Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Kostenpunkt Energiewende: IHKs fordern Kurswechsel in der Energiepolitik

Sep. 17, 2025

Fehlende Fachkräfte, eine schier grenzenlose Bürokratie – die Unternehmen in Deutschland haben mit einigen Problemen zu kämpfen. Doch bei vielen steht auf der Liste der Probleme eines ganz oben: Die hohen Energiekosten. Die Politik hat es festgelegt: Deutschland soll bereits im Jahr 2045 klimaneutral sein, fünf Jahre früher als die Europäische Union. Und auch deutlich früher als viele andere internationale Handelspartner. Rheinland-Pfalz setzt sogar noch schärfere Ziele und will 2040 klimaneutral sein. Gerade für die energieintensiven Unternehmen ist das ein Problem  – und von ihnen gibt es in Rheinland-Pfalz besonders viele. Ortstermin in Rheinhessen.
Die Rollen hier bei Renolit in Worms drehen sich rund um die Uhr. 24 Stunden lang, an fast jedem Tag im Jahr. Rund 1.260 Menschen arbeiten hier am Standort in Worms, weltweit sind es rund 5.000.
Das Unternehmen produziert vor allem selbstklebende Folien – für Autos, Möbel und Fenster.
Dafür wird viel Energie gebraucht. Mehr als 120.000 Megawattstunden Strom pro Jahr. 30.000 mal so viel wie ein 4-Personen-Haushalt pro Jahr.
Von den hohen Energiekosten ist Renolit also besonders betroffen.
Torsten Maschke, Vorstand RENOLIT SE
„Wir haben seit einigen Jahren explodierende Energiepreise. Beispielhaft die Stromkosten sind für uns um 120 Prozent gestiegen. Das gefährdet natürlich unsere Wettbewerbsfähigkeit, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Bindet allerdings auch finanzielle Mittel und stellt für uns keine Planungssicherheit da.“
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer fordert einen Kurswechsel in der Energiepolitik und hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die bisher verfolgte Strategie der Energiewende führe „in eine volkswirtschaftliche Sackgasse“.
Der „aktuelle Pfad sei nicht nur unnötig teuer, sondern auch strukturell ineffizient“.
Arne Rössel, IHK Arbeitsgemeinschaft RLP
„Es ist eigentlich erschütternd, dass wir schon seit Jahren sehen, dass das Vertrauen der Wirtschaft in die Energiewende, wie sie derzeit administriert wird, so im Keller ist und dass das die Politik nicht interessiert. (…) Und in der Konsequenz werden wir dann sehen, dass Industrieproduktion sich aus Deutschland zunehmend verabschiedet.“
Die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit beurteilen laut der Studie mehr als ein Drittel der Unternehmen negativ oder sehr negativ. In der Industrie sind es sogar mehr als die Hälfte der Unternehmen.
Arne Rössel, der Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, ist überzeugt: Energiewende ja, aber nicht so.
Arne Rössel, IHK Arbeitsgemeinschaft RLP
„Die Energiewende, wie sie derzeit gemanagt wird, ist so kompliziert, dass eigentlich keiner mehr durchblickt und wir fordern mit unserem „Plan B“ einfach eine Rückkehr zu einfachen marktwirtschaftlichen Prinzipien.“
Nötig sei unter anderem: Ein Auslaufen der Förderung für bereits wirtschaftliche Anlagen. Mehr Technologieoffenheit – zum Beispiel der Einsatz von Biomethan oder Wasserstoff. Sowie ein radikaler Abbau von Regulierung und Bürokratie.
Weniger Bürokratie – darüber würde sich auch Renolit in Worms freuen. Denn das Unternehmen sieht sich gezwungen, in eigene Windenergie- und Photovoltaikanlagen zu investieren. Doch auch das gestalte sich schwierig.
Torsten Maschke, Vorstand RENOLIT SE
„Darüber hinaus muss es einen radikalen Bürokratieabbau dort auch geben. So wie die Genehmigungsverfahren müssen signifikant beschleunigt werden. Wenn wir unser Windenergie-Projekt dort auch mal nehmen: Wenn das Ding durch alle Genehmigungsverfahren durchgehen sollte, braucht es fünf Jahre bis unsere Windräder hier stehen.“
Es müsse sich also einiges ändern. Damit sich die Gedanken hier in Worms in Zukunft wieder mehr um den Kunststoff und weniger um die hohen Energiepreise drehen können.