Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Feriensprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund

Aug. 23, 2024

Die Gräfenau-Schule in Ludwigshafen gilt als mahnendes Beispiel in der rheinland-pfälzischen Bildungslandschaft. An der Grundschule müssen in diesem Jahr 25 Prozent der Schüler die erste Klasse wiederholen – vor allem, weil sie kein oder kaum Deutsch sprechen. Weil Sprache aber der Schlüssel zu guter Bildung ist, bietet das Land Rheinland-Pfalz Ferien-Sprachkurse an, damit über 2.100 Schüler mit Migrationshintergrund – auch außerhalb des Schulalltags – Sprach-Kompetenzen erwerben können. Wir sind an einer Grundschule in Nieder-Olm bei Mainz dabei.
Mustafa, Samuel, Branimir, Jesseva und Yulia sitzen im Klassenzimmer – und das obwohl Ferien sind. Die Kinder kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern; etwa der Ukraine, Kolumbien oder Indien. Eins haben sie aber gemeinsam, sie brauchen Nachhilfe in Deutsch.

Samuel, aus Kolumbien
„Ich bin Samuel, in Klasse drei.“
Yulia, aus der Ukraine
„Mein Name ist Yulia.“
Mustafa, aus der Türkei
„Ich heiße Mustafa und ich komme aus der Türkei und ich bin in die zweite Klasse.“

Lehrerin Nina Watrin versucht die deutsche Sprache spielerisch zu vermitteln. Es ist bereits der siebte Feriensprachkurs, den sie leitet.

„Und zwar hänge ich jetzt diese Bilder an die Tafel und danach kriegt ihr Überschriften und immer eine Überschrift passt zu einem Bild. Was steht denn bei dir drauf? – Frühling und Sommer. – Okay – Was passt denn zu Frühling und Sommer? Was sagen die anderen? Einverstanden? – Einverstanden! – Glaub auch. Das sieht richtig gut aus. Dankeschön.“
Nina Watrin, Lehrerin für Deutsch und Englisch
„Die meisten Kinder würd ich sagen haben so die Basics drauf in Deutsch. Das heißt, die können sich artikulieren, die können sprechen, verstehen auch viel aber es fehlt einfach an Grundgrammatik.“

Nina Watrin hat die Kinder erst zu Beginn des 20-stündigen Sprachkurses kennengelernt. Organisiert werden die Lehrkräfte von den Volkshochschulen – hier der Kreisvolkshochschule Mainz-Bingen. Finanziert werden die Sprachkurse vom Land. An der Burgschule in Nieder-Olm gibt es in jeden Schulferien mindestens einen Sprachkurs mit bis zu 10 Kindern.

Silke Grimsel, Schulleiterin Burgschule
„Natürlich können die Kinder danach nicht perfekt fließend Deutsch. Dafür ist die Zeit einfach zu kurz und die Stunden zu wenig aber sie trauen sich mehr, weil sie in dieser kleinen Gruppe natürlich mehr Erfahrungen machen konnten. Und deswegen merken wir, dass die Kinder offener sind und auch das was sie gelernt haben anbringen möchten und sich dann auch mehr im Unterricht beteiligen.“

Und dieser Plan scheint aufzugehen. Der spielerische Ansatz macht den Kindern Spaß. Dass sie dabei auch noch Deutsch lernen, merken sie oft gar nicht.

Yesseva, aus Indien
„Also wir haben schon Uno gespielt.“
Branimir, aus Bulgarien
„Dann Galgenmännchen und danach einfach Pause.“
Mustafa, aus der Türkei
„Dann haben wir die Zettel gemacht.“
Branimir, aus Bulgarien
„Und wir haben auch gespielt ‚Ich packe meinen Koffer und nehme mit…‘.“
Nina Watrin, Lehrerin für Deutsch und Englisch
„Die größte Entwicklung, die ich jetzt schon nach drei Tagen feststellen konnte, ist einfach die Bereitschaft und den Mut zu sprechen. Also Kinder, die am ersten Tag fast gar nichts gesagt haben, nur ihren Namen und das Land, wo sie herkommen, melden sich jetzt schon, rufen Buchstaben rein, wollen sich irgendwie beteiligen.“

Und so können die Feriensprachkurse ein guter Anreiz für die Kinder sein, fürs Deutsch lernen und für den weiteren schulischen Erfolg.