Zu Gast im Studio: Hessens Bildungsminister Armin Schwarz
Die Zuwanderung nach Deutschland bringt enorme Herausforderungen mit sich – gerade auch in der Schule, wo erst einmal die deutsche Sprache vermittelt werden muss, bevor es an die Inhalte gehen kann. Darüber sprechen wir mit dem hessischen Bildungsminister – zuvor der Blick auf das, was sich in diesem Schuljahr ändern soll.
Seit Anfang der Woche gibt es an Hessens Schulen einen neuen Jahrgang: Für mehr als 60.000 Erstklässler beginnt nun der berühmte „Ernst des Lebens“. Was die kleinen ABC-Schützen vermutlich noch nicht mal ahnen: Je nachdem, welchen Schulabschluss sie einmal anstreben, werden sie in den kommenden neun bis 13 Jahren immer wieder mit Problemen konfrontiert werden, für die sie selbst nichts können. Denn der Fehler steckt im System.
In einer aktuellen Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft landet Hessen im so genannten „Bildungsranking“ nur auf Platz 8 von 16 – weit abgeschlagen hinter Bundesländern wie Sachsen, Bayern oder Thüringen. Das liegt vor allem daran, dass hessische Schüler bei Vergleichstests in naturwissenschaftlichen Fächern deutlich schlechter abschneiden als der Bundesdurchschnitt. Nachholbedarf sieht die Studie auch beim Fremdsprachenangebot für Grundschüler. Einen Spitzenplatz erreicht Hessen dagegen bei ausländischen Schülern mit Schulabschluss – hier hinken andere Bundesländer deutlich hinterher.
Das größte Problem an Hessens Schulen ist und bleibt aber der Lehrermangel – sagt etwa die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW. Um einen reibungslosen Ablauf an den Schulen zu gewährleisten, müsste es an Hessens Schulen rund 9.000 Lehrer mehr geben – alleine im gerade beginnenden neuen Schuljahr blieben demnach mehr als 1.000 Planstellen unbesetzt.
Laut GEW sorgt der chronische Lehrermangel in Hessen schon seit langem für massiven Unterrichtsausfall. Wie viele Schulstunden dabei genau ausfallen, ist nicht bekannt – Hessen und Rheinland-Pfalz sind die einzigen beiden Bundesländer, in denen ausgefallene Schulstunden nicht explizit statistisch erfasst werden.
Haltung, Qualität und Tatkraft – mit diesen drei Schlagworten will Hessens neuer Bildungsminister Armin Schwarz von der CDU die hessische Schullandschaft wieder auf Vordermann bringen. Er setzt dabei unter anderem auf mehr Quereinsteiger im Schuldienst, eine Ausweitung des Deutschunterrichts sowie auf den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz.
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Markus Appelmann, Moderator:
Darüber wollen wir noch mehr erfahren und haben den hessischen Bildungsminister zu uns im Studio eingeladen. Armin Schwarz, ich grüße Sie.
Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen:
Guten Tag, Herr Appelmann.
Appelmann:
Herr Schwarz, sind jetzt ein gutes halbes Jahr im Amt. Welche Note würden Sie sich und Ihren Aufgaben, wie Sie sie bewältigt haben, geben?
Schwarz:
Wir haben einen tollen Start hingelegt, nicht nur in die Legislaturperiode hinein, sondern auch in das neue Schuljahr. Bekomme sehr viel positive Rückmeldungen. Das Schuljahr ist nun schon ein paar Tage alt, ich habe mehrere Schulen besucht und auch von den Kolleginnen und Kollegen, die Schulbesuche gemacht haben, bekomme ich einhellig die Einschätzung: Das hat gut geklappt. Da gibt es auch Gründe für, dass es so gut geklappt hat. Wir haben so viele Lehrkräfte wie noch nie an den hessischen Schulen, und wir setzen die Schwerpunkte, die so zu setzen sind …
Appelmann:
Lassen Sie uns da direkt einhaken. “So viele Lehrer wie noch nie.” Die Gewerkschaft sagt, es fehlen 9.000 Lehrer. Wem sollen wir glauben?
Schwarz:
Wie die Gewerkschaft auf diese Zahl kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsache ist, wir haben die Grundunterrichtsversorgung an den Schulen vollständig abgedeckt. Wir haben ganz viele Sonderprogramme, die toll wirken und allein zum neuen Schuljahr zuzüglich 600 Stellen in den Schuldienst hinein.
