Im Studio: Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU)
Das wird künftig wohl das erste sein, was die hessischen Schüler nach Schulschluss tun: Das Handy checken. Denn auf dem gesamten Schulgelände ist es ab sofort tabu – das gilt für den Unterricht ebenso wie für die Pausen. Für Schüler ab der 5. Klasse sind Ausnahmen möglich, zum Beispiel durch festgelegte Zeiten oder Räume, in denen Handy, Smartwatch und Tablet weiterhin erlaubt sind. Für Grundschulen soll es keine Ausnahmen geben. Die Nutzung konkret zu Unterrichtszwecken bleibt aber erlaubt. Die neue Reglung soll nicht nur die Konzentration der Schüler verbessern, sondern auch vor Cybermobbing schützen. Nach Ansicht des Landesschulsprechers sei das Handyverbot hier aber eher kontraproduktiv.
Laurenz Spies, Landesschulsprecher Hessen
„Die eigentlichen Probleme, die durch das Smartphone auftauchen, finden vor allem in der Freizeit statt. Wenn man sich jetzt das Cybermobbing anschaut, das findet vielleicht in einer Klassengruppe statt, aber das findet dann meistens zu einer anderen Uhrzeit statt und insofern wird das Problem eher aus der Schule in die Freizeit verlagert und das finden wir sehr, sehr kritisch, weil es dann eben nicht mehr die Pädagogen und das sozialpädagogische Personal gibt, was da ein Auge drauf haben kann.“
Bislang konnten Schulen selbst festlegen, ob und wann Schüler das Handy nutzen dürfen. Nun gibt das Kultusministerium das Verbot vor. Die Lehrergewerkschaft GEW hält das für unnötig.
Thilo Hartmann: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen
„Jetzt ein Handyverbot, was ja erst mal so klang, eigentlich eine eingeschränkte Handynutzung, einzuführen, macht im Prinzip nur das, was die Schulen ohnehin schon lange getan haben. Es hat an keiner einzigen Schule, oder an kaum Schulen, zu einer Veränderung der Schulrealität geführt, es liest sich aber eben gut in der Presse.“
Und wie steht man dazu auf der anderen Rheinseite? Bildungsminister Sven Teuber sagt, in Rheinland-Pfalz werde es kein generelles Handyverbot geben. Denn damit würde man erfolglos versuchen, eine Lebensrealität zu verbieten.
Sven Teuber, SPD, Bildungsminister Rheinland-Pfalz
„Es kann ja nicht ernsthaft sein, dass wir in Schule immer nur über noch und noch mehr Verbote und nicht das und das reden, sondern wie können wir möglich machen. Ich möchte Schule ermöglichen und dazu braucht es auch digitale Welten, natürlich, in einem regulierten Rahmen, aber nicht in einer Verbotsdebatte.“
Staatliche festgelegte Regeln zur Handynutzung an Schulen gibt es sonst nur noch in Bayern – dort greifen diese allerdings nur, wenn eine Schule keine eigene Nutzungsordnung erlassen hat.
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Eva Dieterle, Moderatorin:
Wir reden jetzt über die hessische Regelung und machen das mit Bildungsminister Armin Schwarz. Guten Abend.
Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen:
Guten Abend.
Dieterle:
Herr Schwarz, warum braucht es Ihrer Meinung nach jetzt diese neue, von oben auferlegte Regelung?
Schwarz:
Es geht um Rechtsklarheit, es geht um Sicherheit auch für die Kolleginnen und Kollegen im Umgang damit, dass private Smartphones zur Ablenkung führen. Das geht auch den Erwachsenen so, das ist ein besonderes Problem, auch bei jungen Menschen. Und wenn innerhalb von einem Unterrichtstag bis zu 250 Nachrichten auf die jungen Leute zukommen und das Telefon permanent brummt und man sich in den Pausen dann genau damit befasst, anstatt miteinander zu spielen, ist das ein ernstzunehmendes Problem. Insofern: Wir übernehmen Verantwortung und stoßen dort auf große positive Resonanz.
