Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Industriestrompreis entlastet wenige Unternehmen

Dez. 3, 2025

„Das ist ein Wortbruch“ – sagt Hans-Jörg Friese der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz. Er kritisiert damit offen den Industriestrompreis, der ab dem nächsten Jahr gelten soll. Denn anders, als von der Bundesregierung zunächst angekündigt, sollen Handwerksbetriebe weiterhin den vollen Strompreis von durchschnittlich 24 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Gleich sprechen wir darüber im Studio – vorher sind wir in einer Metzgerei in Mainz, die enttäuscht ist von der Politik.
Die Metzgerei Walz in Mainz-Mombach: Gerade erst im vergangenen Jahr hat der alteingesessene Familienbetrieb sein 200jähriges Bestehen gefeiert. Seit 28 Jahren leitet Peter Walz den Betrieb in sechsten Generation. in dieser Zeit ist das Geschäft für den Metzgermeister nicht einfacher geworden.

Peter Walz, Metzgermeister
„Früher war im Grunde genommen der Hauptbestandteil bei uns das Handwerk. Das heißt, wir haben mit unseren Landwirten Kontakt gehabt. Wir haben geschlachtet, wir haben unser Fleisch zerlegt. Wir haben gute Würste und Schinken hergestellt. Heute ist in einem Handwerksbetrieb in der Größe, wo wir jetzt sind, sehr viel Bürokratie, sehr viel Auflagen. Die Dokumentation wird immer mehr.“

Zum immer weiter um sich greifenden Bürokratie-Wahnsinn kommt jetzt auch noch eine grobe Ungerechtigkeit dazu: Obwohl seine Metzgerei mit all den Maschinen, Öfen und Kühlhäusern zu den energieintensiven Betrieben gehört, soll Peter Walz auch im kommenden Jahr weiterhin den vollen Strompreis zahlen, während große Industriekonzerne künftig deutlich entlastet werden.

Peter Walz, Metzgermeister
„Wo ist denn da das Handwerk? Wo sind wir denn da noch? Jeder will Regionalität. Wir sichern regionale Arbeitsplätze. Aber im Gegenzug haben wir immer den schwarzen Peter mit dabei, dass keiner wettbewerbsfähig bleiben kann als kleines Unternehmen. Und das kann so nicht sein.“

Durch die neue Regelung könnten große Fleischkonzerne, die vom Industriestrompreis profitieren, ihre Produkte künftig um bis zu 50 Prozent günstiger anbieten als seine kleine Familienmetzgerei. Höchst ungerecht und wettbewerbsverzerrend, findet der Chef – auch wenn viele Menschen immer noch dazu bereit seien, für qualitativ hochwertige Produkte aus heimischer Produktion etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Für Metzgermeister Peter Walz und seine 35 Mitarbeiter wird die Luft im Konkurrenzkampf trotzdem dünner – seine Forderungen an die Politik sind deutlich.

Peter Walz, Metzgermeister
„Gleichstellung von Handwerk und Industrie. Bürokratieabbau. Und einfach mal die kleineren Betriebe befreien von diesen ganzen Auflagen, die wir nicht mehr erfüllen können.“

Für die Metzgerei Walz wird es in Zukunft also noch mehr um die Wurst gehen als ohnehin schon. Ans Aufhören denkt Peter Walz aber trotzdem noch lange nicht: Er liebt sein Handwerk – und will die über 200-jährige Tradition der Metzgerei Walz um jeden Preis weiterführen.