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Projekt für autonomes Fahren vorgestellt

Mai 26, 2025

Hände weg vom Steuer: In den Vereinigten Staaten gehören sie inzwischen schon fest zum Straßenbild: Autos, die ohne Fahrer unterwegs sind. Also: Autonom – nur über Sensoren und mit Computertechnik gesteuert. Seit heute kann Ihnen ein solches autonom fahrendes Auto aber auch in Südhessen begegnen. Und: Sie können sogar selbst einsteigen und mitfahren.
Wer künftig in Langen südlich von Frankfurt nach KIRA ruft, sollte sich nicht wundern, wenn keine junge Dame, sondern einfach nur ein Auto kommt: KIRA steht in diesem Fall für „KI-basierter Regelbetrieb autonomer On-Demand-Verkehre“. Klingt kompliziert, ist aber im Prinzip ganz einfach: In einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt können Fahrgäste im Raum Langen seit heute ein Taxi des Rhein-Main-Verkehrsverbunds bestellen, das zu 100 Prozent autonom unterwegs ist. Die ersten beiden Testfahrer: Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und RMV-Chef Knut Ringat.

Kaweh Mansoori (SPD), Verkehrsminister Hessen
„Wir sind ja eben zum Langener Bahnhof gefahren. Der Sicherheitsfahrer, der mit dabei war, musste im Prinzip einmal den Blinker setzen. Man kann auf dem Display verfolgen, was die KI sieht. Es ist eine sehr umsichtige, vorsichtige Fahrerin. Also für mich war das heute wirklich eine Premiere. Und ich habe mich sehr sicher gefühlt auf der Fahrt.“

Noch dürfen selbständig fahrende Autos in Deutschland nicht ohne Sicherheitsperson auf dem Fahrersitz unterwegs sein – auch, wenn sie es schon locker könnten. Im Notfall soll der Mensch noch eingreifen können: Nötig ist das inzwischen aber praktisch gar nicht mehr. Das Testprojekt in Langen dient in erster Linie dazu, Daten zu sammeln und auszuwerten – wann der Fahrersitz tatsächlich leer bleiben darf, steht noch in den Sternen.

Kaweh Mansoori (SPD), Verkehrsminister Hessen
„Eine sichere Prognose kann ich da auch nicht abgeben. Aber solche Forschungsprojekte helfen uns natürlich, wichtige Erkenntnisse zu sammeln, an Sicherheit zu gewinnen. Und dann bin ich zuversichtlich, wenn wir in der Geschwindigkeit weitermachen, dann wird’s in den 30er Jahren des nächsten Jahrzehnts bei uns dann auch vollautonomes Fahren OHNE Sicherheitsfahrer geben.“

Bei den Vorteilen des autonomen Fahrens haben der Minister und der RMV-Chef vor allem den ländlichen Raum im Blick: Gerade dort könnten selbstständig fahrende Ruf-Taxis den öffentlichen Personen-Nahverkehr sinnvoll ergänzen. Aber – was passiert eigentlich mit den tausenden Berufsfahrern im ÖPNV, wenn die KI immer mehr übernimmt? Müssen die sich bald alle einen neuen Job suchen?

Knut Ringat, Geschäftsführer RMV
„Da können wir im Moment nur drüber lachen. Wir brauchen Fahrerinnen, wir brauchen Fahrer. Und wir wissen, dass wir immer weniger Fahrerinnen und Fahrer haben werden. Heute sind mehr als 40 Prozent unserer Fahrer älter als 55. Das heißt, in den nächsten 10 Jahren verliere ich die Hälfte unserer Fahrpersonale. Da brauche ich eine Alternative. Wir werden immer noch lange Fahrerinnen und Fahrer benötigen. Aber wir müssen in die 30er Jahre hineinschauen. Von heute ab 10 Jahre weiter. Da muss das System funktionieren – ansonsten habe ich keinen guten ÖPNV mehr in zehn Jahren.“

Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt KIRA mit rund 2,2 Millionen Euro. Für die Testpersonen ist die Fahrt kostenlos. Schon bald soll der Radius für die Testfahrten mit dem autonomen System bis ins rund 15 Kilometer entfernte Darmstadt ausgeweitet werden.