Appelmann:
Aber wir haben auch 1.000 unbesetzte Lehrerstellen. Das hat die Opposition über eine Anfrage herausgefunden. Da sehen Sie: Die Lehrer wachsen nicht auf Bäumen. Wo sollen sie herkommen?
Schwarz:
Wir sind sehr, sehr aktiv im Bereich der Rekrutierung von zusätzlichen Lehrkräften und als eines der ersten Bundesländer haben wir jetzt auch diese Woche schon vorgestellt eine Idee, nämlich Menschen, die beispielsweise ein Diplom, ein Magister oder einen Master haben, mit einem Fach für das Lehramt zu qualifizieren. Beispielsweise ein Musikwissenschaftler, der dann einsteigt direkt ins Referendariat und dann nach zwei Jahren eine vollwertige Lehrkraft ist.
Schwarz:
Das machen wir selbstverständlich dann für die Fächer, die wir besonders brauchen, unter anderem in den MINT-Fächern oder in Musik.
Appelmann:
“MINT” sind naturwissenschaftliche Fächer.
Schwarz:
Genau. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Physik beispielsweise oder im Bereich der beruflichen Schulen. Das kann unter anderem Metall oder Elektro oder auch Gesundheit sein, wo beispielsweise sicherlich auch auch Ärzte die Möglichkeit bekommen, gute Möglichkeiten und da versprechen wir uns sehr viel von. Wir sind eines der ersten Länder und dazu bekommen wir viele sehr positive Rückmeldungen.
Appelmann:
Ganz großes Thema: die Zuwanderung nach Deutschland, die natürlich auch Herausforderungen für die Schule bereithält. Wie viel aufwendiger wird Schulunterricht, wenn immer weniger junge Menschen richtig Deutsch sprechen?
Schwarz:
Hessen hat ein wirklich umfängliches Gesamtpaket zur Förderung der deutschen Sprache. Auch dort legen wir im neuen Schuljahr noch einen drauf, wenn ich das so sagen darf. Es gibt eine zusätzliche Stunde Deutsch in der zweiten Klasse, da investieren wir auch zusätzlich noch mal 100 Stellen. Aber das Gesamtsprachförderkonzept Deutsch, das ist vorbildlich. Da gucken andere Bundesländer sehr genau hin. Das beginnt mit den verpflichtenden Vorlaufkursen. Um es mal deutlich zu machen: Wir haben 1/3, nahezu 1/3 des kompletten Jahrgangs in einem Vorlaufkurs, der verpflichtend ist. Das bedeutet: anderthalb Jahre bei der Schuleignung, bei der Feststellung wird geschaut, wie sind die Fähigkeiten kognitiv, sprachlich und dann wird die Entscheidung getroffen, damit Deutschgrundlagen da sind, wenn es in die Schule geht. Denn Deutsch ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Schullaufbahn und …
Appelmann:
Und für die Integration am Ende,
Schwarz:
Die Integration, aber auch für eine Berufswahl.
Appelmann:
Herr Schwarz, eine Frage noch zum Startchancen-Programm. Das war ja unser erster Beitrag heute. Die CDU-Opposition auf Bundesebene sagt: “Das ist nicht der große Wurf. 4.000 Schulen und da jeweils eine Lehrkraft mehr. So sieht keine Bildungsrevolution aus.” Oder?
Schwarz:
Wissen Sie, ich gebe Ihnen da vollkommen recht. Das ist in der Tat keine Bildungsrevolution. Wir starten mit 92 Schulen im Startchancen-Programm. Es werden in Summe dann 320 Schulen sein. Um es mal zu verdeutlichen: Aus Berlin kommen weniger als 80 Millionen €. Wir haben in Hessen schon lange ein Spezialpaket. Das ist 500 Millionen, eine halbe Milliarde Euro schwer mit über 4.000 Stellen, mit zusätzlich Deutschunterricht, mit 5,000 Stellen, über 5,000 Stellen, beispielsweise hier den Ganztag mit der Unterstützung durch Sozialpädagogen, mit Nachhilfeunterricht, mit Förderunterricht. Wir nehmen das gerne mit, aber wenn man das in Summe betrachtet, ist es eine kleine Ergänzung. 92 Schulen starten, in Summe werden es 320. Es gibt aber öffentliche Schulen 1.810. Und das, was wir machen, auch in meiner Verantwortung, muss logischerweise für ganz Hessen, für alle Schulen gelten.
