Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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VhU-Präsident Mang: „Statt Herbst der Reformen droht Winter der Entlassungen“

Okt. 29, 2025

Der Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände mit Gespräch mit Eva Dieterle.
Eva Dieterle, Moderatorin:
Und darüber wollen wir jetzt mit Wolf Matthias Mang sprechen, dem Präsidenten der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Guten Abend!
Wolf Matthias Mang, Präsident Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände:
Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle:
Die neue Bundesregierung hat schon einige Maßnahmen beschlossen, um die Wirtschaft anzukurbeln – zum Beispiel einen Investitionsbooster. Wie bewerten Sie die neue Wirtschaftspolitik?
Mang:
Na ja, man muss natürlich sagen, dass dieser Investitionsbooster eigentlich nicht geeignet ist, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Hier geht es um großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten, aber um abschreiben zu können, muss ich natürlich zunächst investieren. Und das wird auch, gelinde gesagt, internationale Investoren nicht gerade den deutschen Standort schmackhaft machen. Da wäre eine deutliche Senkung der Unternehmenssteuern wesentlich sinnvoller gewesen.
Dieterle:
Bundeskanzler Friedrich Merz wollte in der Wirtschaft neuen Optimismus erzeugen. Ist der in Hessen schon zu spüren?
Mang:
Nein, das kann man nicht sagen. Und es hat ja mal ein berühmter Mann gesagt: „50  % der Wirtschaft ist Psychologie“. Aber wir müssen uns mit den anderen 50  % beschäftigen. Und das ist das Strukturproblem, was wir in Deutschland haben. Und ich glaube, nur dann, wenn wir die Strukturprobleme lösen, dann wird sich auch psychologisch etwas tun. Und dann können wir optimistischer in die Zukunft schauen.
Dieterle:
Ist denn ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen zu befürchten?
Mang:
Ja, gelinde gesagt. Ich hatte eigentlich wirklich auf einen Herbst der Reformen gehofft. Aber was ich feststellen muss, dass wir wahrscheinlich einen Winter der Entlassungen erleben werden. Wir haben zum Beispiel in der hessischen Industrie den Anteil von 19 % auf 14,9 % in den letzten Jahren feststellen müssen. Und das bedeutet: Eine Bruttowertschöpfung von 16 Milliarden  € haben wir verloren. Und das Dumme ist, dass die meisten dieser Verluste in den ländlichen Regionen passiert. 80  % der Industrie in Hessen ist ländlich geprägt, und wenn dort die Industrie verschwindet, verschwinden natürlich auch Dienstleister. Es verschwindet Handwerk, aber am Ende verschwindet eben auch das Reisebüro und dann der Bäcker. Und das ist nicht gut für das Land. Und da müssen wir gegensteuern. Das müssen wir schnell und ich muss sagen, sicherlich in den ein oder anderen, gerade was Bürokratie betrifft, mit harten Schnitten.
Dieterle:
Was muss passieren, um die Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern ?
Mang:
Ja, ich habe das gerade schon versucht zu sagen. Natürlich, wenn wir können, dass dieses Bürokratiemonster, was wir in Deutschland haben, das müssen wir einfach entrümpeln. Und es gibt so viele Dinge, die kosten dem Staat kein Geld. Aber ich habe so manchmal das Gefühl, wir in unserem Unternehmen, wir drucken Belege aus unserem EDV-System aus, um die per Post an die entsprechenden Ämter zu schicken. Ich habe keine Ahnung, was sie damit machen, ob das überhaupt jemand liest, was daraus für Schlussfolgerungen passieren. Einfach weglassen. Und wenn es auffällt, dass was fehlt, dann kann man noch mal nachsteuern. Aber bis dahin muss ich sagen: entrümpeln.
Dieterle:
Vielen Dank!
Mang:
Danke Ihnen.