Immer mehr Plastik im Biomüll: Müllabfuhr holt Tonnen in Bad Vilbel nicht mehr ab
Ein kurzer prüfender Blick genügt den erfahrenen Müllwerkern oft, um zu beurteilen: Ist die Biotonne auch richtig befüllt? Zeitungspapier, Grünschnitt, Bioabfälle aus der Küche: All das gehört in die Biotonne – das hier allerdings nicht.
Sebastian Tamme, Müllwerker
„Das Problem ist: Das ist die Biotonne. Und irgendein Bürger meinte, sein Bio in einen Plastiksack zu stecken. Hätte er’s in eine Papiertüte gemacht, hätte er mehr davon gehabt.“
Per Aufkleber wird der Müllsünder sozusagen abgemahnt. Seine Tonne bleibt vorerst stehen – genauso wie diese hier.
Engelbert Buchardt, Bauhofleiter Bad Vilbel
„Kunststoff darf in Bioabfall nicht rein, muss dann nachsortiert werden. Der Bürger hat 14 Tage Zeit, bis zur nächsten Entleerung. Kann dann dort nachsortieren. Wenn er nicht ordentlich nachsortiert und die Tonne ist das nächste Mal immer noch fehlbefüllt mit diesen Flaschen oder anderem Müll, wird die Tonne als Restmüll entsorgt.“
Ein Service, der extra kostet und dem Bürger in Rechnung gestellt wird. Zweimal im Monat leeren die Müllwerker in Bad Vilbel rund 9200 Biotonnen. Bis zu 50 davon werden jeden Monat stehengelassen. Denn: Bioabfall darf gesetzlich nur noch drei Prozent Fremdstoffe wie Glas und Metall enthalten, und nur ein Prozent Plastik. Sonst können Betreiber von Kompostanlagen die Annahme verweigern. Auch in Maintal schaut man genau hin. Dieser Wanderstock gehört ebenso wenig hierher wie Autobatterien, Feuerlöscher, Kochtöpfe und – immer wieder – Plastiktüten.
André Sojka-Hensel, Leiter Bioabfall-Kompostierungsanlage Maintal
„Die zersetzen sich einfach nicht. Auch diese sogenannten kompostierbaren Tüten – in der Zeit, in der das Produkt hier verarbeitet wird, zersetzen sie sich nicht und können somit nicht kompostiert werden.“
Der Anteil bei dieser Fuhre ist im Rahmen, über acht Tonnen Bioabfall sind somit nicht für die Tonne. Eine komplette Entsorgung als Restmüll wäre durchaus kostspielig.
Engelbert Buchardt, Bauhofleiter Bad Vilbel
„Da haben wir eine Kostendifferenz von circa hundert Euro pro Tonne, Mehrbelastung für den Bürger. Das wird natürlich auf den Gebührenhaushalt umgelegt und kostet den Bürger natürlich mehr in der Entsorgung.“
Die richtige Mülltrennung schont also den Geldbeutel und die Umwelt. Und erleichtert den Müllwerkern die Arbeit – nicht nur in Bad Vilbel.









