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Verbandsgemeinde betreibt eigene Hausarztpraxis

Okt. 11, 2024

Das Landarztsterben ist schon seit vielen Jahren ein Problem und verschärft sich immer weiter. Viele Ärzte mit eigener Praxis gehen in Rente und finden keinen Nachfolger. Der Grund: Die Selbstständigkeit bringt ein hohes finanzielles Risiko und neben dem eigentlichen Arztberuf viele betriebswirtschaftliche Aufgaben mit sich. Gerade junge Ärzte mit eigener Familie wollen diese Belastung nicht mehr auf sich nehmen. Deshalb hat die Verbandsgemeinde Monsheim in Rheinhessen beschlossen: Wir gründen eine eigene Hausarztpraxis.
Nach Studium und Facharztausbildung hatten Verena Proissl und David Schindler denselben Traum: Eine eigene Arztpraxis. Doch mittlerweile haben beide jeweils Familie mit Kindern. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist zu riskant, die Arbeitsbelastung zu hoch.
David Schindler, Arzt: „Und dann kommt man letztendlich als studierter Arzt ohne betriebswissenschaftliches Know-How, denn das fehlt komplett in unserem Studium, kommt man eben in die Situation, einerseits will ich nach bestem Wissen und Gewissen behandeln, ich bin aber selbstständig, ich bezahle mein Personal, ich bezahle meine Gerätschaft, ich bezahle meine Mieten und dann muss ich das rechnen.“
Zudem müssen Ärzte, die eine Praxis gründen wollen, hohe Kredite aufnehmen. Rund 200.000 Euro kostet die Einrichtung einer solchen Praxis. Das wirtschaftliche Risiko trägt der Praxisinhaber. Und so bleiben viele Arztsitze unbesetzt, wie auch in der Verbandsgemeine Monsheim im Landkreis Alzey-Worms. Bis Bürgermeister Ralph Bothe beschließt: Wir gründen als Kommune selbst ein medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ, mit eigener Hausarztpraxis. Seit dem 1. Oktober arbeiten hier nun sechs medizinische Fachangestellte und zwei Ärzte, alle sind bei der Verbandsgemeinde angestellt. Sie kümmern sich um die Behandlung der Patienten, die Kommune um alles andere.
Ralph Bothe, Bürgermeister Verbandsgemeinde Monsheim: „Wir richten die Praxis ein, wir richten die Homepage ein, wir stellen die Mitarbeiter bei uns an, die ganze Personalabwicklung läuft über uns, kleinere Reparaturen, wir stellen den Hausmeister, die Reinigungskräfte.“
Und: Die Kommune hat das finanzielle Risiko, nicht die Ärzte. Das Konzept Medizinisches Versorgungszentrum, bei dem die Praxis nicht den Ärzten selbst, sondern einem Dritten gehört, gibt es schon länger. Dass dieser Dritte eine Kommune ist, das gibt es in Rheinland-Pfalz bislang nur zweimal.
Verena Proissl, Allgemeinmedizinerin: „Es ist schon so, bei den anderen MVZ-Konstrukten, die jetzt eine Aktiengesellschaft sind oder irgendwelche Firmen, die natürlich auch Profit mit erzielen möchten, hat man immer das im Hinterkopf, dass es eigentlich um den Gewinn geht.“
Die Verbandsgemeinde Monsheim will keinen Gewinn erzielen, nur die Investitionen wieder rein holen. Ohne wirtschaftlichen Druck steht wieder mehr der Patient im Fokus. Eine Win-Win-Win-Situation. Einziges Manko: Die Kommune darf für das Konzept nicht hochverschuldet sein und die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung müssen bereit sein, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen. Dann könnte das Modell kommunale Arztpraxis eine Lösung sein gegen den Ärztemangel auf dem Land.