Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Im Studio: Der neue RLP-Bildungsminister Sven Teuber (SPD)

Mai 15, 2025

Wir starten mit dem neuen Gesicht der rheinland-pfälzischen Landesregierung: Sven Teuber ist der neue Bildungsminister in Rheinland-Pfalz. Mit ihm sprechen wir im Talk über die großen Baustellen in der Bildungspolitik.
„Bye bye Landtagsfraktion“ und „Hallo Landesregierung“.
Es ist der wohl größte Moment in der politischen Karriere des Sven Teuber als er gestern Nachmittag im rheinland-pfälzischen Landtag zum Bildungsminister vereidigt wird. Teuber ist 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und kommt aus Trier. Mehrere Jahre arbeitet er als Lehrer für Deutsch und Sozialkunde an rheinland-pfälzischen Gymnasien, bevor er 2016 in die Landespolitik wechselt. Als bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion kommt er rum im Land und ist tief drin in allen Themen, die mit Kita und Schule zu tun haben. Da Bildungspolitik weitgehend den Bundesländern überlassen ist, bringt das neue Amt viele Gestaltungsmöglichkeiten mit sich. Aber auch viel Verantwortung und einige drängende Fragen. So wünscht sich die Bildungsgewerkschaft GEW vor allem eines:

Stefan Jakobs, Vorsitzender GEW Rheinland-Pfalz
„Dringend angegangen werden muss der Bereich des Ganztags, sowohl für die Kitas wie auch für die Grundschulen. Ab dem 01.08.26 besteht hier ein gesetzlicher Anspruch und da muss dringend dringend dran gearbeitet werden.“

Dafür brauche es mehr pädagogisch qualifiziertes Personal und eine bessere Ausstattung der Schulen und Kitas – und zwar zeitnah.
Auch von Kollegen in der Landesregierung kommt Kritik an der Bildungspolitik der vergangenen Jahre. So fordert Ministerin Katrin Eder von den Grünen beim Landesparteitag vergangene Woche mehr Kita-Personal, eine bessere Bezahlung für Grundschullehrer und eine grundlegende Veränderung der Bildungslandschaft.

Katrin Eder (Bündnis 90 / Die Grünen), Spitzenkandidatin Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026
„Ich bin ja Mutter von Zweitklässlern und ich bin wirklich fassungslos, dass sich, seitdem ich in die Grundschule gegangen bin – und ich erinnere mich da überraschend gut dran – es hat sich so wenig in den Bildungsstrukturen verändert. Wir müssen hier unbedingt anpacken. Wir brauchen Schulen, die Lernorte sind, in die Kinder gerne gehen.“

