Kein Grabstein für Helmut Kohl
Seit Jahren gibt es Streit um das Grab von Helmut Kohl. Ist seine Ruhestätte in Speyer für den Kanzler der deutschen Einheit angemessen? Oder sollte er lieber in das Familiengrab nach Ludwigshafen kommen? Wir haben uns an beiden Orten umgesehen.
Nur ein verwittertes Holzkreuz steht am Grab von Helmut Kohl. Die Ruhestätte liegt fast versteckt im Adenauerpark in Speyer. Kein Grabstein, nebenan eine Sitzbank, die durch ein verschlossenes Tor aber nicht zugänglich ist. Alles umrandet von einem Gitterzaun. Besucher finden das Grab wenig repräsentativ.
Michael Lange, aus Speyer
„Hier ist er etwas vereinsamt, hier sind zu wenige Leute, die ihn besuchen. Er hat viel mehr verdient als Kanzler. Es wäre besser, wenn er einen würdigeren Platz hätte.“
Sandra Wien, aus Berlin
„Für das, was er erreicht hat für uns alle – wo wir heute ja alle von profitieren und schon seit Jahrzehnten – ist es schon so, dass er‘s etwas würdevoller hätte haben müssen als nur so ein hellbeiger Block drum herum um sein Grab.“
Helmut Kohls Sohn Walter findet das Grab schlichtweg unwürdig, schon seit Jahren wollen er und sein Bruder etwas ändern. Dem entgegen steht die zweite Ehefrau des Altkanzlers, Maike Kohl-Richter. Sie hat bei der Grabgestaltung das letzte Wort.
Carsten Praeg, Reporter
„Schon seit Jahren gilt das Verhältnis zwischen beiden Seiten als zerrüttet. Walter Kohl sagt uns telefonisch, ein Zaun sei unangemessen für einen europäischen Staatsmann, der Grenzen überwunden hat. Maike Kohl-Richter teilt uns über ihren Anwalt mit, sie halte das Grab für würdig. Zudem sei dies noch nicht die endgültige Gestaltung des Grabs.“
Am liebsten wäre es Walter Kohl, sein Vater würde hierhin nach Ludwigshafen verlegt werden: Ins Familiengrab neben Helmut Kohls erste Frau Hannelore. Der letzte Wunsch des Altkanzlers war aber laut Maike Kohl-Richter, in Speyer beerdigt zu werden. Auch die rheinland-pfälzische CDU beschäftigt immer wieder die Ruhestätte ihres prominentesten Politikers.
Christian Baldauf (CDU), Parteivorsitzender Rheinland-Pfalz
„Meine Meinung ist, dass er ein angemessenes und würdevolles Grab für einen Kanzler der Einheit, für den Architekten Europas verdient hat. Am Ende hat Frau Kohl-Richter selbst zu entscheiden, es ist eine Privatsache.“
Auch die Stadt Speyer verweist darauf, dass die Grabgestaltung eine Privatangelegenheit der Witwe sei. Eine wenig schmückende Videokamera hat die Stadt dennoch bereits abgebaut. Nun ist ihr der Zaun ebenfalls ein Dorn im Auge. Dazu sei sie in Kontakt mit Maike Kohl-Richter. Vielleicht erhält also das Grab von Helmut Kohl demnächst doch noch etwas mehr Glanz.









