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Spontane Hochzeiten in Wiesbaden

Juli 2, 2024

Für eine Hochzeit laufen bei vielen Paaren im Vorfeld langwierige Planungen: Wo wird gefeiert, wie viele Gäste laden wir ein, wo finde ich das passende Brautkleid? Doch das geht auch deutlich schneller und einfacher. Zum Beispiel auf dem Pop-Up Hochzeits-Fest in Wiesbaden. Dort haben Paare rund um die Marktkirche spontan geheiratet oder sich segnen lassen. Elf Pfarrer waren dafür im Einsatz und jede Hochzeit wurde individuell gestaltet.
Kirchturm, Altar, Pavillon – für die Trauungen und Segnungen stehen verschiedene Orte bereit. Manche Paare kommen spontan vorbei, andere haben sich vorher angemeldet.
So wie sind Hannelore und Hasso Giermann. Genau heute ist ihr 30-jähriger Hochzeitstag. Eigentlich wollten sie den gar nicht hier verbringen, sondern in Kopenhagen. Doch eine Knieverletzung bei Hannelore hat den beiden einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Hannelore Giermann
„Und dann haben wir gesagt, dann bleiben wir halt zuhause. Und da gab es sehr, sehr viele Tränen. Und dann hab ich das in der Zeitung gelesen, als ich beim Arzt saß, kurz vorm Röntgen, und dann sage ich, und das ist wie eine Eingebung. Das muss einfach sein, das machen wir. Und dann haben wir uns beide entschieden und dann habe ich auch gleich eine E-Mail geschrieben hier an die Marktkirche und die haben geantwortet, wir können dabei sein.“

Praktisch für die Paare: Sie müssen nichts vorbereiten oder planen. Man muss nicht einmal standesamtlich verheiratet sein, denn einen Segen kann hier jeder bekommen. Die Idee, in Wiesbaden so eine Aktion durchzuführen, hatte Bettina Friehmelt, Pfarrerin für Stadtkirchenarbeit.

Bettina Friehmelt, Pfarrerin
„Wir wollen Kirche wieder unter die Leute bringen, das ist die eine Idee und wir wollen Segen schenken. Und deswegen haben wir gesagt, wir gehen raus und machen ein Segensfest, ein Hochzeitsfest hier rund um die Marktkirche.“

Seifenblasen, Trausprüche aus dem Kaugummiautomaten, Fotobox oder Livemusik. Was man davon will, kann jeder individuell entscheiden. Bei einem kurzen Vorgespräch wird auch die Musik gewählt. Dann geht es zum Trauort. Hannelore uns Hasso haben sich den Altarraum der Marktkirche ausgesucht. Dort erleben die beiden ihren Hochzeitsmoment von vor dreißig Jahren noch einmal.

Hasso Giermann
„Also ich muss wirklich sagen, zuerst war ich nicht so dafür. Ich denke, meine Güte, wer weiß, wie das alles abläuft, keine Vorstellung. Und heute bin ich so überwältigt. Ich bin also richtig ja zu Tränen fast gerührt, aber so habe ich mir das nie vorstellen können.“

Hannelore und Hasso bekommen ihren Segen von Pfarrerin Ursula Kuhn. Sie traut heute auch viele Paare. Dabei ist keine Geschichte gleich.

Ursula Kuhn, Pfarrerin
„Ich finde das was ganz Berührendes und was wirklich total Schönes. Und Segen kann man eigentlich nie genug erneuern und immer wieder auch erbitten. Und wenn jemand noch nach 30 Jahren sagt: ‚Jawoll wir lieben uns immer noch so sehr und das ist uns so wichtig, dass wir weiterhin gesegnet sind in unserer Partnerschaft, in unserer Ehe, mit unserer Liebe‘, dann ist das einfach nur wunderbar.“

Und auch die Bettina Friehmelt ist mit ihrem ersten Pop-up-Hochzeitsfestival zufrieden.

Bettina Friehmelt, Pfarrerin
„Was ich vielleicht auch mitnehme, ist dieses Wissen, diese Erkenntnis, wie viele Menschen sich nach Segen sehnen. Egal, wie alt sie sind. Es sind nicht nur junge oder nicht nur alte. Sondern es ist so ganz durchmischt und manche kommen so sehr geplant, man sieht es ja, mit Hochzeitskleid und schon gefertigtem Brautstrauß und manche kommen spontan. Das ist wirklich sehr schön.“

Für Hannelore und Hasso jedenfalls hätte der Tag nicht besser sein können. Noch eine Runde in der Hochzeitsrikscha, dann ist der schönste Tag ihres Lebens 2.0 perfekt.