Es sind hohe Erwartungen und große Herausforderungen, die auf Sven Teuber in seinem neuen Amt warten.
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Eva Dieterle, Moderatorin:
Gestern vereidigt, heute bei uns im Studio. Der neue rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber. Guten Abend. Schön, dass Sie hier sind. Ja, Herr Schweitzer hat Sie als einen Mann aus der Praxis vorgestellt. Sie sind Lehrer. Sie sind zweifacher Vater von schulpflichtigen Kindern. Und genau bei dieser Perspektive möchte ich jetzt am Anfang auch noch mal bleiben. Was nervt Sie denn aus dieser Sicht an der rheinland pfälzischen Bildungspolitik am meisten?
Sven Teuber (SPD), Bildungsminister Rheinland-Pfalz:
Mich nervt erst mal nicht spezifisch was an dieser Bildungspolitik, mich freut erst mal überhaupt was, dass ich tatsächlich keine Gebühren zahlen muss in unserem Bundesland. Ich habe Familie im ganzen Bundesgebiet und dass es gebührenfrei ist, ist für viele nicht selbstverständlich. Für uns schon. Und was ich mir erhoffe, ist, dass wir eine höhere Verlässlichkeit hinbekommen. Dass man tatsächlich darauf zählen kann, dass Bildungsangebote für die Kinder jeden Tag verfügbar sind.
Dieterle:
Sie meinen damit auch spontan Unterrichtsausfall, nehme ich an? Wie soll sich das ändern? Wie wollen Sie das angehen?
Teuber:
Wir brauchen in der Kita mehr Erzieherinnen, Erzieher. Dahingehend haben wir eine Erzieher:innen-Kampagne gestartet, um mehr dafür zu gewinnen für diesen Beruf. Und wir haben jetzt auch über 37.000 Menschen, die sich in diesem Bereich pädagogisch um Kinder kümmern. Und da kann man nur Danke sagen, dass das tatsächlich stattfindet. Mit einer Milliarde Euro des Landes übrigens. Und im Bereich der Schulen wollen wir mit dem sechseinhalb Milliarden Euro starken Bildungshaushalt pro Jahr dann auch noch mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen, aber auch teamorientierter in Kollegien arbeiten, um tatsächlich auch weniger Belastung für Kolleginnen und Kollegen haben.
Dieterle:
Wir haben im Beitrag eben den grünen Koalitionspartner gehört. Da wünscht man sich mehr von der rheinland-pfälzischen Bildungspolitik. Das ganze System sei insgesamt nicht mehr zeitgemäß. Wie wollen Sie das ändern?
Teuber:
Also ich würde sagen, in der Analyse bin ich nicht dabei, weil ich sehe die Kolleginnen und Kollegen – und ich komme aus der Mitte der Lehrerinnen und Lehrer – als sehr engagiert an, und wir haben einen sehr modernen Anspruch. Wir diskutieren über die Frage von digitalen Endgeräten, von Künstlicher Intelligenz im Unterricht. Wir haben andere Settings, das heißt, wir arbeiten auch jahrgangsübergreifend. Das Thema Zukunft ist in der “Schule der Zukunft” verankert und da sind 100 Schulen jetzt schon vorbildlich unterwegs und das Netzwerk steigert sich jedes Jahr. Und da wollen wir tatsächlich auch mit modernen Lernformen, die die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Ausbildung, aber auch in den Weiterbildungen erlernen, tatsächlich auch weiter etablieren. Also ich bin da nicht dabei, dass wir da noch sozusagen in der Analyse immer nach hinten schauen müssen, sondern wir machen einen Unterricht, der immer wieder den Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler abbildet.
Dieterle:
Wir schauen jetzt noch mal auf ein konkretes Beispiel, denn immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt eine Schule in Ludwigshafen, an der aller Voraussicht nach auch in diesem Sommer wieder viele Erstklässler nicht versetzt werden. Und das, obwohl die Landesregierung bereits versucht hat, gegenzusteuern.
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Gräfenau-Schule – der Name ist weit über die rheinland-pfälzischen Landesgrenzen hinaus bekannt. Bekannt für die hohe Zahl von Erstklässlern, die hier regelmäßig sitzenbleiben. Und auch dieses Jahr rechnet die Schulleiterin damit, dass viele Kinder die erste Klasse wiederholen müssen.

Barbara Mächtle, Leiterin Grundschule Gräfenau Ludwigshafen
„Solange die Kinder mit wenige bis keinen Sprachkenntnissen und wenig bis keinen Vorläuferfähigkeiten und wenig Erfahrung im soziale Verhalten in die Schule kommen, wird sich die Zahl auch im nächsten Jahr und in den Folgejahren nicht drastisch verringern.“

Dabei wird die Schule speziell gefördert. Für Schüler mit wenig Deutschkenntnissen gibt es jeden Tag zwei Stunden Extra-Sprachunterricht. Außerdem nimmt die Schule am Projekt „Familiengrundschulzentrum“ teil. Das Ziel: Eltern mehr in die schulische Ausbildung ihrer Kinder einzubeziehen.
Für die CDU-Opposition im Land ist klar: Kinder müssen bereits am Tag ihrer Einschulung gut deutsch sprechen können.

