Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Verlage präsentieren sich auf Frankfurter Buchmesse

Okt. 16, 2025

Seit gestern hat die Frankfurter Buchmesse ihre Tore für die Besucher geöffnet. Die ersten beiden Tage gehören dem Fachpublikum – ab morgen dürfen dann alle rein. In Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz stellt sich dabei mehr denn je die Frage: Hat das gedruckte Wort überhaupt noch eine Zukunft? – „Auf jeden Fall!“, sagt die Branche – und setzt dabei auch auf einen neuen Trend.
In Deutschland gibt es immer mehr Lesemuffel. Innerhalb von gerade einmal zwei Jahren ist die Zahl derjenigen Erwachsenen, die mindestens einmal im Jahr ein Buch lesen, von etwa der Hälfte auf weniger als ein Drittel gesunken. Doch schon gibt es eine Gegenbewegung: Vor allem Teenager entdecken das Lesen gerade neu. „Young Adult“ ist das Wachstumssegment schlechthin – mit mehr als 25 Millionen verkauften Büchern in 2024 hat sich das Segment innerhalb eines einzigen Jahres fast verdoppelt.
Sehr zur Freude von Ina Hartwig. Als Autorin kennt die Frankfurter Kulturdezernentin den Literaturbetrieb und weiß: Um zu bestehen, muss sich die Branche immer wieder neu erfinden.

Ina Hartwig (SPD), Kulturdezernentin Frankfurt
„Die jungen Menschen, wie man hört, greifen wieder zum Buch. Ich gebe das Buch nicht verloren. Ich bin selbst eine leidenschaftliche Büchernärrin geradezu. Und ich finde es sehr wichtig, dass hier Bücher ausgestellt werden. Aber gleichzeitig ist natürlich die Weiterentwicklung in andere Medien hinein auch sehr wichtig. Und die Buchbranche, da bin ich überzeugt, ist da einfallsreich genug, um die Zukunft des geschriebenen Wortes zu sichern.“

Was Autoren und Verleger derzeit gleichermaßen umtreibt, ist die rasante Entwicklung in Sachen Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um Urheberrechtsverletzungen durch große amerikanische Tech-Konzerne, sondern auch im die Frage: Was ist überhaupt noch echt? Und wie geht man als Verlag mit eingereichten Texten um, die vielleicht gar nicht vom vermeintlichen Autor, sondern von Künstlicher Intelligenz geschrieben wurden?

Joachim Unseld, Verleger
„Ich gehe mal davon aus, dass wir bisher noch nichts in der Richtung bekommen haben, da literarisches Schreiben mit KI doch noch etwas zu komplex ist. Außerdem müssen nach einer Vereinbarung, oder sollten Autorinnen und Autoren, die etwas bei uns einreichen, den Vermerk machen, dass es KI-gestützt ist. Und das ist tatsächlich seit einem halben Jahr bei uns in den Autorenverträgen drin.“

Und dann ist da auch noch ein anderer Trend zu beobachten: Das Rheinmaingebiet scheint für Verlage immer mehr an Attraktivität zu verlieren. Ob Suhrkamp, Insel oder Fischer-Verlag: Sie alle haben ihren Sitz in den vergangenen Jahren ganz oder zumindest teilweise von Frankfurt nach Berlin verlegt. Joachim Unseld will der Mainmetropole aber treu bleiben.

Joachim Unseld, Frankfurter Verlagsanstalt
„Berlin hat eben durch eine unglaubliche Autorendichte so eine Attraktivität für Verlage. Ich bin nicht der Ansicht, dass ich in Berlin sein muss, um Berliner Autoren zu verlegen.“

Wenn sich der deutsche Literaturbetrieb immer mehr in Richtung Berlin verschiebt – droht dann nicht auch die Buchmesse irgendwann in Richtung Hauptstadt abzuwandern? „Auf gar keinen Fall“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef.

Mike Josef (SPD), Oberbürgermeister Frankfurt
„Die Buchmesse passt zur Stadt der Frankfurter Schule. Die Stadt, in der debattiert wird. Die Stadt des freien Wortes und die Stadt des Buches. Und deswegen: Die Buchmesse gehört zur Stadt Frankfurt. Die Buchmesse bleibt in Frankfurt.“

Gastland auf der Frankfurter Buchmesse sind in diesem Jahr die Philippinen. Noch bis Sonntag präsentieren rund 4300 Aussteller aus 130 Ländern ihre Neuerscheinungen. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit bis zu einer Viertelmillion Besuchern.