich finde im Übrigen auch zurecht, weil wir arbeiten in erheblichem Umfang mit öffentlichen Mitteln. Wir müssen uns dafür rechtfertigen. Und deswegen fürchte ich keine einzige dieser Fragen. Wir können sie gut beantworten.
Dickhaus:
Auch im nächsten Jahr liegen also große Herausforderungen noch vor Ihnen als Chef der GIZ. Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio, Thorsten Schäfer-Gümbel.
Schäfer-Gümbel:
Danke.









