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Wohnungen drohen zu Bauruinen zu verkommen

Okt. 8, 2024

Der Traum vom Eigenheim. Für viele Menschen einer der wichtigsten Schritte im Leben. Da soll alles klappen, von der Finanzierung, über die Planung bis zum Bau. Auch im südhessischen Idstein hatten insgesamt 16 Immobilienkäufer diese Hoffnung, viele ihrer Häuser waren bereits Ende 2022 fast einzugsbereit. Doch dann steht die Baustelle plötzlich still, weil der Bauträger nicht mehr zahlen kann. Bis heute gibt es keine Lösung, dafür viel Ärger, Frust und ein Projekt, das zur Bauruine verkommt.
Die Küche und Möbel stehen und auch sonst ist fast alles fertig. Doch Dennis Leopold muss draußen bleiben, denn das Reihenhaus gehört noch der Bank. Auf der Baustelle tut sich seit langem nichts mehr.
Dennis Leopold, Hauskäufer in Idstein-Wörsdorf
Wir sind jetzt über zwei Jahre und ich kann echt nur noch sagen beschissen, also schlimmer kann man sich das nicht vorstellen.
 Die Ringgassenhöfe in Idstein sollten ein Vorzeigeprojekt des Wiesbadener Bauträgers „Deag“ werden. Acht Reihenhäuser und acht Wohnungen sollten bis zum Frühjahr 2022 entstehen. Inzwischen regnet es durch die noch offenen Decken einiger Häuser, Schimmel breitet sich aus. Die Käufer haben nach eigenen Angaben bereits insgesamt über vier Millionen Euro in das Projekt investiert.
Darunter auch Frank Dettloff, der eine der Wohnungen für seine betagten Eltern gekauft hat, um sich wohnortnah um sie kümmern zu können. Nun ist unklar ob den Einzug noch erleben. Der Schuldige aus Sicht der Käufer?
 Frank Dettloff, Wohnungskäufer in Idstein-Wörsdorf,
Das ist primär der Bauträger, der zieht sich zwar immer zurück auf die Corona-Zeit gestiegene Kosten, ja klar die sind gestiegen aber die Bauten hier in der Umgebung sind alle fertig gestellt worden und seine beiden Bauunternehmungen hier eben nicht.
 
Grund für den Stillstand: Dem Bauträger „Deag“ ist das Geld ausgegangen. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, die gestiegenen Baukosten hätten die Kalkulation zunichte gemacht.
Frank Dettloff, Wohnungskäufer in Idstein-Wörsdorf,
Wenn er sich selbst als zahlungsunfähig beschreibt, dann wäre es eigentlich nur rechtens, wenn er hingeht und die Insolvenz für sein Unternehmen einleitet.
 Das ist bis heute nicht passiert. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden aufgrund einer Anzeige wegen Insolvenzverschleppung.
44 Prozent mehr Insolvenzen von Bauunternehmen gab es im ersten Quartal des Jahres im Vergleich zum Vorjahr. Die Branche leidet. Viele Unternehmen hätten zwar vorsichtig gerechnet, wer bei den Krisen zuletzt aber knapp kalkuliert habe, komme mit seinen Projekten schnell in Schieflage, sagt der Baugewerbeverband.
Thomas Reimann, Präsident Baugewerbeverband Hessen
Es ist nicht die erste Insolvenz und es ist nicht der erste Fall der so stattfindet. Ich glaube man hat da Möglichkeiten dann auch mit guter Beratung und einer guten Wahl von einem bauleitenden Ingenieur oder bauleitenden Architekten auch dieses Bauvorhaben natürlich dann unter dem Gesichtspunkt möglicher Mehrkosten aber trotzdem fertig zu stellen, damit die Menschen auch einziehen können.
 Die kämpfen inzwischen mit den Folgekosten für Anwälte, weiterlaufenden Mieten und Kreditzinsen. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Seit mehreren Monaten herrscht Funkstille zwischen Käufern, Bank und Bauträger. Der habe laut eigener Aussage zwei Lösungskonzepte vorgelegt, die von den Erwerbern abgelehnt wurden.
Dennis Leopold, Hauskäufer in Idstein-Wörsdorf
Schwachsinn. Keiner hat was vorgelegt. Jeder hat nur seinen eigenen Vorteil rausgezogen.
Die Käufer wollen die Insolvenz des Bauträgers nun selbst erzwingen, haben dazu eine Fremdinsolvenz angemeldet.
Frank Dettloff, Wohnungskäufer in Idstein-Wörsdorf,
Die letzte Hoffnung ist, dass die Fremdinsolvenz durchgeht, wir die Bauten im jetzigen Zustand überschrieben bekommen und wir in Eigenregie versuchen können, das hier alles fertig zu bekommen.
Noch hat das Amtsgericht Wiesbaden nicht entschieden. Ende nächsten Jahres hoffen sie hier in der Ringgasse mit zuverlässigen Baufirmen endlich voranzukommen.