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Unsichere Zeiten für VW-Werk in Baunatal

Okt. 28, 2024

Deutschlands größter Autokonzern gerät immer tiefer in die Krise. Bei Volkswagen muss kräftig gespart werden – die Jobgarantie wurde gestrichen. Unter den 120.000 Beschäftigten ist die Angst nun groß, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Heute Vormittag hat der Betriebsrat die Belegschaft in allen deutschen Werken zu Info-Veranstaltungen geladen, auch am zweitgrößten Standort im hessischen Baunatal.
Schlechte Stimmung heute beim Schichtwechsel in Baunatal, viele Mitarbeiter sind frustriert. Zu oft kommt ihr Arbeitgeber mit Hiobsbotschaften um die Ecke.
Jetzt wieder: Laut Betriebsrat will der Vorstand der Volkswagen AG mindestens drei Werke in Deutschland schließen. Alle anderen Werke sollen schrumpfen. Heißt, Produktionen werden zurückgefahren und ganze Montagelinien gestrichen. Es droht der Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen.
Des Weiteren sind pauschale Lohnkürzungen von zehn Prozent und Nullrunden für die kommenden beiden Jahre geplant. In Baunatal würde das mehr als 15.000 Beschäftigte treffen.

Mario Schneider, Mitarbeiter Logistik VW Baunatal
„Viele sind sauer, viele sind betroffen. Jeder nimmt das anders auf. Manche sagen auch; ach komm, ich nehm das locker, ich kann es nichts dran ändern, wir müssen sehen, was passiert aber das ist halt von jeder Person anders.“
Rainer Helbing, Mitarbeiter Logistik VW Baunatal
„Was soll ich denken? Ich denke nur, für die jungen Leute hier wird’s sehr sehr schwer werden. Gerade die Leute, die ein Haus gebaut haben gerade.“

Der Vorstand erklärt, dass in den deutschen Werken weit mehr Autos produziert werden könnten, als verkauft werden. Dadurch seien einzelne deutsche Werke doppelt so teuer wie der Wettbewerb. Welche Fabriken geschlossen werden sollen, um diese Überkapazitäten zu reduzieren, sagt VW heute nicht. Doch auch das Komponentenwerk in Baunatal stehe auf dem Spiel, meint der Betriebsrat.

Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender VW Werk Baunatal
„Die Bedrohung gilt allen Standorten, wir können keinen einzigen rausnehmen zur Zeit und deswegen ist es nach wie vor ein Angriff auf uns alle.“

Man spare nun auf dem Rücken der Mitarbeiter, kritisiert der Betriebsrat. Dabei sei die Krise selbst verschuldet.

Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender VW Werk Baunatal
„Na ja das kommunizieren wir ja schon seit Wochen, dass es ganz massive Steuerungsprobleme und Fehlentscheidungen des Vorstandes oder vom Vorstand verursacht gegeben hat.“
Mario Schneider, Mitarbeiter Logistik VW Baunatal
„Wahrscheinlich weil die Führungsebene oder der Vorstand zu spät umgeschwungen sind oder komplett in Deutschland auf die E-Mobilität und ich sag mal, das passende Modell ist nicht auf dem Markt, was für jeden erschwinglich ist.“
Rainer Helbing, Mitarbeiter Logistik VW Baunatal
„Und ich kann nicht von heute auf morgen umstellen, sag ich mal, auf Elektro. Ich selber würde mir auch so ein Auto niemals kaufen, weil ich halte davon gar nichts. Die Leute kriegen Angst gemacht, sich ein Auto zu kaufen, verbrennermäßig.“

Am Mittwoch startet die zweite Verhandlungsrunde für den neuen VW-Haustarifvertrag. Die Gewerkschaft IG-Metall fordert sieben Prozent mehr Lohn und mehr Geld für Auszubildende. Das hat der Vorstand bislang abgelehnt. Und angesichts der prekären Lage ist vorerst keine Einigung in Sicht.

Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender VW Werk Baunatal
„Noch hat der Konzernvorstand die Chance, diese riesengroße Eskalation, die jetzt droht, wenn sie die Pläne nicht zurücknehmen, noch hat der Konzernvorstand es in der Hand, dafür zu sorgen, dass die Ihr um 5 vor 12 stehen bleibt. Deswegen tickt der Wecker.“

Bis Ende November gilt bei VW eine Friedenspflicht, danach sind Streiks möglich.
Volkswagen steht wohl vor der schwierigsten Entscheidung seiner Unternehmensgeschichte. Wie es weitergeht mit Deutschlands größtem Autobauer? Ungewiss!