Dieterle:
Bislang war es ja den Schulen selbst überlassen. Warum jetzt nicht mehr? Trauen Sie das den Schulen und den Lehrern nicht zu?
Schwarz:
Ich traue den Kolleginnen und Kollegen ganz, ganz viel zu. Aber sie sind dankbar dafür, dass sie gegenüber den Eltern nicht stetig argumentieren müssen, warum das jetzt so ist. Sondern es ist eine klare Regelung für die Grundschulen und für die weiterführenden Schulen, sodass Diskussionen nicht mehr entstehen. Das entlastet die Kolleginnen und Kollegen und ist ein wichtiger Beitrag.
Dieterle:
Im Beitrag ist gerade das Wort Cybermobbing gefallen und die Sorge des Schülervertreters, dass es dann da überhaupt keine pädagogische Unterstützung mehr gibt. Wie sehen Sie dieses Thema?
Schwarz:
Pädagogische Unterstützung ist etwas ganz, ganz Wichtiges. Deswegen Smartphones-Schutzzonen ist das eine, Medienbildung ist das andere. Und Medienbildung unterstützen wir sehr. Ein elementarer Bestandteil. Und es ist von ganz großer Bedeutung, das will ich mal sagen. Cybermobbing ist etwas Abscheuliches und genau deswegen muss aufgeklärt werden, ein kluger Umgang mit digitalen Endgeräten gelernt und geübt werden. Und das geschieht auch an den Schulen, aber unter methodisch pädagogischer Einbindung in den Unterricht, wenn die Kollegin oder der Kollege sagt: “Jetzt brauchen wir das an den weiterführenden Schulen.”
Dieterle:
Künftig bleibt das Handy also ausgeschaltet im Schul ranzen, dann ist die Versuchung, es zu benutzen, natürlich sehr viel kleiner. Aber inwieweit lernen Schüler denn dann überhaupt einen eigenverantwortlichen Umgang damit, sich auch ihre Zeiten einzuteilen, sich auf Wesentliches zu konzentrieren, wenn auch das Handy dabei ist. Lernen sie ja nicht.
Schwarz:
Zunächst einmal ist es keine Verpflichtung, ein Smartphone mit an die Schule zu bringen. Es ist aber Verpflichtung, dass man sich nicht durch das private Smartphone ablenken lässt. Und es nutzt der Konzentration. Es hilft auch dem Lernerfolg und es hilft dem Miteinander. Und es ist von ganz, ganz großer Bedeutung, dass die Schülerinnen und Schüler stark und resilient sind. Und durch stetige Ablenkung trägt das ganz gewiss nicht dazu bei. Deswegen drehen wir um und die Schülerinnen und Schüler nutzen das Telefon dann, wenn es für den Unterricht sinnvoll gebraucht wird und die Lehrer und die Lehrerinnen sagen: “Es wird jetzt benutzt” und wir schauen uns mal an, welche Chancen, aber auch welche Risiken damit einhergeht.
Dieterle:
Und wie sieht die Strafe bei Verstoß aus?
Schwarz:
Das ist ganz einfach. In dem Moment, wenn es mal brummt oder auf einmal doch auftaucht, dann kann die Kollegin oder der Kollege das Telefon nehmen. Das wird dann sichergestellt und am Ende des Unterrichtstages zurückgegeben. Das ist ja wichtig, wenn beispielsweise ein Busticket da drauf ist oder wenn dann die Heimfahrt organisiert werden muss, dass die jungen Leute dann wieder vernetzt sind. Und insofern ist es unbürokratisch, aber hilfreich.
Dieterle:
… sagt der hessische Bildungsminister. Herr Schwarz, vielen Dank, dass Sie heute zum Interview bei uns waren.
Schwarz:
Sehr gerne. Vielen Dank.