Gordon Schnieder (CDU), Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz
„Es reicht nicht, das mit Leuchtturmprojekten zu machen, sondern das muss flächendeckend geschehen. Ich bleibe bei unserer Forderung: Flächendeckende Sprachstands-Erhebungen für die viereinhalb Jährigen und flächendeckende verbindliche Sprachförderung.“

Bereits 2023 sind hier an der Gräfenau-Schule rund 40 Erstklässler sitzen geblieben. Und auch dieses Jahr werden wohl wieder 35 Kinder den Sprung von Klasse 1 in Klasse 2 nicht schaffen
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Dieterle:
Herr Teuber, das im dritten Schuljahr in Folge. Wie kann das sein?
Teuber:
Ja, das ist für die Kinder vor allem erst mal schade, weil wir wollen ja schauen, dass gerade eine Grundschule in den ersten beiden Klassen ist eine Eingangsstufe und das Sitzenbleiben etc. gibt es da eigentlich nicht, sondern wir haben im Dialog mit den Eltern, indem wir in der Bildungs und Erziehungspartnerschaft sind, haben wir den Auftrag, das Beste für das Kind zu ermöglichen. Und ich weiß, dass Frau Mächtle und das Team, ich war selbst vor Ort auch schon, tatsächlich eine gute Arbeit dort leisten und wir sie auch maximal unterstützen. Und trotzdem muss man sehen, dass Bildungsprozesse länger angelegt sind und wir wollen und müssen diese Zahl reduzieren. Wir werden es aber, wenn man in der frühkindlichen Bildung vielleicht auch nicht die Chance hatte oder auch von Elternhaus nicht gleiche Chancen hatte, wir werden tatsächlich etwas Zeit brauchen.
Dieterle:
Die Opposition sagt ja, man müsse an die Ursachen ran, fordert jetzt schon länger eine verbindliche und flächendeckende Sprachförderung schon im Kindergartenalter. Man fragt sich, ist ja eigentlich ein guter Vorschlag: Warum passiert das nicht längst?
Teuber:
Das Schöne ist, dass die Opposition uns da eigentlich nur unterstützen kann, weil das tun wir. Wir machen frühere Sprachszandserhebungen, schon mit viereinhalb Jahren, dann auch Eingangsschuluntersuchungen …
Dieterle:
Aber die Förderung, darum geht es ja auch. Nicht nur die Bestandsaufnahme.
Teuber:
Genau. Und die ist genau der nächste Schritt. Das heißt, wir haben dann, wenn wir sehen, da ist Bedarf, kommt eine verbindliche Förderung, und das findet tatsächlich auch schon statt. Nichtsdestotrotz muss man dann sehen, auch selbst wenn wir diese Förderung machen, dann dürfen wir den Druck bei den Kindern auch nicht so abladen, dass sie sofort funktionieren müssen. Das ist nicht im Sinne von Kindesentwicklung. Jedes Kind entwickelt sich anders. Aber wir haben klar daraus gelernt. Nach viereinhalb Jahren machen wir diese Erhebung, dann gibt es gezielt verbindliche Förderung und dann wollen wir es den Kindern, das ist nämlich das oberste Ziel, erleichtern, den Einstieg in die Schule zu schaffen. Und mit First Class haben wir sogar ein Programm entwickelt, das Übergang von Kita und Grundschule erleichtert. Das schaffen jetzt übrigens nicht nur Gräfenau, denn wir sollten nicht nur über Gräfenau reden, sondern mir ist auch immer wichtig, bei anderen Grundschulen zu schauen, und wir erweitern dieses First Class Programm jetzt dann demnächst auch noch mal auf weitere Grundschulen als nur Gräfenau.
Dieterle:
Herr Teuber, viel zu tun im neuen Amt. Vielen Dank, dass Sie heute sozusagen zum Antrittsbesuch bei uns waren.
Teuber:
Danke Ihnen.