Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Schüler diskutieren über Demokratie

Jan. 22, 2025

Wie geht es in Deutschland weiter mit der Migration? Sollten Sozialleistungen wie das Bürgergeld abgeschafft werden? Es gibt politische Themen, über die es sich ganz vortrefflich streiten lässt. Wenn derartige politische Debatten aber nicht mehr sachlich, sondern zunehmend emotional geführt werden – was bedeutet das dann für unsere Demokratie? Das war die zentrale Frage bei einer Diskussionsrunde jetzt im hessischen Landtag.
„Demokratie steht und fällt mit der inneren demokratischen Haltung der Bürgerinnen und Bürger; sie entspringt einem Gefühl.“ Das ist die Kernthese des neuen Sammelbands „Gefühlte Demokratie – Die Weimarer Erfahrung im 20. und 21. Jahrhundert“ – und gleichzeitig Grundlage für die Podiumsdiskussion im altehrwürdigen Musiksaal des hessischen Landtags. Für Politikwissenschaftlerin  Isabelle Borucki von der Uni Marburg steht fest: Emotionen und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. Und das sei grundsätzlich auch gut so.

Prof.  Isabelle Borucki, Philipps-Universität Marburg
„Ich sehe aber in der Beobachtung der aktuellen Geschehnisse schon besorgniserregende Tendenzen für die Demokratie insofern, als dass sehr stark insbesondere negative Gefühle gefördert werden. Wut, Angst, Unsicherheit. Durchaus auch Empörung. Und aus emotionalen Befindlichkeiten heraus politische Entscheidungen zu fällen, ist selten gut.“

Als Beispiel nennt die Parteienforscherin das Berliner Ampel-Aus: Da sei es am Ende kaum noch um politische Inhalte gegangen, sondern mehr um Gefühle und persönliche Befindlichkeiten. Das leiste der Demokratie einen Bärendienst – und sei Wind auf den Mühlen radikaler, tendenziell antidemokratischer Kräfte.
Auch Landtagspräsidentin Astrid Wallmann blickt mit Sorge darauf, dass sich in einem zunehmend radikalisierten politischen Diskurs immer öfter nicht die vernünftigsten, sondern die lautesten Stimmen durchsetzten.

Astrid Wallmann (CDU), Präsidentin Hessischer Landtag
„Wir sind schon in der Demokratie mit Herausforderungen konfrontiert. Und wir müssen aufpassen, dass wir die Demokratie nicht als etwas Selbstverständliches ansehen. Wir müssen jeden Tag auch für unsere Demokratie kämpfen und dafür auch einstehen. Und es ist unglaublich wichtig, dass wir dafür Bildungsangebote, auch solche Formate wie heute, anbieten. Um dafür zu sensibilisieren, dass es wichtig ist, sich für eine Gemeinschaft zu engagieren. Und natürlich auch auf Entwicklungen hinzuweisen, die uns Sorge bereiten.“

Anouk Stern bastelt gerade an der Wiesbadener Gutenbergschule an ihrem Abitur – und sieht auch bei einem Teil der Jugendlichen deutliche Radikalisierungstendenzen. Viele junge Menschen hätten große Zukunftssorgen – und seien dadurch anfällig für Rattenfänger aller Art – vor allem in der digitalen Welt.

Anouk Stern (19), Gutenbergschule Wiesbaden
„Durch soziale Medien kann man natürlich Konflikte emotionalisieren. Und besonders Jugendliche, die vielleicht auch nicht andere Quellen verwenden, können somit halt schnell auf leichte Lösungen reinfallen. Oder sich schnell Meinungen bilden, ohne nochmal andere Perspektiven in Betracht zu ziehen. Und das ist, glaube ich, die große Gefahr, die wir da haben.“

Nach wie vor stünden die allermeisten jungen Menschen aber fest auf dem Boden der Demokratie – solange man ihre Ängste und Sorgen auch ernst nehme.