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Hauseigentümer will Mieter loswerden

Nov. 13, 2024

In Frankfurt gibt es Ärger für einige Mieter. Es geht um das Haus direkt gegenüber des Hauptbahnhofs, in dem auch einst Oskar Schindler gelebt hat. Das Haus gehört einem Luxemburger und der will nun alle Mieter vor die Tür setzen. Dagegen hat sich inzwischen auch die Stadt eingeschaltet. Wir konnten mit einem betroffenen Mieter sprechen.
Als Udo Fleck das Schreiben des Luxemburger Wohnungskonzerns erhält, ist es für ihn ein Schock: Er und rund 50 weitere Mieter sollen raus. Das Wohnhaus direkt am Frankfurter Hauptbahnhof soll abgerissen werden. Stattdessen sollen dort möblierte Apartments mit hotelähnlichem Service entstehen. Für den 78-Jährigen, der seit 15 Jahren hier lebt, eine Extremsituation.

Udo Fleck, Mieter
„Ich habe die Gedanken gehabt, Selbstmord zu machen. Weil, es belastet mich sehr. Ich wüsste auch nicht, wie ich hier… Es war halt ein großes Schicksal. Warum muss man ausziehen? Ist doch alles in Ordnung hier, die können doch vermieten. Man denkt halt immer dran, die ersten drei, vier Monate waren ganz schlimm.“

Inzwischen hat Udo Fleck seinen Kampfgeist wiedergefunden. Er wirft dem Vermieter vor, das Gebäude schon seit einiger Zeit verwahrlosen zu lassen, um die Mieter rauszuekeln. Die Klingelanlage funktioniert schon seit zwei Monaten nicht mehr. Die Stadt Frankfurt hat sich auf die Seite der Mieter gestellt. Udo Fleck und seine Nachbarn müssten nicht ausziehen, die Baupläne der Luxemburger Gesellschaft seien nicht rechtens. Laut Bebauungsplan der Stadt müssen 60 Prozent der Fläche als Wohnungen genutzt werden, nicht für hotelartige Zeitapartments.

Marcus Gwechenberger (SPD), Planungsdezernent Stadt Frankfurt
„Die laut Kündigungsschreiben vorgesehene Errichtung […] ist definitiv nicht genehmigungsfähig. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Eigentümer trotzdem an den Kündigungen festhalten.“

Gleich neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an Oskar Schindler, der während der NS-Herrschaft über 1.000 Juden das Leben gerettet und bis 1974 hier gewohnt hat. Unter Denkmalschutz steht das Haus aber nicht. Die Stadt könnte also grundsätzlich nicht verhindern, dass das Haus abgerissen wird – wenn der folgende Neubau rechtens wäre. Frankfurter Mieterschützer sehen die Räumungsaufforderung als reine Einschüchterung.

Conny Petzold, Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V.
„Um das aber zu untermauern, bräuchten wir so etwas wie einen Bauantrag oder eine Baugenehmigung. Und beides liegt in dem Fall nicht vor und insofern bestehen die Mietverhältnisse fort.“

Die Frankfurter Bauaufsicht bestätigt, dass ihr bislang kein Antrag vorliegt. Der Luxemburger Eigentümer plant aber weiter den Abriss des Fünfziger-Jahre-Baus.

First Solid Rock, Wohnungsgesellschaft aus Luxemburg
„Den Mietern wurden Abfindungen, Umzugshilfen, flexible Fristen und Unterstützung bei der Suche nach Ersatzwohnraum angeboten. Dieses Angebot besteht auch noch immer.“

Die ersten Mieter sind tatsächlich bereits ausgezogen, nicht aber Udo Fleck. Er hat einen ersten Räumungstermin Ende Oktober verstreichen lassen. Und will für sein Recht kämpfen, weiter in seiner liebgewonnen Wohnung bleiben zu dürfen.