Appelmann:
… sagt der hessische Bildungsminister heute im Studio. Danke Ihnen, Armin Schwarz.
Schwarz:
Sehr gerne.
Seit Anfang der Woche gibt es an Hessens Schulen einen neuen Jahrgang: Für mehr als 60.000 Erstklässler beginnt nun der berühmte „Ernst des Lebens“. Was die kleinen ABC-Schützen vermutlich noch nicht mal ahnen: Je nachdem, welchen Schulabschluss sie einmal anstreben, werden sie in den kommenden neun bis 13 Jahren immer wieder mit Problemen konfrontiert werden, für die sie selbst nichts können. Denn der Fehler steckt im System.
In einer aktuellen Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft landet Hessen im so genannten „Bildungsranking“ nur auf Platz 8 von 16 – weit abgeschlagen hinter Bundesländern wie Sachsen, Bayern oder Thüringen. Das liegt vor allem daran, dass hessische Schüler bei Vergleichstests in naturwissenschaftlichen Fächern deutlich schlechter abschneiden als der Bundesdurchschnitt. Nachholbedarf sieht die Studie auch beim Fremdsprachenangebot für Grundschüler. Einen Spitzenplatz erreicht Hessen dagegen bei ausländischen Schülern mit Schulabschluss – hier hinken andere Bundesländer deutlich hinterher.
Das größte Problem an Hessens Schulen ist und bleibt aber der Lehrermangel – sagt etwa die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW. Um einen reibungslosen Ablauf an den Schulen zu gewährleisten, müsste es an Hessens Schulen rund 9.000 Lehrer mehr geben – alleine im gerade beginnenden neuen Schuljahr blieben demnach mehr als 1.000 Planstellen unbesetzt.
Laut GEW sorgt der chronische Lehrermangel in Hessen schon seit langem für massiven Unterrichtsausfall. Wie viele Schulstunden dabei genau ausfallen, ist nicht bekannt – Hessen und Rheinland-Pfalz sind die einzigen beiden Bundesländer, in denen ausgefallene Schulstunden nicht explizit statistisch erfasst werden.
Haltung, Qualität und Tatkraft – mit diesen drei Schlagworten will Hessens neuer Bildungsminister Armin Schwarz von der CDU die hessische Schullandschaft wieder auf Vordermann bringen. Er setzt dabei unter anderem auf mehr Quereinsteiger im Schuldienst, eine Ausweitung des Deutschunterrichts sowie auf den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz.
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Markus Appelmann, Moderator:
Darüber wollen wir noch mehr erfahren und haben den hessischen Bildungsminister zu uns im Studio eingeladen. Armin Schwarz, ich grüße Sie.
Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen:
Guten Tag, Herr Appelmann.
Appelmann:
Herr Schwarz, sind jetzt ein gutes halbes Jahr im Amt. Welche Note würden Sie sich und Ihren Aufgaben, wie Sie sie bewältigt haben, geben?
Schwarz:
Wir haben einen tollen Start hingelegt, nicht nur in die Legislaturperiode hinein, sondern auch in das neue Schuljahr. Bekomme sehr viel positive Rückmeldungen. Das Schuljahr ist nun schon ein paar Tage alt, ich habe mehrere Schulen besucht und auch von den Kolleginnen und Kollegen, die Schulbesuche gemacht haben, bekomme ich einhellig die Einschätzung: Das hat gut geklappt. Da gibt es auch Gründe für, dass es so gut geklappt hat. Wir haben so viele Lehrkräfte wie noch nie an den hessischen Schulen, und wir setzen die Schwerpunkte, die so zu setzen sind …
Appelmann:
Lassen Sie uns da direkt einhaken. “So viele Lehrer wie noch nie.” Die Gewerkschaft sagt, es fehlen 9.000 Lehrer. Wem sollen wir glauben?
Schwarz:
Wie die Gewerkschaft auf diese Zahl kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsache ist, wir haben die Grundunterrichtsversorgung an den Schulen vollständig abgedeckt. Wir haben ganz viele Sonderprogramme, die toll wirken und allein zum neuen Schuljahr zuzüglich 600 Stellen in den Schuldienst hinein.
Appelmann:
Aber wir haben auch 1.000 unbesetzte Lehrerstellen. Das hat die Opposition über eine Anfrage herausgefunden. Da sehen Sie: Die Lehrer wachsen nicht auf Bäumen. Wo sollen sie herkommen?
