Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Klavierunterricht im Gefängnis

Feb. 11, 2025

Wer hinter Gitter kommt, soll in erster Linie bestraft werden. Gleichzeitig finden dort aber auch Programme statt, mit denen man verhindern möchte, dass die Häftlinge anschließend erneut Straftaten begehen: soziales Training, Anti-Gewalt-Training, Suchtberatung. In der JVA Wittlich geht man noch einen Schritt weiter. Finanziert durch eine Stiftung gibt es dort einmal in der Woche Klavierunterricht. Was das bringen soll? Wir haben es uns angeschaut.
Taktgefühl, Fingerfertigkeit und ein gutes Gehör – sein Talent fürs Klavierspielen hat Vlad erst in der Justizvollzugsanstalt Wittlich entdeckt. Seit knapp sieben Monaten ist er hier in Haft, verurteilt wegen Drogenhandels. In dieser kurzen Zeit macht der Mitte 20-jährige große Fortschritte. Ein Hobby, eine Leidenschaft, das hat ihm vorher gefehlt.

Vlad, Insasse JVA Wittlich
„Man macht ja meistens Blödsinn, wenn man viel Zeit hat. Ich war jetzt nicht so der Mensch, der sich da in der AG war in der Schule oder so, ich war eher, sag ich mal, draußen unterwegs, hab mit Leuten Bier getrunken und andere Sachen gemacht. Ja und dann kommt man auf dumme Gedanken.“

Fünf Häftlinge bekommen hier einmal pro Woche Klavierunterricht. Zum Üben zwischendurch hat jeder ein Keyboard. Klavierlehrer Bernd Oster unterrichtet schon länger in Gefängnissen und sieht, welch große Wirkung die Musik haben kann.

Bernd Oster, Klavierlehrer
„Musik ist ja was Schönes, was auch ablenkt und es könnte einen auf die rechte Bahn bringen, man kommt auch in andere Kreise, wenn man draußen ist.“

Finanziert wird das Ganze durch eine Trierer Stiftung, Steuergelder fließen in das Projekt keine. Es gehe nicht darum, den Gefängnisaufenthalt angenehmer zu machen, sondern das Selbstwertgefühl der Gefangenen zu steigern. Denn ein Mangel daran sei oft ein Grund, warum Menschen Straftaten begehen.

Jörn Patzak, Leiter JVA Wittlich
„Anstatt nur Fernsehen zu gucken, vielleicht auf ihrem Bett herum zu lungern, was man ja auch draußen mittlerweile bei der Jugend oftmals sagt, Mensch, nutzt doch die Zeit positiv und das ist genau der Ansatz mit so einem Projekt. Und wenn wir unseren Gefangenen hier sehen, wie toll er Klavier spielt, er hatte keine Vorkenntnisse und wie er aufgeht, wenn die Leute sagen, mein Gott wie toll. Das sind vielleicht nachher die Dinge, die ihm helfen, ein Leben zu führen, ohne nochmal Straftaten zu begehen.“

Klavierspielen geht nur mit Eigenständigkeit und dem Ziel, etwas lernen zu wollen, weiter zu machen, auch wenn es mal schwierig wird.

Vlad, Insasse JVA Wittlich
„Die meisten Leute sitzen hier und planen eigentlich schon, wie sie als nächstes hier rein kommen. Und allein nur durch das Klavierspielen kopple ich mich schon von diesen Gedanken ab.“

Vlad wurde zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Viel Zeit zum Üben. Danach will er weiter machen und irgendwann vielleicht sogar selbst unterrichten.