Kampf um den Erhalt des Krankenhauses in Zell
Die Botschaft der 200 Demonstranten ist heute Mittag eindeutig: Sie wollen dass das Krankenhaus erhalten bleibt. Die Bewohner der Region fürchten Versorgungsengpässe.
Sabrina Schröder
„Ich habe es als Kind selbst erlebt, dass ich in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt war und hatte schwerste innere Verletzungen. Ich hätte es bis an ein anderes Krankenhaus überhaupt nicht geschafft. Ich musste notoperiert werden, musste reanimiert werden und eine Fahrt in ein weiter gelegenes Krankenhaus hätte ich einfach nicht geschafft.“
Irene Klinger
„Ich gehe auf die 84 zu, habe hier niemanden, habe auch schon einmal hier im Krankenhaus gelegen, bin gut behandelt worden und hoffe, dass sich das weiterhin so geht. Deshalb tue ich das, dass ich heute hier bin.“
Der Plan der ViaSalus Gruppe, die das Klinikum betreibt sieht vor, das defizitäre Haus von einem Krankenhaus zu einem rein ambulanten medizinischen Versorgungszentrum umzubauen. Wie viele der 230 Beschäftigten dann ihren Job verlieren, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass alle stationären Leistungen und auch das Herzkatheterlabor dann wegfallen würden. Entwicklungen, die auch den Notärzten im Kreis Sorgen bereiten.
Dr. Gerrit Fischer, Notarzt
„Das Krankenhaus Cochem und das Krankenhaus Simmern, die hier in der Gegend liegen, haben beide kein Herzkatheterlabor. Deswegen ist Zell unser Anfahr-Krankenhaus. Wenn das wegfällt, werden die Wege viel, viel weiter.“
Dr. Martina Hüttel, Notärztin
„Dann muss ich den Patienten sowieso weit wegfahren und dann habe ich das Problem, dass er entweder stirbt oder mit einer Behinderung aus dem Ganzen herauskommt. Und dass kann mir als Arzt nicht egal sein.“
Der Kreistag kam heute zu einer Sondersitzung zusammen. Die Hoffnung: nach der Schließung des Klinikums in Zell soll zumindest das zweite Krankenhaus im Kreis, im 30 Kilometer entfernten Cochem, endlich wirtschaftlich profitabel werden. Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister begrüßt, dass es in Zell keinen Kahlschlag geben und zumindest das medizinische Versorgungszentrum erhalten bleiben soll.
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz
„Hier haben sich zwei Träger unterschiedlicher Art gemeinsam auf die Reise gemacht und überlegt, wie können wir die medizinische Versorgung im Landkreis sicherstellen, selbst wenn ein stationärer Standort jetzt umgewandelt wird in einen ambulanten Standort. Und aus unserer Sicht, des Landes, in Hinblick auf die Krankenhausplanung, ist die medizinische Versorgung dadurch jetzt auch sichergestellt und das wäre es nicht, wenn jetzt einfach nur ein Träger gesagt hätte: Ich möchte nicht weitermachen.“
Klarheit haben Ärzte, Krankenhausbeschäftigte und Patienten aber erst in vier Wochen. Dann will der Kreistag in seiner nächsten Sitzung ob er die Pläne zur Neustrukturierung akzeptiert.