Schwarz:
Wir sind sehr, sehr aktiv im Bereich der Rekrutierung von zusätzlichen Lehrkräften und als eines der ersten Bundesländer haben wir jetzt auch diese Woche schon vorgestellt eine Idee, nämlich Menschen, die beispielsweise ein Diplom, ein Magister oder einen Master haben, mit einem Fach für das Lehramt zu qualifizieren. Beispielsweise ein Musikwissenschaftler, der dann einsteigt direkt ins Referendariat und dann nach zwei Jahren eine vollwertige Lehrkraft ist.
Schwarz:
Das machen wir selbstverständlich dann für die Fächer, die wir besonders brauchen, unter anderem in den MINT-Fächern oder in Musik.
Appelmann:
“MINT” sind naturwissenschaftliche Fächer.
Schwarz:
Genau. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Physik beispielsweise oder im Bereich der beruflichen Schulen. Das kann unter anderem Metall oder Elektro oder auch Gesundheit sein, wo beispielsweise sicherlich auch auch Ärzte die Möglichkeit bekommen, gute Möglichkeiten und da versprechen wir uns sehr viel von. Wir sind eines der ersten Länder und dazu bekommen wir viele sehr positive Rückmeldungen.
Appelmann:
Ganz großes Thema: die Zuwanderung nach Deutschland, die natürlich auch Herausforderungen für die Schule bereithält. Wie viel aufwendiger wird Schulunterricht, wenn immer weniger junge Menschen richtig Deutsch sprechen?
Schwarz:
Hessen hat ein wirklich umfängliches Gesamtpaket zur Förderung der deutschen Sprache. Auch dort legen wir im neuen Schuljahr noch einen drauf, wenn ich das so sagen darf. Es gibt eine zusätzliche Stunde Deutsch in der zweiten Klasse, da investieren wir auch zusätzlich noch mal 100 Stellen. Aber das Gesamtsprachförderkonzept Deutsch, das ist vorbildlich. Da gucken andere Bundesländer sehr genau hin. Das beginnt mit den verpflichtenden Vorlaufkursen. Um es mal deutlich zu machen: Wir haben 1/3, nahezu 1/3 des kompletten Jahrgangs in einem Vorlaufkurs, der verpflichtend ist. Das bedeutet: anderthalb Jahre bei der Schuleignung, bei der Feststellung wird geschaut, wie sind die Fähigkeiten kognitiv, sprachlich und dann wird die Entscheidung getroffen, damit Deutschgrundlagen da sind, wenn es in die Schule geht. Denn Deutsch ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Schullaufbahn und …
Appelmann:
Und für die Integration am Ende,
Schwarz:
Die Integration, aber auch für eine Berufswahl.
Appelmann:
Herr Schwarz, eine Frage noch zum Startchancen-Programm. Das war ja unser erster Beitrag heute. Die CDU-Opposition auf Bundesebene sagt: “Das ist nicht der große Wurf. 4.000 Schulen und da jeweils eine Lehrkraft mehr. So sieht keine Bildungsrevolution aus.” Oder?
Schwarz:
Wissen Sie, ich gebe Ihnen da vollkommen recht. Das ist in der Tat keine Bildungsrevolution. Wir starten mit 92 Schulen im Startchancen-Programm. Es werden in Summe dann 320 Schulen sein. Um es mal zu verdeutlichen: Aus Berlin kommen weniger als 80 Millionen €. Wir haben in Hessen schon lange ein Spezialpaket. Das ist 500 Millionen, eine halbe Milliarde Euro schwer mit über 4.000 Stellen, mit zusätzlich Deutschunterricht, mit 5,000 Stellen, über 5,000 Stellen, beispielsweise hier den Ganztag mit der Unterstützung durch Sozialpädagogen, mit Nachhilfeunterricht, mit Förderunterricht. Wir nehmen das gerne mit, aber wenn man das in Summe betrachtet, ist es eine kleine Ergänzung. 92 Schulen starten, in Summe werden es 320. Es gibt aber öffentliche Schulen 1.810. Und das, was wir machen, auch in meiner Verantwortung, muss logischerweise für ganz Hessen, für alle Schulen gelten.
Appelmann:
… sagt der hessische Bildungsminister heute im Studio. Danke Ihnen, Armin Schwarz.
Schwarz:
Sehr gerne.









