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Pistorius übergibt Radhaubitze an Ukraine

Jan. 13, 2025

Schon bald jährt es sich zum dritten Mal, dass Russland in der Ukraine einmarschiert ist. Seitdem muss sich die Ukraine tagtäglich gegen russische Angriffe verteidigen und ist dabei auf Waffenlieferungen aus dem Ausland angewiesen. Zu den wichtigsten Unterstützern zählt Deutschland. Und das soll auch so bleiben, zumindest wenn es nach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius geht. Heute hat er in Kassel ein neues Waffensystem vorgestellt – und symbolisch an den ukrainischen Botschafter übergeben.
Das ist sie, die neue Radhaubitze RCH 155 – ein gepanzertes Radfahrzeug mit vier Achsen und einem 155 Millimeter-Geschütz – in Nordhessen entwickelt und bald schon in der Ukraine im Einsatz.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister
„RCH 155 ist weit mehr als nur ein modernes Waffensystem. Sie ist ein Symbol für die Entschlossenheit und für unsere Handlungsfähigkeit Deutschlands. Die Ukraine – und das ist das Signal – kann auf uns zählen.“

Insgesamt 54 Waffensysteme dieser Art will Deutschland nach und nach in die Ukraine liefern. Ende April soll es damit losgehen. Bis dahin sollen ukrainische Soldaten in Kassel und im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein an der neuen Radhaubitze ausgebildet werden. Der ukrainische Botschafter nimmt das erste Exemplar heute dankend entgegen.

Oleksii Makeiev, Ukrainischer Botschafter in Deutschland
„Und in diesem Sinne weiß ich auch zu schätzen, dass unsere Verteidigungskräfte die ersten sein werden, die die Radhaubitzen bekommen, noch vor der Bundeswehr.“

Gegenüber älteren Modellen zeichnet die RCH 155 aus, dass sie eine extrem hohe Schießgenauigkeit auf verschiedenste Distanzen hat, über einen großen Munitionsvorrat verfügt und wenige Soldaten für die Bedienung ausreichen. Und sie kann aus der Fahrt heraus schießen.

Ralf Ketzel, Geschäftsführer KNDS Deutschland
„Das ist ein enormer Schritt. Man weiß einfach, Artillerie als stehendes Ziel ist sehr leicht verwundbar. Dieses System kann aus der Fahrt schießen. Und die zweite Sache, die wir auch wissen und betonen müssen, ist, diese modernen Konflikte, die sich über Grenzen, über 1300 oder 1400 Kilometer Länge ausdehnen, benötigen eine hohe Mobilität. Und mit einem Radfahrzeug können wir 1000 Kilometer an einem Tag ohne weiteres zurücklegen.“

Entwickelt und teilweise auch gefertigt wird das System von der Firma KNDS in Kassel. 1600 Menschen arbeiten an dem nordhessischen Standort. Damit gehört das Rüstungsunternehmen zu den größten Arbeitgebern in der Region. Ein wichtiger Player also, wenn es um den Wirtschafts- und Industriestandort Nordhessen geht, so der hessische Innenminister.

Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen
„Und wir sind sehr froh darüber, dass wir gerade hier in Kassel einen solchen Schwerpunkt auch in der Rüstungsindustrie haben. Das ist gut, weil dadurch viele Arbeitsplätze hier zur Verfügung stehen, geschaffen und auch noch ausgebaut werden. Das ist aber auch gut für unsere Sicherheit.“

Und, so betont der Bundesverteidigungsminister, auch notwendig. 890 Millionen Euro investiert der Bund in die Herstellung der neuen Radhaubitzen für die Ukraine.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsministe
„Wir unternehmen diese Anstrengungen aber – das will ich sehr deutlich sagen – nicht aus Gefälligkeit, sondern weil sie für ein sicheres Europa schlicht notwendig sind. Und Deutschland wird da weiter vorangehen. Die Kriegstüchtigkeit der Bundeswehr in den nächsten Jahren zu erhöhen, und zwar so schnell es geht, ist das oberste Gebot der Stunde.“

Und daran dürfe auch in Zukunft nicht gespart werden. Sobald alle Radhaubitzen für die Ukraine unterwegs sind, soll auch die Bundeswehr mit der RCH 155 ausgestattet werden.