Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Stehen viele Winzer-Betriebe vor dem Aus?

Juli 28, 2025

Schon in wenigen Wochen beginnt die Lese in den vielen hessischen und rheinland-pfälzischen Weinbergen. Doch die könnte für etwa die Hälfte der deutschen Winzer vorerst die letzte sein – sagt eine neue Initiative aus Rheinland-Pfalz. Denn die Lage der deutschen Winzer sei miserabel und viele Betriebe stünden vor dem Aus. das große Problem: Im Ausland wird Wein günstiger produziert als hier.
Seit Thomas Schaurer denken kann, ist das sein Zuhause: Schon seine Großeltern haben hier in der Pfalz vor vielen Jahren als Winzer gearbeitet. Mittlerweile bewirtschaftet der Biowinzer vier Mal so viel Fläche. Seine Sorgen um den deutschen Weinbau sind derzeit groß.
Thomas Schaurer, Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau: „Wir Winzer haben seit 25 Jahren mit nahezu gleichbleibenden Preisen zu kämpfen. Sie wissen, dass alles im Leben teurer geworden ist. Aber unsere Einnahmen sind nicht entsprechend gestiegen. Und das hat sich jetzt in den letzten zwei Ernten zugespitzt.“ 
Inflation, Mindestlohn, die Folgen des Klimawandels: Die Gründe für höhere Produktionskosten sind vielfältig. Besonders hart trifft das Winzer, die keinen Direktverkauf haben, sondern ihren Wein über Kellereien an Discounter verkaufen. Über 150 Winzer deutschlandweit haben sich deshalb zur Initiative Deutscher Weinbau zusammengeschlossen. Sie kämpfen für höhere Preise in den Supermärkten.
Thomas Schaurer, Winzer: „Preise unter 2,99 Euro sind eigentlich nur durch Ausbeuten und Ausnutzen der Winzer möglich. Das muss den Verbrauchern klar sein.“
Deshalb fordern Schaurer und seinen Kollegen einen Mindestpreis von drei Euro pro 0,75-er Flasche. Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut sieht diesen Vorschlag kritisch.
Ernst Büscher, Deutsches Weininstitut: „Wir hatten im vergangenen Jahr ein Minus von fünf Prozent im Absatz. Und das spiegelt sich dann eben auch in den Preisen wieder, die der Handel verlangen kann. Denn Angebot und Nachfrage regeln den Preis.“
Zum einen sei die Nachfrage nach Wein geringer, weil junge Menschen immer weniger Alkohol trinken. Zum anderen importiere kein Land der Welt so viel Wein wie Deutschland.
Ernst Büscher, Deutsches Weininstitut: „Eigentlich ist es schon verrückt, dass die deutschen Erzeuger ihren eigenen Wein im eigenen Land nicht abgesetzt bekommen. Denn die Deutschen trinken doppelt so viel Wein wie wir hier produzieren. Aber weil der ausländische Wein im Schnitt 56 Cent günstiger pro 0,75-er Flasche ist, kaufen die Verbraucher doch mehr ausländischen Wein, weil sie so preisbewusst sind.“
Der Marktanteil von deutschem Wein in den Supermärkten liegt derzeit bei 41 Prozent. Nur ein bisschen mehr, so Schaurer, und die Probleme der Winzer wären gelöst.
Thomas Schaurer, Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau: „Wir wollen nicht bitten und betteln. Wir wollen nur sagen, das ist die Situation. Eigentlich geht’s aber nur um fünf Prozent. Also wenn nur ein bisschen mehr deutscher Wein gekauft werden würde, wäre unsere Zukunft gesichert. Zumindest dahingehend, dass wir geregelt eventuell ein bisschen reduzieren können. Oder dass Betriebe, die nicht mehr wirtschaftlich attraktiv sind, dass die geregelt aufhören können. Aber dass der Kollaps, die Insolvenz, der Bankrott abgewendet werden kann.“
Für seinen Wingert würde ein weiteres schlechtes Jahr bedeuten, dass er seine Mitarbeiter entlassen und den Betrieb in abgespeckter Form weiterführen muss. Aber so weit muss es eigentlich nicht kommen – wenn wieder mehr deutscher Wein getrunken wird.