Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Gepanschter Honig in den Supermärkten?

Nov. 5, 2024

Die Imker in Rheinland-Pfalz haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Durch den Regen sind viele Bienen im Stock geblieben und haben keinen Nektar gesammelt. So fällt die Honigernte in diesem Jahr mager aus. Und auch die Supermarkt-Konkurrenz macht den regionalen Imkern zu schaffen. Letztere werfen ihren Konurrenten vor, den Honig zu panschen und so billiger zu verkaufen.
Thomas Junghans ist auf dem Weg zu seinen Bienen. Hier in Mainz kümmert er sich um sieben Völker. Als Hobbyimker verkauft er seinen Honig an Freunde und Bekannte. Leben kann er davon nicht. Über sieben Euro nimmt er für ein Glas. Ein Mindestpreis, der auch die viele Arbeit seiner Bienen wiederspiegeln soll. Mit den Preisen aus dem Supermarkt kann er da nicht mithalten.

Thomas Junghans, Vorsitzender Imkerverein Mainz
„Ich habe pro Jahr auch trotzdem Ausgaben, wiederkehrende Ausgaben für Verbrauchsmaterial. Ich muss den Bienen ja Futter geben, wenn ich ihnen den Honig wegnehme. Dafür muss ich Geld aufbringen. Wenn es jedes Jahr mehr wird und es wird mehr – die Verbrauchsmaterialien werden teurer für mich, wenn ich das auch nicht durch den Honigpreis ein Stück weit kompensieren kann, führt es im Zweifel dazu, dass ich das Hobby irgendwann aufgeben muss.“

Grund der niedrigen Preise ist für den Hobbyimker die Mischung. Gerade erst hat der Deutsche Berufsimkerbund 30 Supermarkt-Honige untersucht. Das Ergebnis: 25 davon waren mutmaßlich gestreckt. Einer würde sogar nur aus Zuckersirup bestehen, sagt der Verband. Einen Imkerhonig kann man aber weder am Etikett noch an der Farbe von gepanschtem Honig unterscheiden.

Thomas Junghans, Vorsitzender Imkerverein Mainz
„Natürlich, wenn ich sage es ist industriell abgefüllter Honig. Da sind viele Produktionsschritte drin, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass einer mal die Hand dran hatte und was dazugetan hat. Beim Imkerhonig hier aus der Region ist einfach die Wahrscheinlichkeit geringer, dass ein privater Imker zu Hause irgendwas anrührt in seinen Honig.“

Thomas Hock ist Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Imkerverbands und hat bei der Untersuchung mitgewirkt. Er hält das Ergebnis für einen Skandal. Schon seit Jahren vermutet er, dass viele Supermarkt-Honige gestreckt werden. Durch den daraus folgenden Preisunterschied haben immer mehr Imker Probleme, ihren Honig zu verkaufen. Und können sich so auch weniger Bienen leisten.

Thomas Hock, Vorsitzender Imkerverband Rheinland-Pfalz
„Die Honigverordnung definiert ganz klar Honig. Und in dem Moment, wo ich natürlichem Honig, einem natürlichen Produkt von den Bienen etwas zusetze und es dann in den Verkehr bringe, dann begehe ich eine Straftat. Das ist Betrug.“

Doch das Problem ist den möglichen Betrug nachzuweisen.

Thomas Hock, Vorsitzender Imkerverband Rheinland-Pfalz
„Es werden zwar Kontrollen gemacht auf verschiedenen Ebenen. In Rheinland-Pfalz ist das Landesamt für Untersuchung zuständig für Lebensmitteluntersuchung. Die machen Kontrollen und haben gar nicht die Möglichkeit die Verfälschungen zu detektieren. Weil die nicht die Geräte und Techniken haben.“

So hat der Imkerbund seine Proben in Estland testen lassen.
Thomas Hock erwartet nun, dass Politiker und Behörden auf allen Ebenen endlich handeln und etwas gegen den womöglich gepanschten Honig unternehmen. Sonst würde es in Zukunft weniger Berufs- aber auch Hobbyimker wie Thomas Junghans geben. Und die produzieren nicht nur regionalen Honig sondern leisten auch einen Beitrag für die Biodiversität.