Überfüllte Tierheime
Das Mainzer Tierheim ist am Limit. Momentan wollen wieder viele Menschen ihre Tiere hier abgeben. Es fehlt an Geld, Platz und Personal. Eine mögliche Konsequenz wäre ein Aufnahmestopp. Doch das ist hier keine Option.
Jasmina Bott, stellvertretende Vorsitzende Tierheim Mainz
„Die Leute würden uns die Tiere dann wahrscheinlich anbinden, über den Zaun werfen, worst case, und die stehen ja auch alle hier vor der Tür mit jedem Fundtier. Was sollen wir sagen? Nee, gehen Sie wieder zurück. Bringen Sie das Tier hin, wo Sie es gefunden haben. Können wir nicht.“
Gerade sind alle Hundezwinger belegt. Ein Grund dafür ist, dass Menschen sich die Tiere oft unüberlegt anschaffen und nicht weiter planen. Gerade in Corona-Zeiten war die Nachfrage groß. Besonders zugenommen haben seitdem der Import von Tieren und der illegale Handel mit Welpen.
Alexandra Seitz, Tierpflegerin Tierheim Mainz
„Wichtig ist, bevor man sich den Hund holt schon zu informieren. Was kann ich bieten, was kann ich leisten, was kann ich dem Hund auch geben, wenn ich Probleme habe, bin ich auch gewillt dran zu arbeiten?“
Viele Halter wissen nicht wohin mit ihrem Tier, wenn sie zur Arbeit oder in den Urlaub fahren. Einige sehen als einzigen Ausweg das Tier abzugeben oder auszusetzen.
Aber es gibt andere Möglichkeiten. In den letzten Jahren sind Angebot und Nachfrage an sogenannten „Dog-Walkern“ oder Hundetagesstätten enorm gestiegen. Tanja Kowalski ist jeden Tag mit ihrer Hundegruppe unterwegs und entlastet dadurch die Halter. Sie erlebt regelmäßig, dass Hundehalter überfordert sind.
Tanja Kowalksi, Dogwalkerin
„Es erstaunt mich, dass Leute mich jetzt mehrfach anrufen in den letzten 14 Tagen und sagen, ob sie morgen den Hund bringen können. ‚Kann ich Ihnen am Montag den Hund bringen?‘ Ich kann nicht erst den Urlaub buchen und dann einen Platz für meinen Hund suchen und dann ihn vielleicht notgedrungen irgendwo an einen Baum binden, nur weil ich halt lieber in Urlaub fliege. Das ist unverantwortlich.“
Zudem unterschätzen Menschen häufig die Kosten, die ein Tier mit sich bringt.
Tanja Kowalski, Dogwalkerin
„ Man sagt ja im Schnitt zehn Jahre kostet dich ein normaler Hund fast 17.000 Euro. Da sind aber noch keine OP’s dabei, wo schwerwiegender waren und ich denke, man muss sich mal darüber bewusst sein, wie viel Geld auch und Zeit so ein Hund kostet.“
Kosten, die auch das Mainzer Tierheim nur noch schwer stemmen kann.
Jasmina Bott, stellvertretende Tierheimleitung Mainz
„Wenn wir nicht demnächst bald finanzielle Unterstützung bekommen von der Stadt, dann müssen wir auch irgendwann sagen: Wir kommen an unsere Grenzen, wir können uns das nicht mehr leisten.“
Volle Hundezwinger im Tierheim – durch mangelndes Verantwortungsgefühl. Nicht nur in der Urlaubszeit, sondern auch im Rest des Jahres, sollte hier dringend ein Umdenken stattfinden.









