Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Zu Gast im Studio: die beste Pflegerin aus Rheinland-Pfalz

Sep. 9, 2025

Mehrere Tausend Pfleger fehlen in Rheinland-Pfalz. Die Arbeit ist hart, die Bezahlung nicht gut. Trotzdem gibt es Pfleger, die sich über ihre Aufgaben hinaus engagieren, so wie Katharina Roos, die in der Onkologie der Uniklinik Mainz arbeitet. Nun ist sie Pflegeprofi des Landes Rheinland-Pfalz geworden.

„Ich hab‘ Ihnen was mitgebracht …“

Wenn Katharina Roos in der Onkologie der Mainzer Uniklinik unterwegs ist, gibt es keine ruhige Minute. Denn jeder kennt sie, jeder spricht sie an und für jeden hat sie ein offenes Ohr. Für ihr leidenschaftliches Engagement haben ihre Patienten sie zum Pflegeprofi in Rheinland-Pfalz gewählt.

Katharina Roos, Onkologische Fachpflegerin
“Es ist wirklich diese Nähe zu Patientinnen und Patienten. Am Ende des Tages weiß ich, was ich bei jedem einzelnen bewirkt habe. Und dass ich was bewirkt habe. Egal ob das eine stützende Funktion war, ob das eine intensive Begleitung bei der ersten Chemotherapie war. Ob das nach einer Brustamputation der Beistand ist, der erste Verbandwechsel.“

Eine Person, die immer da ist, während der gesamten Therapie. Das macht Patienten wie Angela Marx Mut.

Angela Marx, Krebspatientin
„Man kennt sie eigentlich nur so immer aufgeschlossen und hört einem zu und gibt Hilfestellungen in jeder Lebenslage. Das beruhigt halt einfach, wenn sie da ist.“

Katharina Roos ist es wichtig, dass sich ihre Patienten nicht alleine fühlen. Deshalb hat sie an der Klinik ein neues Konzept entwickelt: Sie ist Ansprechpartnerin für die gesamte Zeit in der Klinik.  Und das immer im engen Austausch mit den Medizinern. Die Visite machen die Ärzte mit ihr gemeinsam.
Martina Retzer ist nach ihrer Krebsdiagnose vor zwei Jahren in Therapie. Inzwischen ist sie krebsfrei. Katharina Roos hat auch sie durch ihre Krankheit begleitet. Ihre Patientin war es, die sie  für den Wettbewerb „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“ nominiert hat.

Martina Retzer, ehemalige Krebspatientin
„Frau Roos ist einfach wahnsinnig authentisch bei allem, was sie tut. Und das merkt man als betroffener Patient. Das ist nicht einfach nur eine Rhetorik mit ‚Ja, es wird schon alles gut‘. Also das klassische Haupthaarstreicheln. Sondern da steckt wirklich Emotionalität und Betroffenheit hinter. Und es ist Wahnsinn, wie sie es schafft, diese hochskalierten Schicksale, die es ja nun mal gibt, alle auch einzeln und individuell zu betreuen und jedem einzeln auch das Gefühl zu geben: ‚Hey du bist wichtig und wir kriegen das gemeinsam hin‘.“

Unter den Krebstherapien leidet die Haut der Patienten stark. Katharina Roos hat deshalb eine Zusatzausbildung gemacht und gibt nun regelmäßig onkologische Kosmetikkurse. Damit ihre Patienten sich zumindest ein bisschen wohler in ihrer Haut fühlen. An die hundert Menschen betreut der Pflegeprofi  zeitgleich. Jeden davon mit der gleichen Energie.
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Eva Dieterle, Moderatorin:
Und jetzt ist sie hier bei mir im Studio. Katharina Roos. Ich freu mich sehr, dass Sie da sind. Guten Abend.
Katharina Roos, Onkologische Fachpflegerin:
Danke für die Einladung. Guten Abend.
Dieterle:
Sie tragen jetzt den Titel “Beliebtester Pflegeprofi in Rheinland Pfalz”. Was ist das für ein Gefühl?
Roos:
Ich bin total stolz und fühle mich wirklich sehr, sehr geehrt. Man muss aber dazu sagen, dass die Auszeichnung gar nicht so oder nur ein persönlicher Erfolg ist, sondern wirklich auch eine Anerkennung sein soll für all meine wunderbaren Kolleginnen in der Frauenklinik, für die Kolleg:innen in der gesamten Unimedizin Mainz und aber auch stellvertretend für alle Pflegenden in Deutschland, die täglich mit Herzblut, Verstand und Kompetenz in der Pflege arbeiten.
Dieterle:
Wir haben gerade schon Einblicke in Ihre sehr wichtige Arbeit bekommen. Wir wollen das jetzt auch noch mal auf breitere Beine stellen, über Pflege generell sprechen. Sie haben jeden Tag damit zu tun. Deshalb aus Ihrem Munde mal: Warum ist gute Pflege so wichtig?
Roos:
Der Pflegeberuf und Deutschland ist so wichtig, weil wir eine Gesellschaft haben, die immer weiter altert und immer mehr Menschen bekommen oder immer mehr Menschen haben, die Unterstützung benötigen Und seit der Corona-Pandemie ist uns eigentlich allen bewusst, wie relevant die Pflege ist und dass das Gesundheitssystem ohne die Pflege nicht funktionieren kann.
Dieterle:
Sie haben es gerade gesagt, wir werden immer älter, leider werden wir auch immer kränker. Das heißt, der Beruf hat Zukunft. Haben Sie denn den Eindruck, dass diese Arbeit genug Wertschätzung erfährt?
Roos:
Leider nein, das muss ich wirklich sagen. Die Pflege erhält nicht genug Wertschätzung, vor allem seitens der Politik. Leider Gottes. Man darf aber nicht vergessen, dass es um viel mehr geht, und zwar um die Qualität der Pflege und die kann natürlich nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen dafür stehen und gegeben werden.
Dieterle:
Wie müssen die denn aussehen. Was würden Sie sich wünschen oder auch fordern?
Roos:
Natürlich eine faire Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen. Aber ganz, ganz wichtig: Auch die Zeit, wirklich die Menschen zu pflegen. Wenn das gegeben wäre, wären wir schon mal ein gutes Stück weiter.
Dieterle:
Ja, das muss sich dringend ändern, denn es wird gutes Personal händeringend gesucht in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen. Und deswegen wollen wir jetzt auch noch mal eine Lanze brechen für diesen Beruf, der ja durchaus sehr viele Strapazen mit sich bringt. Aber warum lohnt es sich denn trotzdem?
Roos:
Ja, es lohnt sich, weil es ein Beruf ist, der so viel Sinn stiftet. Die tägliche Begleitung, die Unterstützung in diesen herausfordernden Situationen, in denen sich die Menschen befinden. Wenn man da merkt, wie gut es funktioniert oder wie viel Unterstützung man geleistet hat, dass man was bewirkt hat, das erfüllt einen sehr. Und die Dankbarkeit und das Vertrauen, das ist einfach was ganz Besonderes. Und es ist ein absolut vielfältiger Beruf, eine riesengroße Möglichkeit, sich fort-, weiterzubilden, aber auch zu studieren. Und ich glaube, es ist einfach ein absoluter Traumberuf.
Dieterle:
Also man merkt es, Sie sind mit ganz viel Herzblut dabei. Ganz wichtige Arbeit. Vielen Dank, dass Sie heute die Zeit hatten, zu uns ins Studio zu kommen.
Roos:
Ganz lieben Dank.