Julia Klöckner ist neue Bundestagspräsidentin
Sie eilt von Termin zu Termin. „Schlaf wird überschätzt“ – ein Satz, den man schon öfter von Julia Klöckner gehört hat. Bereits mit 22 Jahren bereist die Winzertochter aus Guldenthal bei Bad Kreuznach die Welt – als deutsche Weinkönigin.
2002, mit 29 Jahren, zieht sie erstmals in den Bundestag ein.
2009 wird sie parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft.
Kurz darauf tritt Christian Baldauf, der rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende, vor die Presse und erklärt:
Christian Baldauf, CDU-Landesvorsitzender am 17.11.2009
„Ich werde aber nicht als Spitzenkandidat antreten.“
Klöckner kehrt von Berlin zurück nach Rheinland-Pfalz. Baldauf überlässt ihr den Landesvorsitz und die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl.
Jetzt heißt es: Julia Klöckner gegen Ministerpräsident Kurt Beck.
Julia Klöckner (CDU), Spitzenkandidatin Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2011
„Man merkt natürlich, dass er sehr unruhig ist und die blanke Angst, die steht ihm schon im Gesicht.“
Doch trotz aller Attacken, die CDU verliert die Landtagswahl 2011. Aber: Es ist eine denkbar knappe Niederlage.
Julia Klöckner (CDU), Spitzenkandidatin Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2011
„Die CDU Rheinland-Pfalz– sie ist wieder da.“
Zwei Jahre später tritt Ministerpräsident Kurt Beck aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nachfolgerin wird Malu Dreyer. Die CDU liegt in Umfragen lange deutlich vor der SPD. Doch Klöckners umstrittener Plan, der die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel ergänzen soll, kostet Punkte. Die Landtagswahl 2016 geht verloren.
Julia Klöckner, CDU-Spitzenkandidatin Landtagswahl 2016, am 13.03.2016
„Wir haben erlebt, wie geschlossen und entschlossen wir gemeinsam gekämpft haben und am Ende hat der Bürger das Sagen und das muss man akzeptieren.“
Ein bitterer Abend für Julia Klöckner. Mit der Wahlschlappe wird sie noch lange zu kämpfen haben.
Nach der Bundestagswahl 2017 wird sie in der Neuauflage der Großen Koalition Bundeslandwirtschaftsministerin im Kabinett Merkel.
Nach der für die Union verlorenen Bundestagswahl 2021 gibt Klöckner den rheinland-pfälzischen Landesvorsitz ab. Fortan kritisiert sie als wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion die anderen Parteien durchaus hart. Zuletzt Ende Januar:
Julia Klöckner (CDU), Bundestagsabgeordnete, am 30.1.2025
„Dieses moralische Aufgeladene, wissen Sie, davon kann sich keiner ein Stück Brot kaufen, ich will es Ihnen nur mal sagen, wir brauchen schon noch Arbeitsplätze hier in diesem Land.“
Dass sie angriffslustig ist, hat Julia Klöckner immer wieder gezeigt. In ihrem neuen Amt muss sie aber beweisen, dass sie auch parteiübergreifend vermitteln kann.
Eigentlich wollte sie sich gestern in allen Fraktionen vorstellen – auf Druck von SPD und Grünen verzichtete sie dann aber auf einen Besuch bei der AfD.
Ihr Amt als Bundesschatzmeisterin der CDU legte sie gestern nieder, denn als Bundestagspräsidentin ist sie jetzt auch für die Kontrolle der Finanzen der Parteien zuständig.
Julia Klöckner – immer wieder wurde ihr Name genannt, wenn es um einen Ministerposten in der künftigen Koalition ging. Doch es kam anders. Jetzt ist die 52-Jährige die Präsidentin des Deutschen Bundestages und hat damit das zweithöchste Amt Deutschlands inne.









